Kardinal Marc Ouellet (Mitte), 2023 in Rom
International

Kardinal Ouellet gewinnt Verleumdungsklage

Ein Richter in Kanada hat bestätigt, dass der emeritierte Erzbischof von Quebec von einer Frau zu Unrecht beschuldigt wurde. Der Ruf von Kardinal Ouellet sei dadurch beschädigt worden. Die Entschädigung will er spenden.

(KNA) Der aus Kanada stammende frühere Kurienkardinal Marc Ouellet (82) hat eine Verleumdungsklage über 100’000 Dollar gewonnen. Er hatte eine Frau wegen falscher Vorwürfe sexueller Nötigung verklagt. Das Geld will Ouellet laut Medienberichten von Montag (Ortszeit) zur Bekämpfung von sexuellem Missbrauch von Indigenen in Kanada spenden.

Der zuständige Richter des Obersten Gerichtshofs von Quebec entschied zugunsten des ehemaligen Erzbischofs von Quebec und verurteilte die Beklagte zur Zahlung von 100’000 Dollar Schadenersatz. Er wertete ihre Darstellungen als nicht glaubwürdig.

Sie hatte behauptet, den Kardinal zwischen 2008 und 2010 mehrmals getroffen zu haben, während sie für die katholische Kirche in Ausbildung stand oder tätig war. Ouellet habe sich ihr gegenüber bei vier Gelegenheiten in verschiedener Weise unangemessen verhalten, auch mit unerwünschten Berührungen.

Beschwerde an Papst Franziskus

Zunächst hatte die Frau ihre Vorwürfe anonym bei einem kirchlichen Beratungsgremium vorgebracht, später in einer Beschwerde an Papst Franziskus, die 2022 zurückgewiesen wurde. Schliesslich schloss sie sich einer Sammelklage von mehr als 100 Klägern gegen 88 Geistliche im Erzbistum Quebec an.

Ouellet hatte seine Klage mit der Begründung eingereicht, die Frau habe seinem Ruf, seiner Ehre und Würde Schaden zugefügt, weil sie ihn in einer Sammelklage namentlich nannte, in der Mitgliedern des Erzbistums sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen wurde.

«Böswilliges Verhalten»

Der Richter warf der Frau in seiner Entscheidung rücksichtsloses oder sogar böswilliges Verhalten vor. Unzufrieden mit der Bearbeitung ihrer Beschwerde an Papst Franziskus, habe sie beschlossen, ihre Darstellung zu ändern, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. Ihre Vorwürfe seien zweifelsfrei unbegründet.

Sie habe keine Rücksicht auf Ouellets Rechte genommen, einschliesslich seines Rechts auf einen guten Ruf, als sie ihn sexuellen Fehlverhaltens beschuldigte. Der Rufschaden werde noch dadurch verschärft, dass die Sammelklage gegen die Erzdiözese Québec überwiegend Geistliche oder Laien betreffe, denen Pädophilie vorgeworfen werde. Ouellets Anwalt äusserte sich erfreut, dass das Gericht «die Ungerechtigkeit anerkannt» habe, die der Kardinal erlitten habe.

Ouellet war von 2002 bis 2010 Erzbischof von Quebec. Anschliessend leitete er bis April 2023 die Vatikan-Behörde für die Bischofsernennungen in vielen Teilen der Welt. Lange galt er in konservativen Kreisen als potenzieller Papstkandidat.

Anzeige ↓ Anzeige ↑

Kardinal Marc Ouellet (Mitte), 2023 in Rom | © Oliver Sittel
2. September 2026 | 09:00
Lesezeit : ca. 1  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!