Ehre fürs Kloster Mariastein vor 100 Jahren: Kardinal Koch feiert Pontifikalamt
Das Kloster Mariastein feiert am Wochenende 100 Jahre «Basilica minor» sowie 100 Jahre Krönung des Gnadenbilds der Gottesmutter Maria. Der OK-Leiter des Jubiläumsjahres 2026, Mariano Tschuor, erklärt die Klostergeschichte dahinter und spricht von einer «historischen Ironie».
Regula Pfeifer
Weshalb haben Sie Kardinal Kurt Koch zum Jubiläumsgottesdienst vom 15. August eingeladen?
Mariano Tschuor*: Der 15. August 2026 verbindet in Mariastein zwei bedeutende Jubiläen. Zum einen feiert die Kirche das Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel. Zum anderen jährt sich zum hundertsten Mal die Erhebung der Klosterkirche zur päpstlichen «Basilica minor». Aus diesem Anlass ist es Tradition, einen hohen Vertreter der Kirche einzuladen, der der feierlichen Eucharistie vorsteht. Vor hundert Jahren war es der Nuntius in der Schweiz, Erzbischof Maglione, nun ist es ein Kardinal der römisch-katholischen Kirche, der nach Mariastein kommt, ein Prälat, der dem Wallfahrtsort seit Jahrzehnten eng verbunden ist.
«Als Bischof von Basel hat Kardinal Kurt Koch ‹seinen› Wallfahrtsort immer wieder besucht.»
Hat er als ehemaliger Bischof von Basel einen besonderen Bezug zu Mariastein?
Tschuor: Die Wahl ist naheliegend. Als Bischof von Basel hat Kardinal Kurt Koch «seinen» Wallfahrtsort immer wieder besucht und hier zahlreiche Gottesdienste gefeiert. 2008 spendete er als Diözesanbischof Pater Peter von Sury die Abtsweihe. Seine persönliche Verbundenheit mit Mariastein macht ihn zu einem besonders passenden Festprediger und Hauptzelebranten dieses Jubiläums.
Gefeiert wird 100 Jahre «Basilica minor». Mit dem Ehrentitel zeichnet der Papst Kirchen aus, die durch ihre Geschichte, Bedeutung oder liturgische Ausstrahlung herausragen. Was war 1926 ausschlaggebend bei der Klosterkirche Mariastein?
Tschuor: Entscheidend waren die ausgezeichneten Beziehungen zwischen dem damaligen Wallfahrtsleiter Pater Willibald Beerli und dem apostolischen Nuntius in Bern, Erzbischof Luigi Maglione. Maglione war bereits vor 1926 mehrfach in Mariastein zu Gast und verbrachte hier persönliche Einkehrtage.
Nach dem Ersten Weltkrieg befand sich die Wallfahrt in einer schwierigen Phase. Maglione war überzeugt, dass Mariastein neuen Aufschwung erhalten müsse – ein Anliegen, das sich mit der dynamischen Vision Pater Willibald Beerlis deckte. Gemeinsam entstand die Idee, Papst Pius XI. um die Erhebung der Klosterkirche zur «Basilica minor» sowie um die Krönung des Gnadenbildes zu bitten. Der Papst entsprach beiden Gesuchen.
«Der Ehrentitel ‹Basilica minor› unterstreicht diese überregionale Ausstrahlung und die Verbundenheit mit dem Papst.»
Was bedeutet Mariastein heute dieser Ehrentitel, den zwölf Kirchen in der Schweiz tragen?
Tschuor: Mariastein nimmt in der Kirchenlandschaft der Nordwestschweiz eine besondere Stellung ein. Der Wallfahrtsort ist nicht nur Ziel zahlreicher Pilgerinnen und Pilger, sondern zugleich für viele Menschen aus der Region Basel eine wichtige Sonntagskirche.
Der Ehrentitel «Basilica minor» unterstreicht diese überregionale Ausstrahlung. Darüber hinaus bringt er die besondere Verbundenheit mit dem Papst und der Weltkirche zum Ausdruck. Gerade in Mariastein wird diese weltkirchliche Dimension auf eindrückliche Weise sichtbar: Menschen unterschiedlichster Herkunft, viele mit Migrationsgeschichte, finden hier eine geistliche Heimat und feiern gemeinsam ihren Glauben.
«Die Krönung eines Marienbildes ist ein liturgischer Akt der katholischen Marienverehrung.»
Ebenso feiern Sie 100 Jahre der Krönung des Gnadenbilds der Gottesmutter Maria durch den damaligen Nuntius. Was war das für eine Krönung und was bedeutete diese damals und auch heute?
Tschuor: Die Krönung eines Marienbildes ist ein liturgischer Akt der katholischen Marienverehrung. Sie bringt den Glauben der Kirche zum Ausdruck, dass Maria als Gottesgebärerin – seit dem Konzil von Ephesus (431) als «Theotokos» bekannt – an der Herrlichkeit ihres Sohnes Anteil hat und in der Ordnung des Gottesreiches königliche Würde besitzt. Deshalb wird bei Darstellungen Marias mit dem Jesuskind stets auch das Kind Jesus gekrönt.
Wie kam es zu solchen Ehrungen für das Kloster Mariastein, das von 1874 bis 1971 – und also auch im Jahr 1926 – dem Kanton Solothurn gehörte?
Tschuor: 1874 wurde das Benediktinerkloster Mariastein vom Kanton Solothurn im Zuge einer «Reorganisation» enteignet. Die Wallfahrt hingegen sollte ausdrücklich weiterbestehen. Darin liegt eine bemerkenswerte historische Ironie: Ausgerechnet der Kanton Solothurn beauftragte die Benediktiner, die Wallfahrt weiterhin zu betreuen und zu gestalten. Eine kleine Gemeinschaft von Mönchen durfte im Konventsgebäude wohnen bleiben, und der Kanton übernahm sogar die Besoldung des für die Wallfahrt notwendigen Personals – ein in der Klostergeschichte einzigartiger Vorgang.
Wie wichtig ist es Mariastein, eine historische Entwicklung des Klosters zu feiern – obwohl diese mit der Verstaatlichung von 1874 einen Unterbruch erlitt?
Tschuor: Die eigentliche Bedeutung Mariasteins liegt in seiner jahrhundertelangen Wallfahrtstradition. Sie ist seit mindestens 1434 bezeugt und wird seit 1636 von den Benediktinern getragen und verantwortet. Diese Kontinuität verpflichtet. Generationen von Mönchen haben das Heiligtum gepflegt, das Gnadenbild bewahrt und Mariastein als Ort des Gebets, der Versöhnung und der Hoffnung offengehalten. Diese Aufgabe gilt unverändert: Mariastein soll auch künftig ein Ort sein, an dem alle Menschen willkommen sind.
*Mariano Tschuor war Leiter des Gesamtprojektes «Aufbruch ins Weite – Mariastein 2025». Der ehemalige Fernsehmoderator war Direktor RTR und Mitglied der nationalen Geschäftsleitung der SRG SSR. Nun arbeitet er im Mandatsverhältnis für Mariastein.
Festtage in Mariastein
Zum Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel am 15. August 2026 steht Kardinal Kurt Koch um 11 Uhr dem Pontifikalgottesdienst in der Basilika von Mariastein vor. Das Fest bildet zugleich den Höhepunkt des Jubiläumsjahres 2026: Vor hundert Jahren erhielt die Klosterkirche von Mariastein den Ehrentitel einer «Basilica minor». Gleichzeitig krönte der damalige Apostolische Nuntius in der Schweiz, Luigi Maglione, das Gnadenbild der Gottesmutter.
Daran erinnert die Benediktiner von Mariastein gemeinsam mit Pilgernden aus dem In- und Ausland unter dem Leitwort «Eingeladen bei Maria», wie das Kloster mitteilt. Die Erhebung zur «Basilica minor» habe der Wallfahrt nach Mariastein nachhaltigen Auftrieb verliehen.
Den Auftakt der Festtage bildet am Freitag, 14. August, um 16 Uhr ein Vortrag im Klosterhotel Kreuz. Professorin Ursula Schumacher, Dogmatikerin an der Universität Luzern, spricht zum Thema «Wie Maria am Heilswerk mitwirkt». Im anschliessenden Podiumsgespräch diskutiert sie mit Abt Ludwig Ziegerer, Leiter der Mariasteiner Wallfahrt, sowie mit Pfarrer Andreas Schönenberger, dem geistlichen Leiter der interdiözesanen Lourdeswallfahrt. Der Festgottesdienst und die Vesper am Samstag sind musikalisch gestaltet, am Sonntag gibt’s um 16 Uhr ein Sinfoniekonzert. (Weitere Informationen auf dem Flyer) (rp)
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




