Gedenkaktion «Beim Namen nennen»
Schweiz

Verstorbene Flüchtlinge im Fokus einer nationalen Gedenkaktion

Namen statt Zahlen: Am Wochenende werden in zehn Schweizer Städten während 24 Stunden die Namen von Menschen verlesen, die auf der Flucht nach Europa ums Leben gekommen sind. Die interreligiöse Aktion «Beim Namen nennen» macht die oft unsichtbaren Schicksale hinter den Statistiken sichtbar.

Jacqueline Straub

Am kommenden Wochenende findet die Aktion «Beim Namen nennen» statt. Menschen verschiedener Religionen gedenken dabei jener Flüchtlinge, die auf ihrem Weg nach Europa ums Leben gekommen sind.

Während 24 Stunden verlesen Freiwillige die Namen verstorbener Flüchtlinge sowie die Umstände ihres Todes. Die Nichtregierungsorganisation «United Against Refugee Deaths» hat seit 1993 mehr als 72’000 Todesfälle dokumentiert. Unter den Opfern befinden sich Babys, Kinder, Frauen und Männer, die auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken sind oder auf dem Landweg ihr Leben verloren haben. Mit der Aktion «Beim Namen nennen» wird seit 2019 daran erinnert, dass hinter jeder Zahl ein Mensch und ein individuelles Schicksal steht.

24 Stunden in St. Gallen

Parallel zum Verlesen werden die Namen und Todesursachen auf Stoffstreifen festgehalten. Diese werden anschliessend an einer öffentlich sichtbaren Installation angebracht. Die interreligiöse Aktion setzt ein Zeichen dafür, dass Menschlichkeit auch in der Asylpolitik ihren Platz behalten muss.

Gedenkaktion «Beim Namen nennen»
Gedenkaktion «Beim Namen nennen»

Den Auftakt bildet in St. Gallen am Samstag um 11.30 Uhr ein «Cercle de silence» auf dem Klosterhof. Um 12 Uhr beginnt in der Kirche St. Laurenzen das Verlesen der Namen, das während 24 Stunden fortgeführt wird. Am Sonntag um 10.30 Uhr findet ein interreligiöser Gedenkgottesdienst in der Kirche St. Laurenzen statt. Dabei wird auch die Friedensmesse «The Armed Man» von Karl Jenkins aufgeführt.

Unterstützt wird die Aktion auch von verschiedenen Stadträtinnen und Stadträten aus St. Gallen, heisst es in einer Mitteilung von Katholisch St. Gallen. Interessierte können sich online für eine Schicht anmelden oder spontan in der Kathedrale beziehungsweise in der Kirche St. Laurenzen mithelfen.

Kritik an restriktiver Flüchtlingspolitik

Die Aktion wird zeitgleich in zehn Schweizer und acht deutschen Städten durchgeführt. Die nationale Kampagne kritisiert die zunehmend restriktive Politik gegenüber Menschen auf der Flucht. Zudem werden Unterschriften für eine Petition gesammelt. Diese fordert die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung auf, Schutzgesuche besonders vulnerabler Personen sorgfältig zu prüfen und ihnen Schutz zu gewähren.

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Gedenkaktion «Beim Namen nennen» | © zvg
17. Juni 2026 | 12:00
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