Amy Della Polla, Sternsingerin aus Arbon, und Jugendarbeiter Filip Galiot

Sternsingen heute – eine alte Tradition mit Chancen und Herausforderungen

«Schule statt Fabrik»: So lautet das Motto des diesjährigen Sternsingens. Amy Della Polla, eine zwölfjährige Sternsingerin aus Arbon, und der Jugendarbeiter Filip Galiot erzählen, weshalb sie sich engagieren und was es zu beachten gilt.

 Die Themen dieser Folge: 

  • In Arbon und Umgebung machen 16 Kinder und Jugendliche beim Sternsingen mit: Ist es heute uncool, Sternsinger zu sein?
  • Beim Sternsingen sind auch Kinder anderer Konfessionen und Religionen willkommen: Machen sie tatsächlich mit?
  • Blackfacing ist heute verpönt: Wie erklärt Filip Galiot Traditionalisten diesen Wandel?
  • Heuer sammeln die Sternsinger Geld für Bangladesch: Wie entscheidet das Hilfswerk Missio Schweiz, welches Projekt berücksichtigt wird?
  • Missio Schweiz organisiert das Sternsingen seit 1989: Wie stellt das Hilfswerk sicher, dass das Geld Kindern in Bangladesch zugutekommt?
  • Vom Modedesigner und Eventmanager zum Jugendarbeiter: Warum hat Filip Galiot in die Kirche gewechselt?
  • Für Missio Schweiz hat er T’Shirts und Taschen entworfen: Welche Grundidee steckt hinter der Kollektion?
  • Höhepunkt der Sternsinger-Aktion ist eine Reise nach Rom: Organisator Galiot, was ist geplant?
  • Amy Della Polla reist nicht nach Rom, das Los hat anders entschieden: Ärgert sie das?
Transcript
Amy Della Polla [:

Also das Thema ist ja Schule statt Fabrik und es geht eigentlich darum, dass die Kinder nicht mehr in Fabriken arbeiten müssen, sondern dass wir es ihnen ermöglichen können, dass sie auch zur Schule gehen können und lernen können.

Sandra Leis [:

Das sagt Amy Della Polla. Die 12-Jährige ist begeisterte Sternsingerin und lebt in Arbon am Bodensee. Filip Galiot ist Jugendarbeiter und vertritt die Schweiz in Rom zusammen mit vier Sternsinger-Kindern. Er sagt:

Filip Galiot [:

Unter anderem sind wir auch wieder beim Kardinal Koch und auch bei der Schweizer Delegation vertreten und natürlich so das große Highlight wird jetzt mit unserem neu gewählten Papst Leo dieses Jahr bei der Neujahrsmesse sein. Wir sind dann eben komplett die Delegation, die die Schweiz dort vertritt, es wird auch noch jemand aus Deutschland da sein, aus Österreich, und es gibt auch noch die anderen Delegationen aus anderen Ländern, die dort auch vertreten sind.

Sandra Leis [:und Jugendliche und mehr als:Amy Della Polla [:

Auf jeden Fall «Stern über Bethlehem», das Lied gefällt mir sehr gut, und ich singe es auch sehr gerne.

Sandra Leis [:

Und wie viele Proben gibt es insgesamt, bis ihr da loslegen könnt in Arbon?

Amy Della Polla [:

Bis jetzt hatten wir etwa zwei Proben, aber wir werden wahrscheinlich noch mehrere haben.

Sandra Leis [:

Okay, und dann geht's los.

Amy Della Polla [:

Ja, dann gehen wir Sternsingen.

Sandra Leis [:

Wenn jemand jetzt keine Ahnung hat, was Sternsingen ist, wie würdest du diesen Brauch erklären?

Amy Della Polla [:

Also ich würde auf jeden Fall erklären, dass man ein paar Lieder einübt und danach zu den Leuten nach Hause geht und ihnen dann die Lieder vorsingt und auch Fragen beantwortet, wenn sie welche hätten. Und es ist immer für ein bestimmtes Thema.

Sandra Leis [:

Einen bestimmten Zweck. Diesmal ist es für Kinder in Bangladesch. Darauf kommen wir später noch, was das bedeutet. Insgesamt machen heuer in Arbon und Umgebung 16 Kinder und Jugendliche mit. Das dünkt mich jetzt nicht gerade sonderlich viel. Ist Sternsingerin oder Sternsinger sein heute nicht mehr so cool, Filip Galiot?

Filip Galiot [:

Das ist natürlich eine interessante Frage, weil das Sternsingen hat ja eine ganz, ganz lange Tradition auch. Schon in der Bibel wurde ja von den Sterndeutern oder von diesen Weisen gesprochen und es hat sich dann so im Mittelalter so ein bisschen etabliert wieder. Hat sich dann ein bisschen verloren und ist dann auch in der Deutschschweiz und auch in Süddeutschland wieder so stark in Mode gekommen, so nach der Nachkriegszeit. Natürlich ist es oftmals, sage ich mal, in der Kirche relativ schwierig, dass man noch begeistert für Bräuche und Traditionen, die man früher hatte. Ich empfinde es aber auch so, wenn man etwas mit Herz macht und es auch authentisch macht und auch die schöne Botschaft, die mit dem Sternsingen da einhergeht, gibt es da Potenzial und auch Möglichkeiten, dass man Kinder gewinnt.

Sandra Leis [:

Gibt es Bestrebungen, das Sternsingen wieder populärer zu machen? Weil ich habe irgendwo gelesen, Corona sei auch noch so ein Einbruch gewesen, es sei schwierig gewesen, nach Corona wieder junge Menschen zu gewinnen.

Filip Galiot [:

Also ich kann jetzt von mir ausgehen, natürlich. Ich bin ja so der Young Missio Ambassador, also so ein bisschen als Vertreter für die Sternsinger gewählt worden seit diesem Jahr, und ich war selber auch Sternsänger, habe das selber auch durchlaufen und weiß, was es für eine ganz, ganz tolle und schöne Zeit auch ist. Ich habe viele Erfahrungen mitgenommen. Natürlich, wie in vielen Bereichen hat die Pandemie so Einschnitte gegeben und vor allem Kontakt, Gemeinschaft mit der Kirche. Ich empfinde es aber so, man darf da jetzt nicht sich zu sehr ausruhen auch. Jetzt sollte man erst recht weitermachen.

Sandra Leis [:

Amy, du bist Sternsingerin. Wie bist du's geworden?

Amy Della Polla [:

Ich war letztes Jahr bei Filip in einem Krippenspiel und habe da mitgemacht, und dann ist er auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich gerne mitmachen würde, und ich habe mich dafür entschieden und es hat mir auch sehr gefallen letztes Jahr und dieses Jahr werde ich auch wieder mitmachen.

Sandra Leis [:

Und wie haben denn deine Schulkameradinnen und deine Freundinnen reagiert, als du gesagt hast, ich bin jetzt bei den Sternsinger-Kindern dabei?

Amy Della Polla [:

So richtig mitbekommen haben sie es nicht, aber ich glaube, sie hätten sicher gut reagiert.

Sandra Leis [:

Aber du hast noch keine dazu gebracht, auch mitzumachen?

Amy Della Polla [:

Nein, nicht wirklich, aber jetzt bin ich auch in einer neuen Schule, und ich bin jetzt auch mit Freundinnen im Sternsingen und das ist wirklich jetzt auch sehr cool.

Sandra Leis [:

Du bist 12 Jahre alt, bist jetzt in der 1. Sekundarschule, und du bist auch Patin von jüngeren Sternsinger-Kindern.

Amy Della Polla [:

Ja genau.

Sandra Leis [:

Was ist da deine Hauptaufgabe als Zwölfjährige?

Amy Della Polla [:

Auf jeden Fall zu schauen, dass sie mitsingen und mitmachen und dass sie auf jeden Fall mit uns mitkommen.

Sandra Leis [:

Dass sie nicht irgendwo hinlaufen.

Amy Della Polla [:

Dass sie sich benehmen.

Sandra Leis [:

Dass sie sich gut benehmen. Sternsingen ist eine alte katholische Tradition. Du hast es schon gesagt, Filip, mitmachen dürfen auch Kinder anderer Konfessionen und Religionen. Gibt es jetzt hier in Arbon beispielsweise ein muslimisches oder ein jüdisches Kind, das dabei ist beim Sternsingen?

Filip Galiot [:

Wo ich das jetzt so wieder ins Leben gerufen habe, habe ich das natürlich so für die katholische Glaubensgemeinschaft so ein bisschen ausgelegt, um ehrlich zu sein, und es hat sich dann aber so rumgesprochen, dass ich auch von der reformierten Kirche, welche dabeigehabt habe, vom orthodoxen Glauben und vom muslimischen Glauben, das war jetzt aktuell in diesem Jahr. Fürs nächste habe ich jetzt wieder eine kleine Mischung, da ist jetzt aber niemand vom jüdischen oder vom muslimischen Glauben dabei, ich finde aber auch, das ist so die Grundidee und die Grundgeschichte auch gewesen, wie es ja in der Bibel steht und das hat sich einfach so ergeben. Das war superherzig. Wir sind dann durch die Straßen gegangen, wir sind bei anderen Glaubensrichtungen, also ich sag jetzt mal beim Kebab-Hüsli gewesen, sind dann als Sternsinger dort aufgetreten, und man hat eine Urfreude gehabt, auch bei denen, obwohl es eine ganz andere Glaubensrichtung war, haben die gewusst, okay, wir machen was, wir machen das für die Kinder auch. Und es war ganz, ganz rührend und wichtig, diese Verbindung wieder zu schaffen zwischen den verschiedenen Kulturen, Religionen auch.

Sandra Leis [:

Es ist ein Bestreben, aber es ist wahrscheinlich nicht ganz so einfach.

Filip Galiot [:

Genau, das hat sich so ergeben. Da hatte ich ganz, ganz viel Glück. Das war eine Freude auch.

Sandra Leis [:esen, und das war ab dem Jahr:Filip Galiot [:

Das ist nämlich ganz interessant, wenn ich jetzt die Amy anschaue. Also im gleichen Alter wie die Amy habe ich angefangen. Und natürlich hat sich da auch viel, viel getan. Ich weiß, das Thema Blackfacing war immer so, auch da schon, auch aktuell noch immer so das Thema. Also sprich, dass man die drei Könige oder die drei Weisen hat und einer davon wird halt eben mit einer anderen Farbe angemalt, also schwarz in dem Falle. Natürlich ist bei der Kirche das auch ein Wandel gewesen und auch in der heutigen Zeit, dass wir jetzt auch von Missio sagen, wir empfehlen das nicht mehr, weil es in eine gewisse Diskriminierung reingeht, aber damals war das noch so gang und gäbe. Ich sollte aber auch persönlich sagen, ich hatte die schönste und tollste Sternsinger-Zeit. Das hat mich geprägt, das hat mich auch nach Jahren, denke ich mal, wo ich in der Sinnsuche war, was mache ich, wo gehe ich hin, auch diesen Punkt gegeben hat, dass ich sage, okay, ich möchte das unbedingt unterstützen, ich will das auch unbedingt machen.

Sandra Leis [:s die Sternsinger-Aktion seit:Amy Della Polla [:

Also das Thema ist ja Schule statt Fabrik und es geht eigentlich darum, dass die Kinder nicht mehr in Fabriken arbeiten müssen, sondern dass wir es ihnen ermöglichen können, dass sie auch zur Schule gehen können und lernen können.

Sandra Leis [:

Und hast du dich mit Bangladesch auseinandergesetzt, was das da genau bedeutet? Wie viele Kinder Kinderarbeit haben?

Amy Della Polla [:

Es gibt sehr viele Kinder, wir haben uns auch Videos dazu angeschaut, und es war sehr spannend zu sehen, wie viele Kinder doch auch nicht zur Schule gehen können und in einer Fabrik arbeiten müssen.

Sandra Leis [:

Ich habe mir die Videos auch angeschaut, wahrscheinlich dieselben, die auf Missio hochgeladen sind, auf der Website. 1,8 Millionen Kinder, rein in Bangladesch, müssen da Kinderarbeit leisten. Wer entscheidet denn bei Missio, es gibt so viele Projekte und so viel Elend auf der Welt, aber welches Projekt in diesem Jahr gefördert werden soll oder unterstützt werden soll? Wer entscheidet das?

Filip Galiot [:

Es ist immer so eine Art Wechsel bei Missio. Missio beziehungsweise Sternsingen ist die einzige Aktion, wo wirklich Kinder und Jugendliche für Kinder und Jugendliche sammeln. Das heißt, da gibt es immer einen kleinen Turnus. Es wird in den Ländern eben wie Afrika, Zentralasien oder Lateinamerika gesammelt und dann wird sich immer so spezifisch, wir machen das immer so oder man kann sich das so vorstellen, ein Thema ausgesucht, wie zum Beispiel Schule statt Fabrik. Oder dieses aktuelle Jahr war es «Erhebt eure Stimme», dass wir sagen, der Betrag, wo gesammelt wird, wird jetzt nicht als Einmalspende natürlich dorthin geschickt. Also es wird natürlich geschaut, dass es nachhaltig ist, die Projekte werden nicht einmalig unterstützt, sondern da wird jetzt wirklich jedes Jahr immer kontinuierlich geschaut, dass da immer so ein von den Spenden der Betrag auch dort ankommt für Instandhaltung als Beispiel, für die Heizung oder für die Dächer oder für Mittagessen. Und der Grundgedanke ist da dahinter gewesen, man unterstützt sie nicht einmal, sondern man unterstützt sie mehrfach über die Jahre hinweg.

Sandra Leis [:

Vor vier Jahren hat das Hilfswerk Missio Schweiz öffentlich eine Rüge ausgesprochen und gesagt, dass einzelne Sternsinger-Gruppen Spenden für eigene Projekte verwendet haben. Das konnte man auf kath.ch lesen. Da hat der damalige Direktor gesagt, ich zitiere ihn: «Es geht nicht an, im Namen von Missio zu sammeln und die Gelder zweckentfremdet einzusetzen.» Wie kann Missio heute garantieren, dass das gesammelte Geld wirklich nach Bangladesch kommt?

Filip Galiot [:

Ist ein bewusstes Thema. Sollte wirklich transparent und offen und ehrlich sein. Wenn man sagt, man sammelt jetzt für die eigene Pfarrei als Beispiel. Es gibt auch Pfarreien tatsächlich, wo das mal gemacht haben oder machen.

Sandra Leis [:

Deshalb hat er ja diese Rüge ausgeschrieben.

Filip Galiot [:

Genau, immer noch tatsächlich auch, und dann darf man aber jetzt nicht sagen, wir sammeln für Bangladesch. Der entscheidende Punkt ist, wir von Missio sagen immer, das Geld geht wirklich an diese Stellen hin. Also das wird jetzt nicht irgendwie verteilt unter den Pfarreien als Beispiel.

Sandra Leis [:

Aber kontrollieren kann man es in dem Sinne letztlich nicht, oder? Man muss auf Ehrlichkeit hoffen.

Filip Galiot [:

Ja, ja, wie bei vielen Dingen. Also man sollte auf Ehrlichkeit und auch auf ein Verständnis hoffen, und sonst sollte man wirklich transparent kommunizieren und sagen, man sammelt es für einen anderen Zweck, was in dem Sinne natürlich irgendwie auch legitim ist, nur dann sollte man das halt auch nicht so publizieren und vermarkten.

Sandra Leis [:

Es gibt Menschen, die geben nicht Geld, sondern Süßigkeiten den Kindern und Jugendlichen. Wie reagierst du, Amy, wenn du Süßigkeit bekommst?

Amy Della Polla [:

Ich finde es sehr toll, wenn man Süßigkeiten bekommt, aber helfen kann es den Kindern, für die wir sammeln, eigentlich nicht, aber es ist sicher sehr nett gemeint.

Sandra Leis [:

Also du nimmst sie dann entgegen die Süssigkeiten und bedankst dich.

Amy Della Polla [:

Ja, genau.

Sandra Leis [:

Du sagst nicht, ich hätte lieber 10 Franken oder so.

Amy Della Polla [:

Nein, so spreche ich das nicht aus.

Filip Galiot [:

Genau, also es ist ganz, ganz schön. Wir sind auch froh, wenn wir Süßigkeiten bekommen, weil wir teilen das dann alles so fair nach dem Sternsingen auf. Mittlerweile ist es aber auch so, ich glaube, hat sich es rumgesprochen oder wenn wir das natürlich so, ja, wie vermarkten oder auch mitteilen im Forum Kirche oder Kirchenblättern oder auch bei Gottesdiensten, dass die Leute dann schon wissen, okay, jetzt gebe ich aber noch einen kleinen Betrag, was möglich ist. Also auch 5 Franken, 10 Franken geht vollkommen, und das geben wir natürlich auch in die Büchsen rein. Also das ist so. Vom ganz altertümlichen Brauch natürlich so, dass die Kinder ja dann Sternsingen oder eben im Mittelalter angeklopft haben von der katholischen Kirche und dann dort für Gaben für sich gesammelt haben. Und das hat sich dann so ein bisschen mit Süßigkeiten dann transformiert.

Sandra Leis [:

Du hast vorhin das Blackfacing angesprochen, das ist ja ein Thema, das immer wieder aufs Tapet gekommen ist. Heute ist es verpönt. Missio sagt auch ganz klar, die Kinder sollen so kommen, wie sie eben sind. Aber wie reagierst du, wenn du einen Menschen triffst, der so die Tradition hochhält und findet, nein, das symbolisiere ja die alten Kontinente, die damals bekannt waren, nämlich Europa, Asien und Afrika. Wie erklärst du Traditionalisten diesen Wandel weg vom Blackfacing?

Filip Galiot [:

Natürlich, wenn man dran denkt, dass diese Geschichte, was ja auch oftmals mit den Namen von den drei Königen umhergeht, Caspar, Melchior, Balthasar, es stammt ja ursprünglich auch vom babylonischen, hebräischen oder auch persischen Namenskundgeben her, dann hat man das irgendwann mal so im sechsten Jahrhundert genommen, um so eine Brücke zu schlagen für den Segen, den wir auf die Häuser geben, Christus mansionem benedicat.

Sandra Leis [:

Ich segne dieses Haus.

Filip Galiot [:

Ich segne dieses Haus, genau, und natürlich ist dieses schöne Verpacken, dass man sagt, die stammen ja wirklich von den ganzen Kontinenten und einer kam eben von dort, einer von dort und einer von dort, vollkommen legitim. Ich finde aber, man sollte da immer noch diesen Respekt auch haben, also es ist natürlich bei vielen Traditionalisten in diesen Köpfen drin, es sollte so sein, man sollte auch auftreten, man kann das aber auch, empfinde ich jetzt, auch mit dem Darstellung von den Sterndeutern, ja so ein bisschen darstellen, also dass man sagt okay das eine ist so ein bisserl asiatisch angehaucht, zum Beispiel von der Robe her. Da braucht man jetzt nicht irgendwie sich schminken oder anders anziehen von den Schmuck-Sachen, sondern man sieht es einfach, die Robe ist ein bisserl anders vielleicht angehaucht. Ich kenne das, dass es oftmals noch so, ja. Sollte man noch an dieser Tradition festhalten? Aber ich finde auch, wenn wir jetzt wie vor 30 Jahren noch an diesen Punkten auch jetzt mal allgemein so an die Kirche festhalten, dann brauchen wir das in 30 Jahren auch nicht mehr machen. So mein Standpunkt. Also wir sollten einfach wirklich ankommen, Respekt haben und Verständnis den Kulturen gegenüber. Ich sage mal das beste Beispiel: Wenn wir in den Ländern mit Missio sind, da gibt es, also das ist der größte Player tatsächlich so, die katholische Kirche, das vergisst man immer auch. Man hat immer so diesen Fingerzeig drauf, was sie machen. Man wird ja scharf kritisiert auch. Man vergisst aber auch, wie viel Gutes passiert. Und als Beispiel, wenn wir jetzt das Sternsingen ausweiten auf Afrika, auf Asien, dort gehen die jetzt tatsächlich auch Sternsingen. Und da wird jetzt keiner auf die Idee kommen und sagen, okay, wir haben jetzt People of Color, also Personen, die aus Afrika stammen und die malen sich jetzt weiß an. So einfach, das ist so das Gegending, wo ich sage. Genau, also das gibt es bei mir nicht. Wo ich jetzt die Sternsinger mache und eben die Empfehlung ist auch davon, dass man es einfach weglässt. Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß.

Sandra Leis [:

Ist bei den Kindern unter den Jugendlichen heute noch ein Thema, dieses Schwarz-anmalen?

Amy Della Polla [:

Nein, nicht wirklich. Ich wusste bis vor kurzem nicht mal, dass man das gemacht hat. Und deswegen haben wir eigentlich nie wirklich darüber gesprochen.

Sandra Leis [:

Weil man es eben heute gar nicht mehr macht. Immerhin, mindestens hier in Arbon und Umgebung.

Amy Della Polla [:

Ja, genau.

Sandra Leis [:

Filip Galiot, ich möchte noch auf ein ganz anderes Thema kommen, nämlich auf deinen beruflichen Werdegang, der ist sehr überraschend. Du bist gelernter Modedesigner und Eventmanager, weshalb hast du gewechselt und bist heute Jugendarbeiter im kirchlichen, im katholischen Umfeld?

Filip Galiot [:

Ich werde das sehr, sehr oft gefragt, Sandra.

Sandra Leis [:

Glaub ich, aber ich hab die Antwort noch nirgends gehört oder gelesen.

Filip Galiot [:

Ganz klar, ganz klar. Ich sage das auch super, super gerne, weil ich bin natürlich auch so, sage ich mal, recht streng katholisch aufgewachsen. Also im Schwarzwald ursprünglich. Mein Pfarrer von damals ist jetzt auch mein geistiger Begleiter tatsächlich. Und das waren vor 20 Jahren, wo ich selber Ministrant und eben Sternsinger gewesen bin. Wir haben dort die coolsten Sachen gemacht mit ihm. Also ich habe Windsurfen auf dem Comersee gelernt. Ich war Kajakfahren. Ich war auf einem Eric-Clapton-Konzert mit ihm. Das sind so Punkte, der war wirklich so konservativ zu der Zeit damals, aber irgendwie auch offen und es hat mich so, ja fasziniert, ich hab ihn bewundert auch in dem Fall. Dann hieß es zu mir immer so, du solltest irgendwas mit Kindern und Jugendlichen machen, also Familie, Freundeskreis, alle. Und ich hab das dann immer so nicht hören wollen oder nicht wahrhaben wollen, dachte okay, ja irgendwann mal, irgendwann mal und irgendwann mal ist dann natürlich die Zeit gewesen, wo ich als Modedesigner, als Event- und Marketing-Manager unterwegs gewesen bin. Immer dieses, klar durch meine kroatische Mama auch, immer so diese Erziehung und auch diese Werte vom Katholischen gehabt, sollte auch sagen, ich habe mich irgendwann mal auch mal verloren, habe auch gedacht, brauche ich das? Und ganz ehrlich, irgendwann kam so dieser Punkt, wo ich selber mal gedacht habe, ok, jetzt brauche etwas im Leben oder ein Zeichen. Klassischerweise habe ich mal irgendwann in der Nacht gebetet, und dann war das dann so, dass mir so ein Zeichnen gekommen ist und ich dachte, ok, gibt es da eine Vakanz offen und da schaue ich mal, ob es klappt. Und so bin ich dann zum Katholischen wieder gekommen als Angestellter.

Sandra Leis [:n du hast die Kollektion für:Filip Galiot [:

Da bin ich ganz, ganz stolz drauf. Das ist auch so wie so ein kleiner Meilenstein für mich, weil wir haben ja natürlich, ich und Amy, jetzt auch schon so ganz exklusiv die T-Shirts, wo du jetzt sehen kannst, vorliegen. Und wir haben uns von Missio, von der Zentrale mit der Kristina Kleiser auch mal Gedanken gemacht. Ich sage immer so das Beispiel: Es ist ja oft, sage ich mal, das verstaubte Image von der Kirche immer noch. Und ich denke Kirche nicht 2.0, sondern Kirche 3.0. Und wie oft, selber schon erlebt oder auch von anderen Kindern, Jugendlichen mitbekommen, ein kleines Fest vom Gesangsverein gibt oder von der Musik oder irgendwas, dass T-Shirts gemacht werden und die dann aber auch noch zum Schlafen angezogen werden. Also da ist einfach nichts dahinter vom Designtechnischen her, von der Qualität und ich habe auch immer den Wert auf die Nachhaltigkeit gelegt und so haben wir uns Gedanken gemacht. Es gibt in Deutschland auch so eine Sternsinger-Kollektion, die ist relativ in Ordnung. Von den Farben her ist sie natürlich so von der Identität dort drangehalten. Man sieht aber einfach, dass ein riesengroßer Sternsinger-Schriftzug ist mit einem Sternsinger-Kreidestern drauf. Und wir haben gesagt, okay, wir möchten es klassisch haben, wir möchten’s guthaben, und möchten es mit den Werten vertreten. Heißt, wir haben einfach drei Kronen drauf gemacht für die drei Sternsänger. In der Mitte ist so eine goldene Krone, das ist so die Mitte zu dir. Man kann da ganz, ganz viel philosophieren. Sie ist sehr schlicht gehalten. Sehr, sehr schlich, genau, genau. Also wirklich schlicht.

Sandra Leis [:

Die Community kann es jetzt ja nicht sehen, sie sehen es dann im Artikel, den ich dazuschreibe, aber einfach, dass wir es ein bisschen beschreiben. Es sind drei Kronen, wie du sagst, zwei schwarze, eine goldige und wirklich ganz einfach vom Stil her.

Filip Galiot [:

Genau, man sieht jetzt nicht, dass es unbedingt zu dem Sternsingern dazugehört oder zu Missio, das sind so versteckte Labels hinten drauf und grundsätzlich haben wir uns ganz, ganz viel Gedanken gemacht, dass das einerseits natürlich Bio-Baumwolle ist, das machen aber schon viele. Der zweite Punkt war aber bei uns, dass wir gesagt haben, wir möchten, dass es fair produziert wird in diesen Ländern und ganz entscheidend für uns war: Es ist designt in der Schweiz, wie du gesagt hast, von mir. Es ist dann produziert worden auch am Bodensee in Konstanz. Doch der entscheidende Punkt ist, es ist mit erneuerbaren Energien produziert. Also es wurde Wind- und Solarenergie genommen, damit diese T-Shirts hergestellt werden. So haben wir einfach geschaut, dass natürlich der Fußabdruck da auch wirklich gering ist. Und auch wirklich zu den fairen Konditionen die Arbeiter und Arbeiterinnen, dass sie dort auch ihren gescheiten Lohn bekommen.

Sandra Leis [:

Was gibt es neben den T-Shirts?

Filip Galiot [:

Aktuell haben wir die T-Shirt in Lang-Arm und Kurz-Armen. Es gibt Taschen, Sternsinger-Taschen, auch in weiß und in einem passenden, schönen dunklen Blauton. Die Produktepalette kann ich jetzt schon ein bisschen spoilern, auch schon mitteilen. Es kommen natürlich dann noch Käppis dazu oder auch Schlüsselanhänger, wo wir machen möchten. Also wird noch ausgeweitet, aber für dieses Jahr haben wir gesagt, passenderweise gibt es die T-Shirts und die Taschen, damit dann die Kinder und Jugendlichen eben so diese Verbindung noch miteinander haben.

Sandra Leis [:

Joseph-Maria Bonnemain, Bischof von Chur, der hat vor zwei, drei Tagen die Sternsingerinnen und Sternsinger aus Graubünden gesegnet und hat da gesagt, er werde das T-Shirt dann anziehen fürs Krafttraining. Ist ja auch nicht schlecht, darf man ja schon, oder? Man darf es auch zum Schlafen oder fürs Krafttraining anziehen.

Filip Galiot [:

Absolut, absolut, das weiß ich auch, die Geschichte.

Sandra Leis [:

Ihm hat’s gefallen, nehme ich an. Sonst hätte er das nicht gesagt.

Filip Galiot [:

Genau, das habe ich auch schon mitbekommen von der Zentrale. Wir haben jetzt die Bischöfe, wo wir natürlich angehen, wo jetzt auch bei der Konferenz waren von dem Missio in der Zentrale in Freiburg, Fribourg. Und ob man das jetzt weiterhin zum Schlafen anzieht, zum Krafttraining, in der Schule, in der Kirche, vollkommen legitim, dann haben wir die Botschaft korrekt ausgetragen.

Sandra Leis [:

Amy, du hast auch ein solches T-Shirt an. Es ist blau. Wann wirst du dieses T-Shirt sonst noch anziehen?

Amy Della Polla [:

Ja, ich denke sicher auch zum Schlafengehen oder vielleicht an Anlässen, die auch mit Filip zu tun haben und ja genau, jetzt habe ich es ja auch an für einen Anlass.

Sandra Leis [:

Für unser Gespräch jetzt hier. Höhepunkt der Sternsinger-Aktion ist eine Reise nach Rom. Und du, Filip, bist heuer der Organisator dieser Reise. Du gehst zusammen mit vier, das ist das Maximum offenbar, vier Sternsinger-Kindern aus Arbon und Umgebung nach Rom und vertrittst dort die Schweiz. Das klingt sehr bombastisch. Was ist dort geplant?

Filip Galiot [:

Unter anderem sind wir auch wieder beim Kardinal Koch und auch bei der Schweizer Delegation vertreten. Und natürlich so das große Highlight wird jetzt mit unserem neu gewählten Papst Leo dieses Jahr bei der Neujahrsmesse zu sein. Wir sind dann eben komplett die Delegation, die die Schweiz dort vertritt. Es wird auch noch jemand aus Deutschland da sein, aus Österreich. Und es gibt auch noch die anderen Delegationen aus anderen Ländern, die dort auch vertreten sind.

Sandra Leis [:

Von Franziskus konnte man ja letztes Jahr lesen, dass er die Sternsinger und Sternsingerinnen spontan zu einem Selfie gerufen hat, bevor er dann den Gottesdienst gefeiert hat. Ob diese Spontanität bei Leo auch sein wird, wird sich weisen.

Filip Galiot [:

Absolut, wir hoffen es natürlich, also wir haben auch einen, denke ich, guten und lockeren Papst, der das auch weiterhin hoffentlich vertritt. Man sagt immer so, viele Wege führen nach Rom, und ich denke, auch viele Wegen führen zu einem Selfie mit dem Papst.

Sandra Leis [:

Wer hat denn entschieden, welche vier Kinder da dabei sein werden? Wir haben am Anfang gesagt, 16 Sternsinger-Kinder machen jetzt hier aus der Umgebung mit und die wären wahrscheinlich alle gerne dabei in Rom. Es dürfen aber nur vier mit. Wie hast du entschieden?

Filip Galiot [:

Genau, richtig. Ich habe noch versucht, bei der Zentrale von Missio noch so ein bisschen auszuweiten, dass wir sagen können, könnten doch nicht oder dürften noch nicht ein paar mehr mitkommen. Ich habe das so gemacht. Also wir hatten ein Sommersinger-Event. Also ich habe geschaut, dass wir uns treffen. Also nicht nur einmal im Jahr, sondern auch zweimal im Jahr zum Sommer hin. Da war auch Kristina Kleiser von Mossio vor Ort, hat es dann vorgestellt, dass wir offiziell ausgesucht wurden, als Delegation in Rom die Schweiz zu vertreten. Dann habe ich einfach mit den Eltern Gespräche geführt, habe gesagt, hey, wirst du gerne dabei sein und kannst du denn auch dabei sein, weil es ist natürlich auch zwischen Neujahr, es ist ja auch so ein besonderer Moment, wo man vielleicht ein bisschen durchschnaufen möchte mit den Eltern, mit der Familie oder auch über die Tage auch wegfahren oder ich habe auch mitbekommen jetzt von Amy, man sollte ja doch auch viel lernen. Und dann war es, letztendlich sollte ich ehrlich sagen, ich habe die Rückmeldung genommen von den Eltern, wo wir gesagt haben, hey cool, oder die Kinder kommen gerne mit. Ich habe so einen Lostopf geworfen, dann habe ich einfach Lösli gezogen.

Sandra Leis [:

Das Los hat entschieden, Amy, nicht für dich, du bist leider nicht dabei, wurmt dich das?

Amy Della Polla [:

Also ich finde, es wäre sicher eine sehr tolle Erfahrung gewesen, nach Rom zu fahren, aber an den Festtagen bin ich auch sehr gerne zu Hause und verbringe Zeit mit meiner Familie. Deswegen finde ich es nicht so schlimm, aber es wäre bestimmt sehr schön geworden, dort Sternsingen.

Sandra Leis [:

Kann ich mir auch vorstellen. Bist du nächstes Jahr wieder dabei, weißt du das schon?

Amy Della Polla [:

Ja, auf jeden Fall mache ich wieder mit, und ich freue mich auch schon sehr darauf, weil ich das Sternsingen liebe.

Sandra Leis [:

Und was gefällt dir am besten am Sternsingen?

Amy Della Polla [:

Also ich mag sehr gerne das Singen, wenn man von Tür zu Tür gehen kann und Lieder singen, weil ich singe auch sehr gerne zu Hause, und das macht mir auch Spaß.

Sandra Leis [:

Amy Della Polla und Filip Galiot. Vielen herzlichen Dank für eure Informationen, eure Einblicke ins Sternsingen und alles, alles Gute für die Auftritte, die jetzt dann auf euch zukommen.

Filip Galiot [:

Merci vielmals!

Amy Della Polla [:

Danke vielmals.

Sandra Leis [:

Das ist die 60. Folge des Podcasts «Laut + Leis». Zu Gast waren der Jugendarbeiter Filip Galiot und die Sternsingerin Amy Della Polla aus Arbon. Über Feedback freuen wir uns: Schreibt gerne per Mail an podcast@kath.ch oder per WhatsApp auf die Nummer 078 251 67 83. Und: Abonniert den Podcast und bewertet ihn positiv, wenn er euch gefällt.

In der nächsten Folge von «Laut + Leis» geht es um Abschied und Neuanfang: Zu Gast ist die katholische Theologin Simone Dollinger. Sie arbeitet bei Mission 21 und ist zusammen mit ihrer Familie nach neun Jahren in Bolivien und Costa Rica in die Schweiz zurückgekehrt. Bis in zwei Wochen – und bleibt laut und manchmal auch leise.

Amy Della Polla, Sternsingerin aus Arbon, und Jugendarbeiter Filip Galiot | © Sandra Leis
19. Dezember 2025 | 05:30
Lesezeit : ca. 18  Min.
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