Sensible Bildsprache - Foto von Werner Bischof
Schweiz

Verbindung von Ethik und Ästhetik: Diözesanmuseum in Mailand zeigt Fotografien von Werner Bischof

Das Diözesanmuseum Carlo Maria Martini in Mailand widmet sich in einer Ausstellung dem berühmten Schweizer Fotografen Werner Bischof. Die Werke seines Vaters inspirierten ihn noch immer, sagt Nachlassverwalter Marco Bischof. Die Ausstellung dauert bis zum 18. Oktober.

Cristina Uguccioni, catt.ch

Werner Bischof war einer der bedeutendsten Fotojournalisten des 20. Jahrhunderts, ein Künstler von seltener Meisterschaft und Sensibilität. Auf Einladung der bekannten Fotografen Robert Capa und Henri Cartier-Bresson wurde er 1949 Mitglied der Agentur Magnum Photos.

Die aktuelle Ausstellung im Diözesanmuseum in Mailand wurde denn auch in Zusammenarbeit mit Magnum Photos realisiert und von Andréa Holzherr, Tania Kuhn sowie dem Sohn des Künstlers, Marco Bischof, kuratiert. Marco Bischof ist Direktor des Werner Bischof Estate (Nachlass Werner Bischof) mit Sitz in Zürich. Die Ausstellung enthält zweihundert Vintage-Fotografien, Kontaktabzüge, einige Farbfotos und einen Dokumentarfilm. Sie bietet einen umfassenden Überblick über das Leben und Werk von Bischof, 110 Jahre nach seiner Geburt in Zürich im Jahr 1916.

Werk von zeitloser Bedeutung

«Durch die Verbindung von Ethik und Ästhetik», so Marco Bischof, «hat mein Vater ein Werk von zeitloser Bedeutung geschaffen, das mich nach wie vor inspiriert. Ich danke dem Diözesanmuseum Carlo Maria Martini dafür, dass es uns gestattet hat, seine Bilder auszustellen.» Nadia Righi, Direktorin des Museums, erklärt ihrerseits: «Wir wollten diese Ausstellung anbieten, weil Werner Bischof ein Künstler war, der Bilder geschaffen hat, die nicht nur von hoher Qualität sind, sondern auch den heutigen Betrachtern helfen, die Gegenwart und den Sinn der Dinge besser zu verstehen.»

Sie zeigt sich überzeugt: «In einer Zeit wie der unseren, die von Konflikten und Spannungen geprägt und oft von sensationslüsternen Interpretationen der Ereignisse gekennzeichnet ist, kann Bischof mit seiner aussergewöhnlichen Neugier und Sensibilität gegenüber dem Menschlichen, seiner ständigen Suche nach dem tieferen Sinn der Ereignisse viel vermitteln.» Der Fotograf habe die sensationslüsterne Logik abgelehnt, die damals in den Zeitschriften herrschte, für die er arbeitete.

Etappen in Bischofs Karriere

Die Ausstellung gliedert sich in vier chronologische Abschnitte, die den wichtigsten Etappen von Bischofs Karriere folgen. Den Anfang bilden die prägenden Ausbildungsjahre in der Schweiz: Vor allem die Begegnungen mit Hans Finsler an der Kunstgewerbeschule Zürich und mit dem Grafikprofessor Alfred Willimann prägten seine technische Strenge. Später veranlasste ihn die Bekanntschaft mit Arnold Kübler, Chefredaktor der Zeitschrift «Du», seinen sensiblen und aufmerksamen Blick auf die Menschen zu richten.

Es geht weiter mit den grossen Reportagen, die im Europa der Nachkriegszeit entstanden sind – Fotografien, die von den schmerzhaften Wunden des Konflikts zeugen, aber auch vom Wunsch der europäischen Völker nach einem Neuanfang. Der dritte Teil der Ausstellung umfasst Reportagen aus Asien, die den Alltag, die Freuden und Leiden von Männern, Frauen und Kindern in Indien, Korea, Indochina, Hongkong und Japan dokumentieren. Der Rundgang endet in Amerika. Nach Reportagen in den USA brach Bischof 1954 nach Südamerika auf. Es war sein letztes Reiseziel: Er starb noch im selben Jahr bei einem Verkehrsunfall in den peruanischen Anden.

«Gross war das Vertrauen und die Vertrautheit, die Bischof zu diesen Menschen aufbauen konnte.»

Nadia Righi, Direktorin des Diözesanmuseums

«Zu den Fotos, die mich am meisten beeindruckt haben», erzählt Direktorin Righi, «gehört jenes, das wir als Symbol für die Ausstellung ausgewählt haben: Es wurde in Peru kurz vor dem tragischen Unfall aufgenommen und zeigt einen Jungen, der Flöte spielt; es ist ein grossartiges Bild, das Bischofs Fähigkeit, dokumentarische Strenge und poetische Intensität zu verbinden, gut zusammenfasst. Wunderschön finde ich auch das Foto vom Innenhof des Meiji-Heiligtums, eine fast grafische Komposition, die es auf bewundernswerte Weise schafft, das Wesen Japans einzufangen: Das wurde Bischof selbst erst nach der Aufnahme bewusst. Sehr beeindruckt haben mich auch die aussergewöhnlichen Fotografien, die die Bewohner des Dorfes Barau in Indochina zeigen: Es scheint fast so, als gäbe es den Fotografen gar nicht, so gross war das Vertrauen und die Vertrautheit, die Bischof zu diesen Menschen aufbauen konnte.» (Übersetzung aus dem Italienischen und Adaption: Regula Pfeifer)

Bis zum 31. August ist die Ausstellung täglich von 17.30 bis 22.30 Uhr über den Eingang am Corso di Porta Ticinese 95 zu besichtigen. Ab 1. September ist sie von Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr über den Eingang an der Piazza Sant’Eustorgio 3 zu erreichen. Es gibt Führungen und ein Rahmenprogramm, etwa Anlässe zu den Themen der Ausstellung und zur Fotografie. Der Katalog wird vom Verlag Dario Cimorelli Editore herausgegeben.

Anzeige ↓ Anzeige ↑

Sensible Bildsprache – Foto von Werner Bischof | © Werner Bischof / Magnum Photos
8. August 2026 | 17:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!