Kurzes Bad in der Menge: Papst Franziskus am 6. April 2025 auf dem Petersplatz im Vatikan. Hinter dem Papst mit dunkler Brille: Massimiliano Strappetti.
Vatikan

Papst überrascht Kranke, Pfleger und Ärzte auf dem Petersplatz

Tausende Kranke, Pfleger und Ärzte feierten am Sonntag einen Gottesdienst auf dem Petersplatz. Ein berühmter Kranker schien zu fehlen: der Papst. Doch dann zeigte er sich plötzlich am Ende der Messe. Der Jubel war gross.

Ludwig Ring-Eifel

Die Überraschung war perfekt, als am Sonntagmittag plötzlich und unerwartet Papst Franziskus bei strahlendem Frühlingswetter vor rund 20’000 Pilgern auf dem Petersplatz in Rom erschien. Während manche Teilnehmer des grossen Heilig-Jahr-Gottesdienstes noch ins persönliche Gebet vertieft waren, kam der Papst ohne vorherige Ankündigung im Rollstuhl vom Petersdom her auf die zentrale Altar-Insel.

Gemeinsamer Segen

Sein persönlicher Pfleger Massimiliano Strappetti schob den immer noch sichtlich leidenden Pontifex vor den Altar. Dort hatte zuvor Erzbischof Rino Fisichella gemeinsam mit zwei Kardinälen die Eucharistie zelebriert. Fisichella setzte unbeirrt den letzten Teil der Liturgie fort und erteilte dann gemeinsam mit dem Papst den Segen.

Wie schon bei seinem letzten kurzen Auftritt auf dem Balkon der römischen Gemelli-Klinik vor zwei Wochen hatte der 88-Jährige sichtlich Mühe, die Arme zu heben. Zur Unterstützung seiner Atmung trug er wieder Sauerstoffkanülen im Gesicht. Als er danach mit wenigen Worten die Menschen grüsste und ihnen «einen schönen Sonntag» wünschte, klatschten sie begeistert Beifall.

Zwischen Verwirrung und Überraschung

Beinahe frenetisch war wenige Minuten zuvor der Applaus gewesen, als der Mann in Weiss plötzlich auf den Grossbildschirmen auftauchte. Erst nach Sekunden der Verwirrung begriffen alle Anwesenden, dass es sich nicht um eine Video-Einspielung handelte. Der kranke Papst war tatsächlich bei ihnen.

Papst Franziskus beim Angelusgebet am 6. April 2025 auf dem Petersplatz im Vatikan.
Papst Franziskus beim Angelusgebet am 6. April 2025 auf dem Petersplatz im Vatikan.

Noch bei der Verlesung der Predigt des Pontifex hatte Fisichella eine halbe Stunde zuvor davon gesprochen, dass Franziskus «wenige Meter von uns entfernt» die Feier am Fernsehen verfolgte. Doch nun war er leibhaftig da, und er begrüsste sogar – allen medizinischen Mahnungen zum Trotz – einige der Anwesenden persönlich.

Kurzes Bad in der Menge

Allerdings vermied er das früher übliche lange Bad in der Menge mit dem Schütteln Hunderter Hände. Pfleger Strappetti sorgte mit entschlossenem Schritt dafür, dass der Aufenthalt in der römischen Frühlingssonne nicht länger als unbedingt nötig dauerte.

Noch während der Papst in seine Wohnung im Gästehaus Santa Marta und damit in die Abgeschiedenheit seiner zweimonatigen Rekonvaleszenz zurückkehrte, verlasen Sprecherinnen die offiziellen Grüsse und Segenswünsche des Papstes in mehreren Sprachen. Danach wurde der Text seiner Grussbotschaft zum Angelus-Gebet an die Medien verteilt.

Als Pilger im Rollstuhl die Heilige Pforte durchquert

Ebenfalls an die Medien ging etwa zeitgleich eine weitere, überraschende Information aus dem vatikanischen Presseamt. Demnach hat der Papst am Sonntagmorgen im Rollstuhl die Heilige Pforte durchquert – so wie dies Tausende kranke Pilger am Vortag im Rahmen der «Heilig-Jahr-Feier der Kranken» getan hatten. Ausserdem habe er gebeichtet. Mithin hat der Papst an diesem Sonntag den von ihm selbst verkündeten «Heilig-Jahr-Ablass» der zeitlichen Sündenstrafen erhalten.

Das vatikanische Informationsportal Vatican News zeigte wenig später Bilder von dieser Durchquerung der Heiligen Pforte mit dem Papst als Pilger. An Heiligabend hatte er die Pforte bereits zur Eröffnung des katholischen Heiligen Jahres 2025 als erster durchquert – damals jedoch als Zelebrant, und nicht als Pilger. Ferner wurde ein Foto verbreitet, das den Papst auf seinem Rollstuhl von hinten zeigt. Zu sehen ist darauf auch die grosse Sauerstoff-Apparatur, die an der Rückseite seines Fahrzeugs befestigt wurde.

Verzicht auf Aufzeichnung von Grussbotschaft?

Glaubt man einem italienischen Zeitungsbericht, wurde bei all dieser Transparenz doch auch wieder einiges nicht vom Vatikan mitgeteilt. So soll laut der römischen Tageszeitung «Il Messaggero» am Samstag ein Versuch gescheitert sein, eine Grussbotschaft des Papstes im Gästehaus Santa Marta für den Sonntag aufzuzeichnen. Die Video- und Tontechniker seien unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt worden, so die Zeitung. Warum der Papst es sich im letzten Moment anders überlegt habe, sei nicht bekannt. (cic)

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Kurzes Bad in der Menge: Papst Franziskus am 6. April 2025 auf dem Petersplatz im Vatikan. Hinter dem Papst mit dunkler Brille: Massimiliano Strappetti. | © KNA
6. April 2025 | 19:32
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