Künstliche Intelligenz
Schweiz

«Menschen sind etwas anderes als Maschinen»: Leitlinien der Kirchen zu KI

Der zunehmende Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf die Gesellschaft macht vielen Menschen Sorgen. Nicht nur die Politik ist gefordert, wie man in Zukunft mit KI umgehen soll. Nun haben Schweizer Kirchen und Verbände in einem gemeinsamen Schulterschluss zehn ethische Leitlinien zum Umgang mit KI herausgegeben – unter dem Titel «Menschlichkeit im digitalen Zeitalter». Ihr Massstab: die Würde des Menschen.

Wolfgang Holz

«Künstliche Intelligenz verändert, wie wir lernen, arbeiten und miteinander umgehen. Dass fünf Kirchen und Verbände dazu gemeinsam sprechen, freut mich besonders: In dieser Frage haben wir als Kirchen in der Schweiz eine Stimme», sagt Rita Famos von der Evangelischen Kirche Schweiz (EKS) zu der gemeinsamen Initiative.

Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz
Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz

In der Tat: Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz EKS, die Schweizer Bischofskonferenz SBK, der Dachverband Freikirchen.ch, die Christkatholische Kirche der Schweiz und die Schweizerische Evangelische Allianz SEA legen gemeinsam zehn Leitlinien für einen verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Intelligenz vor, wie in einer Medienmitteilung der Kirchen postuliert wird.

Gemeinsame christliche Überzeugung

Im Zentrum soll eine gemeinsame christliche Überzeugung stehen: Menschen sind Personen – von Gott geschaffen und angesprochen und in ihrer Würde unverfügbar. Technische Möglichkeiten müssen sich daran messen lassen, ob sie dem Wohl der Menschen und ihrer Mitwelt dienen.

Bischof Charles Morerod
Bischof Charles Morerod

«Wer über künstliche Intelligenz spricht, spricht immer auch über den Menschen. Diese Leitlinien verbinden beides: die theologische Frage, was uns ausmacht, und die praktische, wie wir mit diesen Werkzeugen umgehen», konstatiert Bischof Charles Morerod, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz.

Die zehn Leitlinien

Die zehn Leitlinien der Schweizer Kirchen zur künstlichen Intelligenz, quasi die zehn Gebote der Kirchen zur KI, versuchen, Grundfragen des christlichen Menschenbildes mit konkreten Herausforderungen künstlicher Intelligenz zu verbinden.

Sie halten konkret fest:  »1.Menschen sind etwas anderes als Maschinen. 2. Beziehungen leben von leiblicher Erfahrung. 3. Persönlichkeitsbildung lässt sich nicht delegieren. 4. Nicht die Technik schreibt die Geschichte. 5. Wahrheit braucht Prüfung und Transparenz. 6. Mitbestimmung muss geschützt bleiben. 7. Menschen sind mehr als ihre Daten. 8. Ökologische Verantwortung gilt auch digital. 9. Digitale Macht braucht Grenzen und Teilhabe. 10. Wir, die Schweizer Kirchen, gestalten die KI-Revolution gemeinsam.»

Die Leitlinien sollen sich an kirchliche Institutionen, Gemeinden und Werke richten. Zugleich verstehen sie sich als Beitrag zur breiteren gesellschaftlichen Debatte. Die Leitlinien «Menschlichkeit im digitalen Zeitalter» sind ab sofort auf menschlichkeit-digital.ch zugänglich.

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Bischof Frank Bangerter von der Christkatholischen Kirche ist überzeugt: «KI darf nicht nur jenen nützen, die ohnehin die Macht haben. Diese Leitlinien richten den Blick bewusst auf die Menschen, die sonst abgehängt werden, denn technischer Fortschritt ist nur dann gut, wenn er allen dient.»

*An der Tagung «Ghost in the machine» werden die Leitlinien vorgestellt und vertieft. Medienschaffende und weitere Interessierte sind herzlich eingeladen. Programm: paulusakademie.ch – Ghost in the machine Anmeldung: bis am 12.10. über den obenstehenden Link, danach bitte an: stefanie.fischer@evref.ch


Künstliche Intelligenz | © Wikimedia Commons
12. Oktober 2026 | 12:00
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