Wenn junge Menschen gemeinsam beten – auf Sesseln und Sofas
Jugendliche und junge Erwachsene aus Rapperswil-Jona haben ein neues Format namens «Pray Station» erschaffen. Es lädt junge Menschen zum Austausch über den Glauben ein – und schafft mit dem Social Media Auftritt auch eine digitale Gemeinschaft.
Jacqueline Straub
«Wir waren sehr überrascht, dass so viele gekommen sind», sagt der 21-jährige Theologiestudent David Pollak über den Jugendtreff «Pray Station». Inzwischen hat er dreimal stattgefunden.
Jeweils sind 20 bis 30 junge Menschen der Einladung gefolgt. «Wir haben natürlich gehofft, dass viele kommen, aber erwartet haben wir das definitiv nicht», sagt er gegenüber kath.ch. David Pollak ist Teil des neunköpfigen Kernteams.
Synodale Projektentstehung
Die «Pray Station» ist in einem «synodalen Prozess» entstanden, erzählt er. Einige Jahre gab es in Rapperswil-Jona einen Gottesdienst für Jugendliche und junge Erwachsene. Geleitet wurde dieser von der Jugendarbeiterin. «Irgendwann ist er in sich zerfallen, weil immer weniger kamen und nur noch die gleichen etwas vorbereitet haben.» Die Dynamik fehlte.
Doch einige junge Menschen aus der Pfarrei wollten dennoch ein Angebot für sich haben. Also wurde ein Treffen zum Austausch veranstaltet – «im synodalen Stil», so der Theologiestudent. «Wir haben darüber gesprochen, was unsere Bedürfnisse sind. Es kamen etliche Ideen.» Daraus entwickelte sich dann die «Pray Station», deren Logo an die Videospielkonsole «Play Station» anlehnt.
David Pollak betont, dass das jetzige Format dynamisch sein soll. Deswegen kann jeder mithelfen, der mithelfen möchte – es gibt kein verpflichtendes, dauerhaftes Engagement. «Durch die Leute, die sich einbringen, entstehen neue Impulse und dadurch entwickelt sich die ‹Pray Station› stetig weiter», sagt David Pollak. Was sich alle von Anfang an gewünscht haben: Das neue Jugendangebot muss gemütlich sein.
Die «Pray Station» ist bewusst im Wohnzimmer-Look gehalten. «Es ist eine Kombination von Tiefgründigkeit und lockerer Stimmung», sagt David Pollak. Das Treffen beginnt mit einem Impuls in der Kirche, danach gehen alle in das Pfarreizentrum. Dort tauschen sie sich auf Sitzkissen und Sofas aus.
Es entstehen durchaus tiefgründige Gespräche. Im Anschluss kann man noch verweilen und gemeinsam etwas essen. «Wir wollen, dass es vertraut ist und nicht so starr.» Deswegen gibt es auch nicht «einen, der vorne steht», sondern es geht ums Miteinander. «Auf Sofas ist das halt einfacher», so David Pollak.
Gemeinschaft schaffen
«Wir alle engagieren uns leidenschaftlich, und es sind ganz viele kreative Köpfe dabei», so der Theologiestudent. Etwa Lancelot Espinosa und Célia da Costa, die den Account «praystation_rj» auf Insta und Tiktok betreiben. «Wir wollen sichtbar sein für die, die auf der Suche nach Gemeinschaft sind», sagt Célia da Costa über die Präsenz auf Social Media.
Ihnen ist es wichtig, dass sie eine junge Kirche zeigen können. «Denn nur wenn Jugendliche sich angesprochen fühlen und einen Ort finden, an dem sie willkommen sind, bleibt Kirche auch in der Zukunft lebendig.»
Deswegen teilen sie auf Social Media Eindrücke von den Treffen, kündigen nächste Veranstaltungen an und geben Einblick in das, «was uns bewegt und verbindet», sagt Célia da Costa. Dadurch schafft die Gruppe auch einen digitalen Raum, der über die realen Treffen im Pfarreizentrum hinaus eine Gemeinschaft ermöglicht.
Und: Sie wollen damit andere inspirieren und vernetzen. Gleichzeitig aber auch zeigen: «Glaube kann Spass machen, Tiefe haben und Teil eines echten, lebendigen Miteinanders sein», so Célia da Costa.
*Alle ein bis zwei Monate findet der Jugendtreff statt. Die nächste «Pray Station» ist am Samstag, 30. August um 18 Uhr im Franziskuszentrum in Kempraten.
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