Freidenker-Vereinigung will Walliser Million an den Vatikan verhindern
Über die juristische Recht- oder Unrechtmässigkeit der Spende von 1 Million Franken des Kantons Wallis an den Bau der neuen Kaserne der Schweizer Garde in Rom kann und will ich mich mangels juristischer Kenntnisse nicht äussern.
Sicher aber bin ich froh und dankbar für dieses Zeichen der Grosszügigkeit unseres Kantons zugunsten dieses notwendigen Neubaus der Kaserne, die sich zumindest teilweise in einem desolaten Zustand befindet.
Als Ehrenmitglied der Walliser Sektion der Exgardisten weiss ich mich mit vielen Walliserinnen und Wallisern mit der päpstlichen Schweizergarde in Rom sehr verbunden. So sehr das Bistum Sitten das Projekt einer neuen Kaserne für die Schweizergarde in Rom begrüsst, konnte es sich dennoch nicht an der finanziellen Unterstützung dieses Bauprojektes beteiligen, da unsere Diözese selber auf Spenden durch den Kanton und die Walliser Bevölkerung angewiesen ist, um eine zeitgemässe und personenbezogene Seelsorge zu gewährleisten. Das Bistum Sitten bekommt, anders als andere Bistümer in der Schweiz, einen kleinen Teil seiner Einnahmen von der Inländischen Mission und dem Fastenopfer. Dies ist jedoch bei weitem nicht ausreichend. Der Rest der Auslagen kann fast nur durch Kollekten, Spenden und Legate gedeckt werden. Deshalb hat das Bistum Sitten jedes Jahr mit einem Defizit von mehr als einer halben Million zu kämpfen. Es wäre schwer und unglaubwürdig, den jährlichen Aufruf zu einer grosszügigen Spende anlässlich des Bistumsopfer an Allerheiligen, zu rechtfertigen, wenn das Bistum auf der anderen Seite für ein noch so berechtigtes Projekt Geld freigeben würde, das nicht für die eigentliche Seelsorge im Bistum Sitten verwendet wird.
Was den Versuch der Freidenker-Vereinigung betrifft, die die Spende des Kantons Wallis verhindern will, so nehmen wir davon Kenntnis. In einer Demokratie und auch innerhalb der Kirche hat jeder das Recht seine Meinung frei zu äussern. Ohne mich als Wahrsager profilieren zu wollen, gehe ich jedoch davon aus, dass diesem Versuch im Wallis kein Erfolg beschieden sein wird. Falls es zu einer Volksabstimmung über diesen Kredit kommen sollte, so wird der Entscheid der Walliser Bevölkerung wohl anders ausfallen als im Kanton Luzern. Die Vorlage wird scheitern, so wie alle bisherigen Vorstösse der Freidenker-Bewegung in unserem Kanton. Die zahlreichen Männer (es sind hunderte von ihnen) aus unserem Kanton, die seit Jahrhunderten unter dem Motto «acriter et fideliter» (tapfer und treu) Dienst in der päpstlichen Schweizer Garde geleistet haben, und es auch heute noch tun, sind bei den Menschen im Kanton Wallis angesehen und geehrt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Gründung der päpstlichen Schweizergarde im Jahr 1506 auch ein Verdienst des damaligen Bischofs von Sitten, Kardinal Matthäus Schiner (1465-1522) gewesen ist. Die Verbundenheit mit dem Heiligen Stuhl und die Hochschätzung der Schweizer Garde zeigt sich nicht zuletzt auch im Schweizer-Garde Museum, das sich in Naters befindet und am 11. November 2006 im Beisein der damaligen Bundesrätin Micheline Calmy-Rey eröffnet wurde. Dieses zieht jedes Jahr zahlreiche Besucher und Besucherinnen aus dem In- und Ausland an. Übrigens hat keine Schweizer Gemeinde im Verlauf der Jahrhunderte mehr Gardisten gestellt als das Walliser Dorf Naters.
Die Schweizergarde ist weltweit ein Aushängeschild für eine offene Schweiz und, wie es im «Walliser Bote» vom 14. Oktober 2022 zurecht stand, «eine Vermögensanlage in die Zukunft unserer christlichen Gesellschaft hier in der Schweiz».
Deshalb begrüsse ich die Spende des Kantons Wallis und bin dafür dankbar auch im Namen der aktuellen und der ehemaligen Schweizer Gardisten.
Paul Martone



