Bischof Joseph Maria Bonnemain
Schweiz

«Niemand kann und darf sich mehr nur um seinen eigenen Garten kümmern»: Appell des Bischofs

Der Priestermangel wird immer eklatanter. Bischof Joseph Maria Bonnemain hat im Zusammenhang mit der immer schwieriger werdenden Suche nach Priestern einen Brief an die Seelsorgenden und Verantwortlichen für die Pfarreien und Kirchgemeinden im Bistum gerichtet.

Wolfgang Holz

«Eine kühne, affektive und effektive Vernetzung unserer Pfarrereien, anderssprachigen Seelsorgegemeinschaften, Dienststellen, Gremien, institutionellen und staatskirchenrechtlichen Strukturen ist nicht mehr aufschiebbar», schreibt Bischof Joseph Maria Bonnemain in seinem Brief vom 2. Oktober. Dieser liegt der Redaktion von kath.ch vor.

Grund: Die klassische Einteilung und Organisation der Pastoral in weitgehend autonomen Pfarreien und voneinander isolierten Kreisen habe keine Zukunft. «Wir müssen dieses Denken und Handeln dringend überwinden», so der Churer Bischof.

Immer weniger Priester

Kein Wunder. Die Zahl der Priesterweihen ist seit Jahrzehnten stark rückläufig. Seit dem Amtsantritt von Bischof Joseph Maria Bonnemain im Jahr 2021 wurden allein im Bistum Chur bis heute nur sieben neue Priester geweiht. Generell kommen in den letzten Jahren auf zehn verstorbene Diözesanpriester in der Schweiz laut dem Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut in St. Gallen (SPI) mittlerweile statistisch oft nur noch rund 1,3 bis 2 Neupriester nach.   

«Niemand kann und darf sich mehr nur um seinen eigenen Garten kümmern», bringt Bonnemain deshalb mit dem Bild des hegenden Gärtners seine zentrale Botschaft in dem Brief auf den Punkt. Will heissen: Pfarreien dürften sich nicht mehr abgrenzen gegenüber anderen Pfarreien.

Vom Nebeneinander zum Miteinander

«Eine solche Mentalität gefährdet und vergiftet die Vitalität unserer Seelsorge. Wir dürfen uns eine solche nicht mehr leisten, sie verhindert, dass vorhandene Gaben und Möglichkeiten füreinander fruchtbar werden.» Man müsse deshalb vom Nebeneinander zum Miteinander, vom Eigenen zum Gemeinsamen und von der Abgrenzung zur Vernetzung kommen.

«Eine solche Umgestaltung wird jedoch nur gelingen, wenn alle im Bistum davon überzeugt und dafür motiviert sind.»  

Wie diese Vernetzung aussehen soll, formuliert Bischof Bonnemain nicht konkret aus – weil diese Vernetzung nicht von der Bistumsleitung verordnet werden dürfe. Die Mitglieder des Pastoral- und Personalentwicklungsteams würden aber gegenwärtig an den dafür notwendigen Prozessen arbeiten und die Pfarreien künftig unterstützen. «Eine solche Umgestaltung wird jedoch nur gelingen, wenn alle im Bistum davon überzeugt und dafür motiviert sind.»  

«Ekklesiologischer Wandel»

Unterm Strich gehe es nicht darum, «bestehende Pfarreien und Pastoralgebiete in Seelsorgeeinheiten einzupferchen, schreibt Bonnemain in seinem Brief weiter. «Es geht darum, sie so miteinander zu vernetzen und ineinander zu integrieren, dass die Stärken, Fähigkeiten, Erfahrungen, das Engagement und die Kreativität der einen auch den anderen zugutekommen.»

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Entschlossenes, intensives und freudiges Zusammenwirken sei gefragt, um «reich gesegnetes Aufblühen des kirchlichen Lebens in unserem Bistum zu ermöglichen». Für die Bereitschaft zu diesem «ekklesiologischen Wandel» bedankt sich der Churer Bischof am Ende des Briefes im Voraus.


Bischof Joseph Maria Bonnemain | © Regula Pfeifer
2. Oktober 2026 | 16:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
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