Stefan Loppacher auf einem Podium zum Missbrauch in der Kirche, 2023
Schweiz

Stefan Loppacher sieht «positiven Effekt» der Missbrauchs-Pilotstudie  

Nicht nur in Kirchen geschehen sexuelle Übergriffe gegenüber Minderjährigen. Ein Forschungsprojekt soll die Problematik schweizweit und in vielen gesellschaftlichen Bereichen untersuchen. Der kirchliche Missbrauchsexperte Stefan Loppacher begrüsst dies.

Regula Pfeifer

Den neuen Forschungsauftrag über sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen hat das Bundesamt für Sozialversicherungen am Donnerstag ausgeschrieben. Es wird diesen Auftrag vergeben.

In der avisierten Studie soll der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in verschiedenen «Sozialisationsbereichen» untersucht werden. Speziell genannt sind Kirchen, Religionsgemeinschaften, Schulen und sozialpädagogische Einrichtungen – etwa Kinder- und Jugendheime sowie ausserfamiliäre Kinderbetreuung. Ausserdem sollen Freizeitorganisationen – etwa Sportverbände, Jugendverbände, Kultur- und Kunstvereine – unter die Lupe genommen werden. Und auch die Familien.

Wie viele sind betroffen und in welchen Bereichen?

Dabei gelte es zu eruieren, wie viele Kinder und Jugendliche in der Schweiz Opfer von sexuellem Missbrauch sind, und wie sich diese Zahl in den letzten 15 Jahren entwickelt hat. Herauszufinden ist auch, wo, in welchen sozialen Bereichen, sich die Übergriffe ereignet haben und wer die Täter und Täterinnen sind. Das heisst es in der Ausschreibung des Forschungsmandats.

Ein Bub versteckt sich.
Ein Bub versteckt sich.

Auch soll die Recherche Auskunft geben darüber, wie die Prävention in den verschiedenen Bereichen aussieht. Welche Massnahmen ergriffen wurden, um vergangene Übergriffe aufzuarbeiten und wie wirksam diese waren. Auch die Einschaltung von Strafbehörden gehört zum Untersuchungsfeld, ebenso wie mögliche Untersuchungen von Missbrauch begünstigenden Organisationsstrukturen. Erwünscht sind zudem «Good-Practice»-Beispiele. «Daraus sollen Handlungsbedarf und Empfehlungen für die Schweiz abgeleitet werden», heisst es in der Mitteilung des BSV.

Politische Vorstösse

Zur Ausschreibung des Forschungsauftrags ist es gekommen, weil mehrere Politikerinnen und Politiker Vorstösse zuhanden des Bundesrates eingereicht hatten, die sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige betrafen. Die Ergebnisse der Studie werden in einen Bundesratsbericht zu diesen Vorstössen einfliessen.

Pressekonferenz zur Pilotstudie zum Missbrauch in der katholischen Kirche Schweiz, September 2023
Pressekonferenz zur Pilotstudie zum Missbrauch in der katholischen Kirche Schweiz, September 2023

«Ich bin sehr froh über das Forschungsprojekt», sagt Stefan Loppacher, Leiter der nationalen Dienststelle Missbrauch im kirchlichen Kontext. Er schätzt das Forschungsvorhaben als einen «positiver Effekt» der Studie über die Geschichte des sexuellen Missbrauchs im Umfeld der katholischen Kirche ein, deren Pilot im September 2023 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Pilotstudie zu Missbrauch in Kirche löste Prozess aus

«Die Studie hat einen politischen Prozess ausgelöst, der zu politischen Vorstössen führte und nun zur Ausschreibung dieses Forschungsprojekts», sagt Loppacher. Und doppelt nach: «Jede Forschung, die der Prävention und dem Schutz von Menschen in Abhängigkeitsverhältnissen und insbesondere von Minderjährigen dient, ist zu unterstützen.»

Ein Team des Historischen Seminars der Universität Zürich forscht weiter zur Geschichte des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Den Auftrag dazu hatte sie von der Schweizer Bischofskonferenz, der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz und der Kovos erhalten. Die Pilotstudie hatte im September 2023 über 1000 Fälle von sexuellem Missbrauch ans Licht gebracht.

Weitere Informationen zur Ausschreibung des Forschungsmandats sind über diesen Link zu finden. Wer sich an der Studie beteiligen will, muss bis am 11. August 2025 ein Projekt einreichen.

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Stefan Loppacher auf einem Podium zum Missbrauch in der Kirche, 2023 | © Paulus Akademie
27. Juni 2025 | 17:30
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