Papst in Metz: «Grösse einer Zivilisation misst sich daran, wie sie sich um Menschen kümmert»
Paris, Lourdes und nun Metz. In vier Tagen absolviert Papst Leo XIV. seine ganz eigene Tour de France. Zum Abschluss des Marathons mit Gottesdiensten und Reden stehen heute drei Auftritte in Metz an. Dort geht es um Europa.
(CIC) Am vierten und letzten Tag seiner Frankreichreise fliegt Papst Leo XIV. an diesem Montag vom Wallfahrtsort Lourdes im Südwesten nach Metz im Osten des Landes. In der lothringischen Stadt im Dreiländereck von Frankreich, Luxemburg und Deutschland steht das Thema Europa im Zentrum.
Papst Leo XIV. forderte dabei in Metz am Morgen von Religionen einen gemeinsamen Einsatz für Menschenwürde und Frieden. Sich auf den Namen Gottes zu berufen, um Gewalt oder Unterdrückung zu legitimieren, stelle eine Entweihung dieses Namens dar, sagte er bei einem interreligiösen Treffen am Montagmorgen in Metz. «Nichts, was die Menschenwürde entstellt, kann sich auf wahre göttliche Eingebung berufen.»
Von den Religionsvertretern forderte er, sich für eine Kunst der Begegnung starkzumachen, die das direkte Gegenteil von Aggressivität und Gewalt sei. «Der religiöse Diskurs muss stets dazu aufrufen, die Herzen und die Worte zu entwaffnen», so Leo XIV.
Freundschaften schliessen und Leben schützen
«Als religiöse Frauen und Männer ist es unsere gemeinsame Verantwortung, (…) Zeugnis davon zu geben, dass es, über alle Grenzen hinweg, stets möglich ist, einander zu begegnen, Freundschaften zu schliessen und Frieden zu stiften», so Leo XIV. «Der Dialog nimmt uns nichts von unserer Identität, sondern bringt sie in Einfachheit und Wahrheit zum Ausdruck, wenn sie sich der Andersartigkeit des anderen öffnet.»
«Die Grösse einer Zivilisation misst sich nicht an ihren materiellen Errungenschaften, sondern daran, wie sie sich um den Menschen kümmert, ihn schützt und ihn fördert.»
Der religiöse Einsatz für Frieden und Geschwisterlichkeit drücke sich zudem im Schutz des Lebens aus, auch in schwierigen Zeiten und bis zu seinem Ende, erklärte der Papst. «Die Grösse einer Zivilisation misst sich nicht an ihren materiellen Errungenschaften, sondern daran, wie sie sich um den Menschen kümmert, ihn schützt und ihn fördert.»
Orientierung für die Jugend
Abschließend rief Leo XIV. die Religionsvertreter dazu auf, insbesondere jungen Menschen feste Orientierungspunkte für den Aufbau einer Gemeinschaft zu bieten, die die Würde jedes Menschen achte und zur Geltung bringe.
In einem Vorort von Metz ist der katholische EU-Gründungsvater Robert Schuman begraben. Er legte mit seiner Idee einer industriellen Zusammenarbeit der früheren Kriegsgegner im Herzen Europas den Grundstein für die heutige EU.
Zum Abschluss feiert Papst Leo XIV. eine Messe in der Kathedrale von Metz, bevor der am frühen Abend den Rückflug nach Rom antritt. Dort wird er gegen 21 Uhr Ortszeit zurückerwartet.
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