Detail der Darstellung der Auferstehung Christi am Isenheimer Altar im Museum Unterlinden in Colmar (Frankreich).
Schweiz

Schwester Mattia Fähndrich: «Mir helfen die Paulusbriefe, an die Auferstehung zu glauben»

Am heutigen Ostersonntag feiern Christinnen und Christen die Auferstehung Christi von den Toten – auch Mattia Fähndrich (64) und ihre Mitschwestern vom Kloster Heiligkreuz in Cham. Im Gespräch mit kath.ch sagt die Priorin, welches der grossen Feste sie am liebsten feiert, ob es für sie schwierig ist, an die Auferstehung zu glauben, und ob sie ihren Mitschwestern Schoggi-Osterhasen schenkt.

Barbara Ludwig

Für viele Menschen ist wohl Weihnachten mit mehr Emotionen verbunden als Ostern. Welches Fest feiern Sie lieber: Weihnachten oder Ostern?

Schwester Mattia Fähndrich, Priorin des Klosters Heiligkreuz in Cham ZG.
Schwester Mattia Fähndrich, Priorin des Klosters Heiligkreuz in Cham ZG.

Schwester Mattia Fähndrich*: Ich feiere beide Feste gerne. Aber noch lieber feiere ich Pfingsten. Gerade heute Morgen (das Interview fand am Hochfest «Verkündigung des Herrn» statt, Anm.d.Red.), im Gottesdienst, ist mir etwas bewusster geworden in Bezug auf die Glaubensaussagen dieser Festkreise: Da, wo neues Leben zu keimen beginnt, also ein Anfang ist, ist auch ein Ende. Es beginnt mit der Verkündigung des Herrn, dann kommen Weihnachten, die Leidensgeschichte von Jesus, sein Sterben, sein Tod und schliesslich die Auferstehung. Das ist ein Bogen, in dem wir uns bewegen. Pfingsten ist für mich das Fest, das alles zusammennimmt und uns zeigt, was Ostern und Auferstehung bedeuten. Nämlich: Dass es immer mehr Möglichkeiten gibt, als wir uns vorstellen können, und dass die Wirklichkeit unseres Lebens über das Sterben und Tod hinausgeht.

«Ich erinnere mich aber auch, dass ich den Karsamstag liebte.»

War das immer schon so oder hat sich Ihre Sichtweise auf die Feste im Verlauf des Lebens verändert?

Fähndrich: In der Kindheit war für mich Weihnachten natürlich das grosse Fest. Das Kindlein in der Krippe zu sehen, war für mich damals das höchste der Gefühle. Ich erinnere mich aber auch, dass ich den Karsamstag liebte. Es war ein stiller Tag, an dem bei uns zuhause vieles ruhte. Mein Vater hat zum Beispiel am Karsamstag nicht im Garten gearbeitet, weil man am Tag, an dem Jesus im Grab liegt, nicht in der Erde graben soll. Und doch spürt man bereits am Karsamstag, dass da neues Leben keimt.

Der Frühling zeigt sich im Garten des Klosters Heiligkreuz in Cham ZG.
Der Frühling zeigt sich im Garten des Klosters Heiligkreuz in Cham ZG.

An Ostern feiern Christinnen und Christen die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Wie soll man sich seine Auferstehung vorstellen? Was passierte da?

Fähndrich: In der Bibel können wir einiges nachlesen. Es wird erzählt, dass zunächst Frauen das leere Grab entdeckten. In drei Evangelien überbringen Engel die Botschaft. Die Bibel berichtet von Begegnungen der Apostel mit dem auferstandenen Jesus, von Jüngerinnen und Jüngern, die ihm begegnen, ihn zunächst aber nicht erkennen. Über den Akt der Auferstehung Jesu steht hingegen nichts in der Bibel. Wie man sich das vorstellen soll? Dazu habe ich keine schlüssige Antwort.

Bedeutet es aus Ihrer Sicht etwas, dass der Akt der Auferstehung gerade nicht beschrieben wird in der Bibel?

Fähndrich: Für mich ist es wesentlich, dass darüber nichts geschrieben ist. Eben weil es Dinge im Leben gibt, die man nicht endgültig in Worte fassen kann. Es gibt Erfahrungen im eigenen Leben, wo ich spüre: Da geschieht etwas, das ich niemandem erklären kann, aber es ist da. Und daraus kann etwas Neues werden, das sich dann wieder beschreiben lässt. Aber ein kleines Stück dazwischen bleibt ein Geheimnis. Auch das stelle ich mir vor unter der Auferstehung Jesu.

«Da beginnt der Kraftakt. Ja, es ist auch schwierig, an die Auferstehung zu glauben.»

Ist es für Sie schwierig, an die Auferstehung Jesu zu glauben?

Fähndrich: Ich kann gut an die Auferstehung Jesu glauben, weil ich diesen Glauben vollumfänglich mittrage. Durch alles, was mich im Leben geprägt hat, habe ich auch in Schwierigem die Erfahrung gemacht, dass es etwas gibt, was über unsere Erkenntnis hinausführt. Jesus macht diese neue Wirklichkeit für uns menschlich erfahrbar: Durch sein Kommen, in den Begegnungen mit seinem Freundeskreis, durch den Weg, den er mit seinen Jüngerinnen und Jüngern mitgeht. Und durch die Tatsache, dass er sie schliesslich aussendet, damit möglichst viele Menschen die Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod erhalten.

Diese Begegnungen werden in der Bibel sehr real beschrieben – während wir heutigen Menschen Jesus nicht auf diese Weise begegnen können. Das macht es doch für uns schwieriger, an die Auferstehung Jesu zu glauben?

Fähndrich: Da beginnt der Kraftakt. Ja, es ist auch schwierig, an die Auferstehung zu glauben, weil wir rund 2000 Jahre später diese direkte Begegnung nicht haben. Da helfen mir die Paulusbriefe. Paulus hat eine spezielle Berufung erlebt und sich sehr stark mit dem Glauben auseinandergesetzt. Er hat entdeckt: Jesus lebt in uns weiter. Das feiern wir in jeder Eucharistiefeier, wo wir Jesus real in uns aufnehmen können. Das feiern wir, wenn wir dem Wort Gottes begegnen. Jesus Christus begegnet uns auch in unseren Mitmenschen. Der Glaube daran, dass er in jedem Menschen gegenwärtig ist, ist allerdings eine Herausforderung.

Wie meinen Sie das?

Fähndrich: Bei Menschen, die ich gut mag, ist es noch relativ einfach zu glauben, dass die Botschaft Jesu Christi vom guten Leben Wirklichkeit ist und dass ich durch sie Christus selber erfahren kann. Aber wenn es Menschen sind, die ich nicht so mag oder mit denen ich im Konflikt bin, ist es viel schwieriger zu glauben, dass ich auch da Christus begegne.

Gibt es nebst den Paulusbriefen andere Dinge, die Ihnen beim Glauben an die Auferstehung helfen?

Fähndrich: Im Kloster beten wir regelmässig das Stundengebet und sind deshalb sehr mit den Psalmen vertraut. Die Psalmen, die Menschen schon vor zirka 3500 Jahren beteten, bringen konkrete Lebenserfahrungen zur Sprache. Auch Schwieriges, das eigene Unvermögen und Scheitern. Diese Menschen machten, gerade weil sie sich eingestanden, dass sie nicht alles allein bewältigen können, immer wieder die Erfahrung, dass sie von Gott getragen werden. Sie konnten Gott ihr Leid anvertrauen und durften auch wieder spüren: Da bricht etwas auf, daraus kann wieder neues Leben entstehen. Darum ist für mich das regelmässige Stundengebet eine sehr grosse Kraftquelle.

Blühende Magnolie.
Blühende Magnolie.

Im Frühling ist auch der Blick in unseren Klostergarten, der gerade vor meinem Büro liegt, eine Hilfe. Ich sehe, wie es zu spriessen beginnt. Ich höre die Vögel wieder zwitschern. Die Sonne geht wieder früher auf. Auch das sind Zeichen dafür, dass immer wieder Auferstehung geschieht, neues Leben Wirklichkeit wird.

«Wir bleiben irdisch, und doch kann immer wieder etwas neu werden.»

Damit deuten Sie an: Auferstehung ist etwas, das auch im Hier und Jetzt geschieht – und nicht erst nach dem Tod.

Fähndrich: Wir haben zwei Wochen vor Ostern als Gemeinschaft eine Buss- und Versöhnungsfeier gefeiert. Leitgedanke war der Satz «Siehe, ich mache alles neu» aus der Offenbarung des Johannes. In der Besinnung ging es immer wieder um die Frage, wie wir einen Beitrag dazu leisten können, damit Neues werden kann. Wir können ja nicht einfach aus unserer Haut fahren und völlig neue Menschen werden. Wir bleiben irdisch, und doch kann immer wieder etwas neu werden. Das sind für mich Anklänge von Auferstehung.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Fähndrich: Wenn ich, nachdem ich einen Vorsatz für die kommende Zeit gefasst habe, etwas Neues entdecke. Oder wenn es mir gelingt, einem Mitmenschen neu zu begegnen, ihn noch einmal von einer anderen Seite kennenzulernen. Das sind Erfahrungen von Auferstehung. Aber die Auferstehung zum absolut neuen Leben, geschieht nach dem Tod – das erhoffe ich mir und darauf baue ich ganz stark.

Wie haben Sie sich dieses Jahr auf Ostern vorbereitet?

Fähndrich: Da ich im Kloster für die Liturgie verantwortlich bin, bin ich immer sehr nahe an den biblischen Texten und den liturgischen Ritualen. Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, die biblischen Texte und Zeichen, die zwischen Aschermittwoch und Ostern vorkommen, bewusst in mein stilles Gebet und meine Meditationszeit hineinzunehmen und deren Bedeutung in der täglichen Arbeit wiederzufinden.

«Dieses Jahr veranstalten wir zum ersten Mal ein Eiertütschen in unserer Gemeinschaft.»

Wie halten Sie es mit weltlichen Osterbräuchen im Kloster? Verschenken Sie zum Beispiel Schoggi-Osterhasen an Ihre Mitschwestern?

Fähndrich: Nein, Osterhasen verschenken wir nicht. Wir bekommen welche geschenkt. Das sind schöne Überraschungen, über die wir uns jeweils sehr freuen. Dieses Jahr veranstalten wir zum ersten Mal ein Eiertütschen in unserer Gemeinschaft, nach der Osternachtfeier kommen wir dazu zusammen und feiern weiter in die Nacht hinein.

*Schwester Mattia Fähndrich (64) ist Priorin des Klosters Heiligkreuz in Cham ZG und Theologin. Sie und ihre Mitschwestern sind Olivetaner-Benediktinerinnen und leben nach der Regel des heiligen Benedikt. Der Gemeinschaft gehören 40 Schwestern an. Zurzeit leben in Cham auch sechs Schwestern aus Busan (Südkorea).

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Detail der Darstellung der Auferstehung Christi am Isenheimer Altar im Museum Unterlinden in Colmar (Frankreich). | © Harald Oppitz/KNA
5. April 2026 | 09:00
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