«Es ist wunderbar, jungen Menschen dabei zu helfen, ihre Berufung zu erkennen»
Mathilde Celeyron glaubt zwar in erster Linie an Gott, aber sie glaubt auch an die evangelisierende Kraft der Medien und an die Jugend von heute. Die neue Koordinatorin des Centre romand des vocations (CRV), des Westschweizer Zentrums für Berufungen, ist begeistert davon, Menschen auf der Suche nach ihrem Lebensweg begleiten zu können.
Raphael Zbinden, cath.ch
«Ich diene Christus bereits in meinem Leben als Ehefrau und Mutter, aber ich möchte ihm auch in meinem Berufsleben dienen.» Mit gerade einmal 30 Jahren wird Mathilde Celeyron nicht vom Müssiggang heimgesucht. Neben der Betreuung ihrer beiden kleinen Kinder und ihrem Engagement in Vereinen arbeitet sie seit November 2024 zu 20 Prozent für die Kommunikation des Instituts Philanthropos (in Freiburg) und seit dem 1. Februar 2025 zu 40 Prozent als Koordinatorin des CRV.
Stellen, bei denen sie sicher ist, dass sie ihre Vorliebe für den menschlichen Kontakt und die Kommunikation am besten zum Ausdruck bringen kann, erklärt sie cath.ch Anfang Februar bei einer Tasse Kaffee. Mehrere Etappen in ihrem Lebenslauf haben es ihr ermöglicht, diese Leidenschaften zu entwickeln.
Auf der Suche nach dem Menschlichen
Mathilde Celeyron wurde in der Nähe von Paris geboren und kam in ihrer frühen Kindheit mit der Schweiz «in Berührung», als ihre Familie in den französischen Jura zog. Als sie zehn Jahre alt war, zogen ihre Eltern nach Bourges in Zentralfrankreich, wo sie auch heute noch leben. Sie spricht über ihr Glück, in einer praktizierenden katholischen Familie aufgewachsen zu sein.
«Zu Hause haben wir sehr leicht über Gott gesprochen und gemeinsam gebetet.» Obwohl sie im Glauben «gebadet» wurde, musste sie jedoch eines Tages wirklich «Ja zum Herrn sagen». Das war während eines Jahres im Internat in Châteauneuf-de-Galaure, dem Sitz der Foyers de Charité in der Drôme. «Dort wurden wir von einem echten Gebetsleben getragen, und ich habe dort sehr schöne Freundschaften erlebt.»
Studierte Psychologie und Philosophie
Nachdem Gott vollständig in ihr Leben getreten war, ging sie nach Paris, wo sie zehn Jahre verbrachte und am Institut de Philosophie Comparée (IPC) ein Studium der Psychologie und Philosophie aufnahm. «Ich wollte Psychologin werden, um den Menschen zu verstehen. Ich dachte, dass dies der beste Weg sei, um anderen zu helfen, ich war ein bisschen in der Perspektive, die ganze Welt zu retten.»
Am Ende war sie «sehr enttäuscht», wie Mathilde Celeyron sagt. «Mir wurde klar, dass ich den falschen Weg eingeschlagen hatte, um den Menschen zu erfassen, denn er ist zu mysteriös, als dass eine Disziplin , sei es Psychologie oder eine andere, ihn wirklich definieren könnte.» Das Studium hat ihr jedoch «enorm viel» über die Menschenkenntnis und ihre inneren Fragen gebracht.
Das Evangelium auf der grossen Leinwand
Aber erst als sie einen Master in Kommunikation in Angers (Maine-et-Loire) begann, fand sie ihren wahren Weg. «Beim Studium des Projektmanagements und des Vertriebs habe ich gemerkt, dass ich mich in diesen Berufen viel wohler fühle.» Ein Praktikum während des Studiums brachte sie zu SAJE, einem Unternehmen, das christlich inspirierte Filme vertreibt, wo sie schliesslich eine Anstellung fand.
Mathilde Celeyron erlebt dort ein «aussergewöhnliches» Abenteuer und durchläuft verschiedene Positionen, wie die digitale Entwicklung und die Filmvermittlung. Sie verhandelt mit Kirchengemeinden, Diözesen, aber auch mit profanen Kinos über die Ausstrahlung der ausgewählten Filme. «Es war sehr interessant, weil ich sowohl mit Kirchenleuten als auch mit oft atheistischen Kinodirektoren zu tun hatte. Dieser Austausch hat mir sehr gefallen und mir gezeigt, dass man tatsächlich überall und mit jedem über Gott sprechen kann. Ich habe auch festgestellt, wie sehr sich die Göttlichkeit durch eine populäre Kunst wie das Kino ausdrücken lässt, die die Menschen leicht berühren kann.»
Eine Arbeit, die Sinn macht
Im Juni 2022 verlässt Mathilde Celeyron Paris, um ihrem Mann zu folgen, der nach Freiburg gezogen ist. Drei Monate später wird ihr erstes Kind geboren. Sie legt ihre Karriere in den Pausenmodus, um sich um ihre Familie zu kümmern. Umso mehr, als sich die Familie kurz darauf um ein weiteres Mitglied vergrösserte.
Die Französin verliert jedoch nicht den Wunsch, sich für andere zu engagieren. Sie schliesst sich dem Verein Lazarus an, der Wohngemeinschaften zwischen jungen Menschen und Menschen, die auf der Strasse leben oder sehr einsam sind, vermittelt. Sie erklärt sich auch bereit, Schweizer Referentin für die Katholischen Familienverbände (AFC) zu werden, von denen es in der Romandie Gruppen in Freiburg, Neuenburg und bald auch in Genf gibt.
Gleichzeitig wird sie von dem Wunsch beseelt, wieder in der Kirche zu arbeiten. So findet sie im November 2024 eine Stelle bei Philanthropos. Ausserdem bewirbt sie sich um die Stelle als Koordinatorin beim VRC. Ihr Profil überzeugt die Verantwortlichen.
Eine «konkrete» und «mystische» Aufgabe
Mathilde Celeyron ist sich der Chance bewusst, die Gott ihr mit dieser Arbeit gegeben hat. «Es ist sehr wichtig für mich, dass ich weiss, wofür ich morgens aufstehe. Ich kann nichts tun, was nicht einen tieferen Sinn hat».
Während sie ihr Büro gerade erst bezogen hat, bemüht sich die Französin, sich zurechtzufinden, insbesondere angesichts des etwas komplexen Schweizer Kirchensystems. «Ich entdecke nach und nach die Funktionsweise der einzelnen Kantone, die Finanzierungssysteme etc. Es ist ein bisschen anders als in Frankreich, wo die Dinge auf der Ebene der Diözesen geregelt werden. Aber letztendlich geht es immer um die katholische Kirche, die universal ist», bemerkt sie mit einem Lächeln.
«Jungen Menschen Werkzeuge geben, um ihren Weg zu finden»
Mathilde Celeyron betrachtet nun vor allem die «sehr schöne Aufgabe», die sie im CRV erwartet. «Es ist eine überwältigende und zugleich wunderschöne Aufgabe, für die religiösen Gemeinschaften und die Pastoralreferenten da zu sein, um den Jugendlichen zu helfen, ihre Berufung zu erkennen.» Die Koordinatorin sieht darin einen «sehr konkreten Aspekt»: «Wie man jungen Menschen die Werkzeuge an die Hand gibt, um ihren Weg zu finden», der mit einer «sehr mystischen» Dimension koexistiert, denn «letztlich ist es der Herr, der ruft, und wir sind seine Angestellten, wenn ich so sagen darf».
Die Kirchenleiterin ist sehr empfänglich für die Medien als Vehikel für Reflexion und Evangelisierung. Vielfältige Kanäle, die sowohl soziale Netzwerke als auch Kinofilme oder auch Gesellschaftsspiele sein können. Sie sieht auch gute Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zwischen dem CRV und den katholischen Medien in der Romandie.
Ein Kloster als «zweites Zuhause»
Mathilde Celeyron hat ausserdem «vor Ort» sowohl Erfahrung mit dem geweihten Leben als auch mit der Jugend. Da sie die Foyers de Charité besucht hat, stand ihre Familie der Gemeinschaft von St-Jean sowie der Gemeinschaft Emmanuel sehr nahe.
«Es ist sehr wichtig, dass diese schrecklichen Dinge ans Licht kommen.»
Obwohl zwei ihrer Gemeinschaften (die Foyers de Charité und die St-Jean-Gemeinschaft) von sexuellem Missbrauch geprägt waren, erklärt die Französin, dass sie die Dinge auseinander hält. «Ich nehme auf, was passiert, höre zu und nehme Abstand. Es ist sehr wichtig, dass diese schrecklichen Dinge ans Licht kommen. Aber ich glaube, dass diese Entgleisungen nicht die überwiegende Mehrheit der Mitglieder dieser Gemeinschaften beschreiben, die schöne Menschen sind.»
Die neue Koordinatorin des VRC hat auch eine starke Bindung zu den Nonnen des Klosters Annonciade in der Nähe von Bourges. «Ich habe viel Zeit mit diesen Schwestern verbracht, die ich sehr liebe. Unser Sohn wurde dort getauft und es ist so etwas wie mein zweites Zuhause.»
Eine Jugend auf der Suche nach dem Absoluten
Mathilde Celeyron hatte Kontakt zu jüngeren Menschen, als sie unter anderem Leiterin bei den europäischen Pfadfindern war. Dabei hat sie viel Zuneigung und Hoffnung für die Jugend mitgenommen. «Es ist eine Jugend, die sich viele Fragen stellt, die auf der Suche nach dem Absoluten ist. Viele von ihnen, das ist wahr, können sich nicht vorstellen, dieses Absolute in der Kirche zu finden. Die heutige Gesellschaft ist zersplittert zwischen denen, die sich bekehren, die das Feuer der Mission haben, und denen, die das Christentum ablehnen, die durch seine wiederholten Skandale verletzt sind. In beiden Teilen ist Arbeit zu leisten, man muss auf die Jugendlichen zugehen und ihnen zeigen, dass man Antworten auf ihre Fragen geben kann». (cath.ch/woz)
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