Vorerst kein Frauendiakonat – und doch bewegt sich was
Die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern ist in der katholischen Kirche strittig. In einigen Ländern wird sie gefordert, anderswo ist sie undenkbar. Erneut hat ein Arbeitskreis dazu getagt. Und sich ein klein wenig bewegt.
Ludwig Ring-Eifel (CIC)
(KNA) Als der Vatikan am 4. Dezember den Bericht der Studienkommission zum Frauendiakonat veröffentlichte, liessen die Reaktionen vor allem aus Deutschland nicht lange auf sich warten. Vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken bis zum Reform-Verein «Wir sind Kirche» kamen enttäuschte Verlautbarungen. Von einer «verpassten Chance» war die Rede und davon, dass nun wohl noch mehr Frauen als bisher der katholischen Kirche den Rücken kehren würden.
Am anderen Ende des kirchenpolitischen Spektrums gab es hingegen auf der Plattform X Jubel: Das Frauendiakonat sei nun endgültig in Rom gescheitert, und das sei auch gut so, lautete der Tenor bei den Konservativen.
Zurückhaltende Reaktion der Bischöfe
Bemerkenswert zurückhaltend blieben die deutschen Bischöfe. Die Deutsche Bischofskonferenz stellte am selben Tag im Umfeld der hitzigen Rentendebatte in Berlin ihr sozialpolitisches Grundsatzpapier vor.
Mit ihren «Impulsen für einen gerechten und verlässlichen Sozialstaat» wollten sie erstmals seit langem wieder wichtige Gedanken der Kirche in den politischen Diskurs einbringen. Und das wollte man offenbar nicht durch neue innerkirchliche Debatten stören, deren Feinheiten eine breite Öffentlichkeit ohnehin kaum noch nachvollziehen kann.
Genauer Blick lohnt sich
Dennoch lohnt das im Vatikan kommentarlos und ohne Vorankündigung veröffentlichte Synthesepapier zum Frauendiakonat einen genauen Blick. Oberflächlich betrachtet bringt es nicht mehr als eine Wiederholung des bereits von mehreren vorherigen Kommissionen im päpstlichen Auftrag gefundenen Ergebnisses, wonach eine Zulassung von Frauen zum Diakonat derzeit nicht möglich sei.
Ungewohnte Transparenz
Doch unterscheidet sich der Zwischenbericht von früheren Berichten auch durch seine ungewöhnliche Transparenz. Er gibt exakt die Abstimmungsergebnisse zu bestimmten Fragen wieder und referiert im Wesentlichen den Verlauf der internen Debatten. Daraus ergibt sich ein Gesamtbild, das sehr viel dynamischer und auch ergebnisoffener ist, als es das auf wenige Worte reduzierte Endergebnis vermuten lässt.
Zudem macht das Vorwort des Vorsitzenden, des italienischen Kardinals Giuseppe Petrocchi, unmissverständlich klar, dass die – teils recht weit divergierenden – Voten der aus fünf Frauen und fünf Männern bestehenden Studienkommission kein Schlusswort sein können.
Das Lehramt ist gefragt
Die theologischen Voten, so der Tenor, können ebenso wenig wie die bereits vor Jahren abgeschlossenen historischen Studien zum frühchristlichen Frauendiakonat die Entscheidung des Lehramts (d.h. des Papstes oder eines Konzils) ersetzen.
Mit einem leicht drängenden Unterton heisst es dazu: «Die hierarchische Gemeinschaft weist die abschliessende Entscheidung zu diesen Themen dem Lehramt der Kirche zu, als verbindliche Antwort auf die Fragen, die in einigen Bereichen des Volkes Gottes vorhanden sind.» In einfacher Sprache würde man sagen: «Der Papst soll bitte endlich die Sache entscheiden, viele Gläubige warten auf eine klare, verbindliche Antwort.»
Nach dieser Vorrede gibt der Text Einblicke in die Debatten der Kommission, die sich in den vergangenen fünf Jahren etliche Male teils in Präsenz, teils online getroffen hat. Auch die Resultate der Abstimmungen über bestimmte vorgeschlagene Thesen werden referiert.
Klarstes, einstimmigstes Ergebnis von 2021
Das klarste, einstimmige Ergebnis stammt aus dem Jahr 2021, als es zunächst einmal darum ging, die Problemstellung zu definieren. Dazu wurde ein Satz mit diesem Wortlaut vorgeschlagen: «Die systematische Vertiefung über das Diakonat, im Rahmen der Theologie des Weihesakraments ruft Fragen bezüglich der Kompatibilität der Diakonenweihe mit der katholischen Lehre vom Weihesakrament hervor.» Diesem Satz stimmten alle zehn Kommissionsmitglieder zu.
Doch schon bei der Beantwortung der Frage, ob man für oder gegen die Einrichtung eines Frauendiakonats (im Rahmen des dreistufigen Weihesakraments) sei, gab es weder ein klares Votum dafür noch eines dagegen. Ein Jahr später, im Juli 2022, gab es dann eine klare Mehrheit von sieben zu eins für einen Satz, der zwar ein klares Nein zum Frauendiakonat zum damaligen Zeitpunkt enthielt – aber auch die Feststellung, dass es «heute noch nicht möglich ist, ein endgültiges Urteil zu formulieren».
Kommission ruhte zwischenzeitlich
Nach diesem «Nein, aber» folgt im Bericht eine lange Lücke von drei Jahren. Sie ist offenbar dem Umstand geschuldet, dass die Kommission zwischenzeitlich ruhte. Erst während der Weltsynode wurde sie durch Papst Franziskus wieder neu belebt.
Denn in der grossen Synodalversammlung drohte die Frage nach dem Frauendiakonat erneut hochzukochen. Der mitunter raffiniert taktierende Jesuit auf dem Papstthron beschloss damals kurzerhand, die Fragen und Anregungen in die bereits bestehende (und zwischenzeitlich «eingeschlafene») Petrocchi-Kommission umzuleiten.
«Wenige Länder» unterstützten Forderung
Das daraufhin bei der Kommission eingegangene Material sei, so der Bericht, zwar umfangreich und oft auch «geschickt argumentiert» gewesen; es sei aber nur von 22 Gruppen oder Personen «aus wenigen Ländern» gekommen. Daher könne es nicht als «Stimme der Synode und noch viel weniger als Stimme des Volkes Gottes» betrachtet werden.
Dennoch hat sich die Kommission damit auseinandergesetzt und offenbar auch die neuen anthropologisch-theologischen Fragestellungen nach der gleichen Würde von Mann und Frau zur Kenntnis genommen.
Öffnung des Priestertums
Auch die weitergehende Forderung nach einer Öffnung des Priestertums und des Bischofsamtes für weibliche Berufungen – von Johannes Paul II. 1994 in dem Schreiben «Ordinatio sacerdotalis» noch kategorisch abgelehnt – wurde nun in der Kommission diskutiert.
Zwar konnten die «Petitionen» und Argumente die Teilnehmer ganz offensichtlich nicht davon überzeugen, dass nun eine völlig neue Herangehensweise an die Frage angebracht sei. Doch immerhin kam es in einer Abstimmung beim finalen Treffen im Februar 2025 zu einem bemerkenswerten Ergebnis.
Jesus ein Mann
Die Experten stimmten ab über die ganz grundsätzliche Frage, ob Frauen schon allein deshalb nicht geweiht werden können, weil Jesus ein Mann war. Die These war so formuliert: «Das Mann-Sein Christi und folglich auch das Mann-Sein derer, die die Weihe erhalten, ist nicht zufällig, sondern ist integraler Bestandteil der sakramentalen Identität, die die göttliche Ordnung des durch Christus gewirkten Heils bewahrt. Diese Wirklichkeit zu ändern, wäre nicht bloss eine Anpassung des Dienstamtes, sondern ein Bruch mit der brauthaften Bedeutung des Heils.»
Zu diesem Satz lautete das Abstimmungsergebnis der Kommission: «Fünf Mitglieder haben sich dafür ausgesprochen, den Satz in dieser Form zu bestätigen; die anderen fünf haben dafür gestimmt, dass er gestrichen werden soll.»
Das komplett gespaltene Abstimmungsergebnis in dieser Grundsatzfrage lässt zweierlei Schlussfolgerungen zu: Zum einen, dass die Debatte, auch dank des Schwungs der Weltsynode, endlich bei den Grundsatzfragen angekommen ist, die bislang immer sorgfältig umschifft wurden.
Zugleich aber scheint es höchst unwahrscheinlich, dass Papst Leo XIV., der angetreten ist, die Risse innerhalb der Kirche nicht zu vertiefen, auf Grundlage einer Fünf-zu-fünf-Abstimmung in die eine oder in die andere Richtung weitermarschieren wird.
Insofern ist die Veröffentlichung des Berichts der Studienkommission die spannende und aufschlussreiche Momentaufnahme einer Debatte – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Der Ball liegt nun erneut beim Papst. Schon jetzt wird spekuliert, dass er ihn beim Konsistorium der Kardinäle am 7. und 8. Januar aufnehmen könnte.
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