Religionssoziologe erwartet nach Wahlen in Deutschland schwierige Zeiten für Kirchen
In Berlin hat die Linke die Wahl gewonnen, in Mecklenburg-Vorpommern die AfD. Für die Kirchen verheisse die Stärke beider Parteien nichts Gutes, so der Soziologe Pickel. Ebenso wenig wie für andere Glaubensgemeinschaften.
(KNA) Der Leipziger Religionssoziologe Gert Pickel sieht wegen der Wahlerfolge von AfD und Linken schwierige Zeiten auf Kirchen und andere Religionsgemeinschaften zukommen. Die Linke habe in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern sehr deutlich gemacht, dass sie die Kirchen nur als etwas sehe, das eine zivilgesellschaftliche Organisation wie jede andere auch sei, sagte Pickel am Montag im Deutschlandfunk.
Die AfD wiederum habe wahrgenommen, dass sich die christlichen Kirchen vor den Wahlen klar gegen die Partei positioniert haben. Die in Teilen gesichert rechtsextreme AfD sage, sie wolle ein Christentum, das sich nicht auf die grossen Kirchen konzentriere, sondern eine grössere Breite befördere, so Pickel. Wie diese Breite genau aussehen solle, führe die Partei aber nicht näher aus. Es könnte allerdings ein möglicher Machtverlust für die Kirchen drohen.
Sorgen in allen Religionsgemeinschaften
Die Religionsgemeinschaften hätten zusammen vor und nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern ihre Sorgen ausgedrückt, auch wegen der sehr stark gegen den Islam gerichteten Positionierungen der AfD, erklärte Pickel. Diese Sorge stehe auch vor dem Hintergrund, dass das, was anderen Religionsgemeinschaften passiere, auch einem selbst irgendwann drohen könne.
Für die jüdische Gemeinschaft sei es ebenfalls nicht beruhigend, wenn die AfD stark sei, sagte Pickel. Die AfD sei eine rechte Partei und in einigen Bundesländern als gesichert rechtsextrem eingestuft. Daher seien antisemitische Ressentiments sehr stark verbreitet. Es sei zu erwarten, dass unter der AfD antisemitische Straftaten weniger verfolgt würden. Zudem stehe die Partei auf Bundesebene dafür, die Erinnerungskultur an den Holocaust zurückzudrängen.
Linke hat bei muslimischen Wählern gepunktet
Die Linke hat als Sieger bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl insbesondere bei muslimischen Wählern gepunktet. Während die Partei laut vorläufigem Endergebnis 25,7 Prozent aller Stimmen gewann, waren es unter Muslimen 51 Prozent, wie aus einer Auswertung der Forschungsgruppe Wahlen hervorgeht, die der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) exklusiv vorliegt.
Auch unter konfessionslosen Wählern schnitt die Linke mit 28 Prozent etwas besser ab. Bei katholischen Wählern kam die Partei hingegen auf lediglich 17 Prozent und bei evangelischen Wählern nur auf 16 Prozent. In beiden Gruppen legte die Linke aber um 9 Prozentpunkte im Vergleich zur vorherigen Wahl zu. Unter muslimischen Wählern lag der Zugewinn sogar bei 36 Prozentpunkten.
Zugewinne bei christlichen Wählenden
Die AfD konnte ebenfalls deutliche Zugewinne bei christlichen Wählern verzeichnen. Lediglich unter Muslimen kam die in Teilen rechtsextreme Partei mit 4 Prozent auf einen Prozentpunkt weniger als bei der vorherigen Wahl. CDU, SPD und Grüne verloren dagegen ungeachtet der Religionszugehörigkeit in allen Gruppen, die bisherigen Regierungsparteien CDU und SPD besonders stark unter Muslimen.
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