Schon drei Jahre Krieg in der Ukraine: «Die Solidarität der Schweiz gibt uns enorm viel Kraft»
Heute Montag vor drei Jahren hat Russland die Ukraine angegriffen. Ein Tag, an den sich viele Ukrainerinnen und Ukrainer mit Schrecken erinnern. Die Hoffnung auf ein Ende des Kriegs lebt weiter. Allerdings nicht auf Kosten der Ukraine, wie Lyudmyla Zuber aus Bern fordert, die mit ihrem Verein «Ukrainer in Bern» schon zig Tonnen Hilfsgüter in ihre Heimat geliefert hat.
Wolfgang Holz
Die Bilanz aus drei Jahren Ukraine-Krieg liest sich erschreckend: In den drei Jahren seit dem Einmarsch dokumentierten UNO-Ermittler nahezu 12’700 getötete und mehr als 29’000 verletzte ukrainische Zivilisten: Kinder, Frauen und Männer. Dabei liegt die Zahl der zivilen Opfer vermutlich noch weitaus höher. Es bleibt etwa ungewiss, wie viele Ukrainer durch russische Soldaten exekutiert wurden.
Rund zwei Millionen Wohnungen zerstört
Auch sind etliche Menschen qualvoll in den Trümmern ihrer Häuser gestorben: Rund zwei Millionen Wohneinheiten sind bislang im Zuge der Putin-Aggression beschädigt oder zerstört worden. Das Gleiche trifft auf knapp 2500 Schulen und medizinische Einrichtungen zu. Vor kurzem beschossen die Invasoren das grösste Kinderspital in der Region Odessa.
Der Ukraine-Krieg ist ein immenser Schaden für das Land und eine humanitäre Katastrophe – und ein Ende ist noch nicht absehbar, obwohl seit der Wahl des neuen US-Präsidenten Donald Trump erste Wege hin zu ersten Friedensgesprächen möglich erscheinen.
«Wir können nicht einfach vergessen und verzeihen, was in den vergangenen drei Jahren passiert ist, es geht um die Ukraine.»
Doch für die Ukrainerin Lyudmyla Zuber sind solche Friedensgespräche, «die auf Kosten der Ukraine stattfinden» und die ein Ergebnis der «Freundschaftsspielereien zwischen USA und Putin» seien, nicht akzeptabel, erklärt sie gegenüber kath.ch. «Wir können nicht einfach vergessen und verzeihen, was in den vergangenen drei Jahren passiert ist, es geht um die Ukraine.»
Angst um die Mutter
Vergessen kann die 43-Jährige auch nicht, wie sie vor drei Jahren die russische Militärinvasion aus der Ferne miterlebte. «Ich kann mich noch genau an den Morgen des 24. Februar mit Angst zurückerinnern, weil meine Mutter, die damals noch in Kiew lebte, sechs Stunden auf der Strasse warten musste, bis sie jemand abgeholt hat.»
Lyudmyla Zuber ist selbst Mutter von zwei kleinen Kindern und hat es sich seit dem 24. Februar 2022 zur Aufgabe gemacht, ihren Landsleuten zu helfen, die inzwischen durch Putins Armee zu Tausenden von Menschen mit Panzern, Bomben und Raketen getötet und vertrieben worden sind.
Seit diesem Datum organisiert sie Hilfstransporte. Nicht alleine, sondern zusammen mit anderen Mitgliedern des Vereins «Ukrainer in Bern». Zuber: «Unser Team organisiert oft Infostände in der Stadt Bern, um die Leute über die aktuelle Situation in der Ukraine zu informieren.» Verschiedene kulturelle Veranstaltungen und Wohltätigkeitskonzerte gehören ebenfalls zu den Aktivitäten des Vereins.
Rund 400 Tonnen Hilfsgüter geliefert
«In den vergangenen drei Jahren haben wir rund 400 Tonnen Hilfsgüter in die Ukraine geliefert, unter anderem in die Hotspots wie Charkiw oder Sumy – in den Osten der Ukraine also, dorthin, wo die meisten Menschen unter der russischen Militäraggression leiden», berichtet sie. Bei den Hilfstransporten, die insbesondere an die Spitäler gehen, handelt es sich vor allem um medizinische Güter. «Es sind aber auch Spielzeuge und Sachen für Kinder dabei».
Lyudmyla Zuber lebt schon fast 20 Jahre in Bern. 2003 war die Pädagogik-Studentin nach ihrem Uni-Abschluss ihren Eltern hierher gefolgt. Ihr Vater arbeitete in Bern von 2001 bis 2006 als ukrainischer Diplomat.
Flüchtlingshilfe inzwischen zum Beruf geworden
Die Diplomatentochter wollte eigentlich als Primarschullehrerin in der Schweiz arbeiten. Doch wurde ihr ukrainischer Abschluss nicht anerkannt. Aber die junge Frau hat sich nicht unterkriegen lassen und belegte an der Wirtschafts- und Kaderschule das Fach Personalwesen. Sie arbeitete danach für eine Autogarage. Inzwischen ist sie nur noch für Hilfstransporte in die Ukraine engagiert: Die Flüchtlingshilfe ist ihr inzwischen zum Beruf geworden.
«Es ist gut zu wissen, und es tut uns Ukrainerinnen und Ukrainern in der Seele gut, dass die Menschen in der Schweiz ihre Solidarität mit dem ukrainischen Volk bekunden. Das gibt uns enorm viel Kraft», versichert Zuber. Vor einem Jahr habe die Spendenbereitschaft für Hilfsgüter in die Ukraine etwas nachgelassen. Doch inzwischen laufe es wieder besser.
Sie selbst hätte nicht geglaubt, dass der Krieg in der Ukraine nun schon so lange dauert. Wobei zahlreiche ukrainische Flüchtlinge inzwischen auch wieder in ihre Heimat zurückgekehrt seien, um vor Ort mitzuhelfen. Ihre eigene Familie ist längst in die Westukraine gezügelt, wo der Krieg nicht so verheerend sei wie im Osten der Ukraine. «Gleichwohl gibt es hier auch immer wieder russische Drohnenangriffe.» Gottseidank sei ihrer Familie noch nichts zugestossen.
«Alle deportierten Kinder zurückbringen»
Aber wie lange wird der Krieg wohl noch weitergehen? Sie persönlich würde sich wünschen, dass es bald zu Friedensverhandlungen kommt, und dass Russland dabei sich sowohl aus den besetzten Gebieten wieder komplett zurückzieht als auch die Krim wieder zurückgibt. «Nicht zuletzt soll Russland alle deportierten ukrainischen Kinder und Gefangenen wieder nach Hause entlassen», so Lyudmyla Zuber.
Wie politisch realistisch dieser Wunsch ist, vermag sie selbst nicht einzuschätzen. «Ich hoffe aber vor allem, dass Europa bei uns bleibt und uns nicht alleine lässt – schliesslich gehört die Ukraine ja zu Europa.»
*Wer für die Hilfe in der Ukraine etwas spenden möchte: Ukrainischer Verein in der Schweiz, Ortsgruppe Bern, 3043 Uettigen, CH46 0900 0000 6139 4791 7, Konto 61-394791-7
Drei Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine haben sich am Montagabend in der Stadt Zürich rund 2000 Personen versammelt, um ihre Unterstützung für die Ukraine zu bekunden. Die Solidaritätsdemo verlief friedlich. Kurz nach 18 Uhr versammelten sich die Demonstrantinnen und Demonstranten auf dem Helvetiaplatz. Sie zogen danach mit Transparenten und Ukraine-Flaggen durch die Stadt bis zur Rathausbrücke, wo eine Abschlusskundgebung mit verschiedenen Reden stattfand. Laut Schätzungen eines Keystone-SDA-Fotografen waren rund 2000 Personen vor Ort. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Verein «Helvetia For Ukraine» – um ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine zu setzen. Auch für «Freiheit und Gerechtigkeit. Und für Licht und gegen die Dunkelheit», wie der Verein in einem Instagram-Post schrieb. Schon seit 1095 Tagen wüte der Krieg. Einfach nur zusehen, wie Leben durch Bomben und Raketen zerstört werde, reiche nicht aus. «Wir müssen handeln», so die Organisatoren. (woz)Rund 2000 Personen bekundeten in Zürich Solidarität mit Ukraine
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