Schwester Scolastica hat das Kloster Wonnenstein verlassen – für immer
Schwester Scolastica Schwizer (81) wehrte sich über drei Jahre lang für einen Verbleib im Kloster Wonnenstein. Nun hat die Kapuzinerin wegen einer bevorstehenden Operation das Kloster verlassen. Sie wird nicht zurückkehren – und gehorcht damit einer kirchlichen Weisung.
Barbara Ludwig
Scolastica Schwizer, auch Schwester Scholastika genannt, lebte die letzten Jahre als einzig verbliebene Ordensfrau im Kloster Wonnenstein. Die Kapuzinerin weigerte sich, ihr angestammtes Kloster zu verlassen und in eine andere Gemeinschaft zu ziehen. Deswegen stand sie seit über drei Jahren im Konflikt mit kirchlichen Instanzen.
Rückkehr ins Kloster ausgeschlossen
Am Freitag hat Schwester Scolastica das Kloster Wonnenstein nach 61 Jahren verlassen. Sie sei in die kantonale Übergangspflege in Appenzell gezogen, sagt Sepp Moser auf Anfrage gegenüber kath.ch. Moser zählt zu den Hauptexponenten der Interessengemeinschaft «Das Kloster Wonnenstein gehört den Frauen». Diese IG unterstützte die Ordensfrau im Kampf um den Verbleib im Kloster.
Der Umzug nach Appenzell steht im Zusammenhang mit einer dringenden Operation, der sich Schwester Scolastica Anfang November unterziehen muss. Sie werde anschliessend ein paar Wochen Erholung brauchen, wie die IG Wonnenstein auf ihrer Webseite mitteilt. Möglicherweise benötige sie eine zweite Operation.
Bischof Grögli nimmt Stellung
Eine Rückkehr ins Kloster sei ausgeschlossen. Mit einem Schreiben vom 20. Oktober und einem vorausgehenden Gespräch habe der St. Galler Bischof Beat Grögli Schwester Scolastica zum Auszug aus dem Kloster Wonnenstein aufgefordert, schreibt die IG Wonnenstein. Der Bischof habe mit einer Entlassung aus dem Ordensstand gedroht, wenn sie dieser Weisung keine Folge leiste.
Eine frühere Ankündigung sei nicht möglich gewesen, da Schwester Scolastica «bis zur letzten Minute» für ihre Verbleiben im Kloster gekämpft habe. «Die Macht des Bischofs, der Oberin und auch des Vereins der Bodaner» sei zu stark, so die IG. Träger des Klosters Wonnenstein ist seit 2014 der Verein Maria Rosengarten Wonnenstein, in dem das Bistum St. Gallen, Appenzell Innerrhoden, die Studentenverbindung AV Bodania und andere engagiert sind.
Der St. Galler Bischof nahm gegenüber dem «St. Galler Tagblatt» (29. Oktober 2025) Stellung zu dem Vorgang. Zum Ordensleben gehöre die Gemeinschaft, in die man sich einfügen müsse, «ähnlich wie in einer Familie». Schwester Scolastica lebe seit längerer Zeit allein im Kloster Wonnenstein. «Das ist keine Ordensgemeinschaft mehr», so Beat Grögli.
Gespräch mit Bischof und Oberin
Scolastica Schwizer gehöre zur Föderation St. Klara der Schweizer Kapuzinerinnen. Das ist der Verband der Schweizer Kapuzinerinnenklöster. Oberin der Föderation ist Schwester Maria Angelika Scheiber. Sie habe Schwester Scolastica schon lange aufgefordert, Wonnenstein zu verlassen und ein anderes Kloster zu finden, das sie aufnimmt, sagt der Bischof gegenüber der Zeitung. «Schwester Scolastica hat sich aber immer geweigert.»
Auch der jüngsten Aufforderung aus dem Vatikan, das Kloster bis Ende September zu verlassen, sei sie nicht nachgekommen. Es sei das letzte Schreiben aus einer «sehr langen Reihe an Aufforderungen», so Grögli. Weil die Kapuzinerin die Anweisung ohne Kommentar habe verstreichen lassen, hätten die Oberin und er «reagiert». Gemeinsam habe man ein Gespräch mit Schwester Scolastica geführt, «bei dem wir ihr erneut mitgeteilt haben, dass sie das Kloster verlassen muss».
Künftiger Wohnort offen
Der Kapuzinerin ist laut Bischof bereits im Schreiben aus Rom mitgeteilt worden, dass sie bei erneuter Widerhandlung aus dem Ordensstand entlassen werden könnte. Die Föderation könne ein entsprechendes Verfahren einleiten. Doch niemand wolle das, «weder die Vorsteherin der Föderation noch ich», so Grögli. Deshalb sei er «sehr froh», dass Schwester Scolastica nun das Kloster verlassen habe.
Wo die Kapuzinerin nach erfolgter Operation und der Genesung leben wird, ist offen. Das kantonale Gesundheitszentrum in Appenzell sei «ein vorübergehend guter Ort» für sie, aber nicht ihre definitive Unterkunft, betont der Bischof. Diese müsse Schwester Scolastica gemeinsam mit ihrer Oberin finden.
In Frage kommen demnach ein Kapuzinerinnenkloster der Föderation St. Klara oder auch ein anderes Kloster, sofern die betreffende Gemeinschaft sie aufnehme. Die Föderation begleite Schwester Scolastica gerne in diesem Prozess, «wenn sie sich begleiten lässt», so Grögli.
Abschied im Gottesdienst
Sepp Moser sagt gegenüber kath.ch am Telefon, dass sich Schwester Scolastica «damit abfinden muss, nicht mehr ins Kloster Wonnenstein zurückkehren zu können». Am Samstagabend hat sich Schwester Scolastica in der Klosterkirche im Rahmen des ordentlichen Sonntagsgottesdienstes von ihren Freundinnen und Freunden verabschiedet. (Trägerschaft des Klosters Wonnenstein präzisiert, 30.10.25, bal).
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