Das Aera-Bürohochhaus in Berlin mit öffentlichem Park auf dem Dach
Theologie konkret

«Laudato Si»-Architektur?! Auf diesem neuen Haus können alle im Park spazieren

Sollte Papst Franziskus es noch einmal nach Berlin schaffen, müsste er sich dieses Gebäude unbedingt anschauen. Es wird ihm gefallen. Quasi im Sinn seiner Schöpfung bewahrenden Enzyklika «Laudato Si» wurde dort das Aera-Haus gebaut, das die Natur in die Stadt bringt – und zwar mit einem öffentlich begehbaren Park auf dem Dach.

Wolfgang Holz

Das neue Aera-Haus des Architektenduos Grüntuch Ernst in Berlin will zeigen, wie der Bürobau der Zukunft aussehen könnte. Denn das Bürohaus «Aera» im Westen Berlins soll Arbeit und Leben, Technologie und Natur vereinen. Der Komplex fügt sich ein in die grüne Umgebung des Quartiers ein und bildet mit seinem terrassenförmigen, begrünten Dach selbst einen Teil des Parks.

Hortitecture

Der Standort von «Aera» ist die Darwinstrasse im Charlottenburger Mierendorff-Kiez. Der Fluss Spree und der Westhafenkanal bilden dort eine künstliche Insel. Bauherr Bauwens und die Architekten Armand Grüntuch und Almut Ernst wollen mit diesem Gebäude einen starken Impuls für die nachhaltige Entwicklung von lebenswerter urbaner Zukunft geben.

Oberirdischer Park auf dem Aera-Gebäude
Oberirdischer Park auf dem Aera-Gebäude

Das langgestreckte Gebäude verfügt über insgesamt acht oberirdische Geschosse – eine neue Form der «Hortitecture». Einer Architektur, die Natur und Hausbau miteinander verschmelzen lässt.

500 Meter langer Wanderweg aufs Gebäude

Denn auf der Westseite führt eine Freitreppe kaskadenartig wie ein fast 500 Meter langer Wanderweg vom Erdgeschoss bis auf das Dach des fünfgeschossigen Gebäudeteils. Die intensiv begrünte Dachfläche steigt in weiteren Stufen an bis zur Südspitze.

Auf dem begrünten Dach schliesslich, das mit bis zu zwölf Meter hohen Bäumen bewachsen ist, wartet nicht nur für die Angestellten, die hier arbeiten, ein 2200 Quadratmeter grosser Park. Es ist eine Art Hochpark, wo auch Kinder gefahrlos herumklettern dürfen, und man sich im Sommer mit Blick über die Stadt treffen und unter Bäumen auf Bänken und Holzplattformen dösen kann.

Kühlung, Wasserspeicher, Sauerstoff

Der legendäre Filmtitel von Wim Wenders «Der Himmel über Berlin» erfährt hier quasi eine rein ökologische Neuauflage. Wobei die Notwendigkeit der Begrünung und urbaner Wasserspeicher angesichts der Hitzesommer und der verheerenden Brände in Kalifornien offensichtlich scheint. Und wer ein Dach begrünt, kühlt nicht nur das Haus darunter auf natürliche Weise, sondern gibt auch der Natur so viel Raum zurück, wie der Bau an Grundfläche verschluckt.

Der Dachgarten der Facebook-Zentrale im kalifornischen Menlo Park von Stararchitekt Frank Gehry
Der Dachgarten der Facebook-Zentrale im kalifornischen Menlo Park von Stararchitekt Frank Gehry

Für Deutschland, wo Lärmvorschriften und Bauregeln im Allgemeinen verhindern, dass auf Flachdächern von Wohnhäusern solche Projekte entstehen, ist dieses Aera-Haus einzigartig.

Facebook-Zentrale mit Dachgarten

In der Nähe von San Francisco beispielsweise hat Star-Architekt Frank Gehry für den Sitz der Facebook-Zentrale bereits einen riesigen Dachgarten entworfen. Der aufwendig bepflanzte Park mit einer Grösse von dreieinhalb Hektaren bietet einen weiten Blick über den Highway 84, das Marschland der Bucht und die Suburbia von Palo Alto.

"Vertikale Grünoasen": Die "Bosco-Verticale"-Zwillingstürme in Mailand
"Vertikale Grünoasen": Die "Bosco-Verticale"-Zwillingstürme in Mailand

Rein Fassaden begrünte Hochhäuser gibt es dagegen schon einige. Mit seiner üppig bepflanzten Fassade wurden die Mailänder Zwillingstürme «Bosco Verticale» weltberühmt, welche der italienische Architekt Stefano Boeri zusammen mit den Architekten Gianandrea Barreca und Giovanni La Varra entwarf.

Mittlerweile entstehen überall auf der Welt grüne Hochhäuser nach seinem Vorbild. Von Bogotá bis Jakarta spriessen vertikale Wälder aus dem Boden, verbessern das Klima – und sehen obendrein spektakulär aus.

CO2-neutraler Garten-Turm in Rotkreuz

Auch in der Schweiz gibt es vertikale «Laudato Si»-Architektur. In Rotkreuz ZG in der Suurstoffi-Hochhaus-Überbauung sticht der 70 Meter hohe Garten-Turm «Aglaya» aus der Skyline heraus. Zwei Mal jährlich kümmert sich ein Gärtner um die Bäume und Sträucher auf den Balkonen. Bewässert werden die Pflanzen automatisch, sobald ein Sensor danach verlangt.

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Das CO2-neutrale Gartenhochhaus ist in seiner Form schweizweit einzigartig. Durch das ausgeklügelte Begrünungskonzept besitzen alle Wohnungen üppig bepflanzte Balkone und Dachterrassen mit Solitärgehölzen, Kletterpflanzen und Stauden, die dem Haus ein saisonal gefärbtes Kleid verleihen.

Das Gartenhochhaus Aglaya in der Suurstoffi-Überbauung in Rotkreuz ZG
Das Gartenhochhaus Aglaya in der Suurstoffi-Überbauung in Rotkreuz ZG

Es wurden bewusst Gewächse gewählt, die je nach Jahreszeit für Abwechslung sorgen. Während also im Sommer ein dichtes Blätterkleid die Wohnungen verschattet, lassen die nackten Zweige im Winter viel Licht ins Innere.

Laudato si’

Laudato si’ steht für «Gelobt seist du» und ist die zweite Enzyklika von Papst Franziskus. Die auf den 24. Mai 2015 datierte und am 18. Juni 2015 in acht Sprachen veröffentlichte Verlautbarung «Über die Sorge für das gemeinsame Haus» befasst sich schwerpunktmässig mit dem Themenbereich Umwelt- und Klimaschutz und setzt zudem Zeichen im Hinblick auf bestehende soziale Ungerechtigkeiten und auf die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen.

Papst Franziskus ruft in seiner Enzyklika «Laudato si» die Welt zur Umkehr auf, um globale Umweltzerstörung und Klimawandel zu stoppen. Einige «Höchstgrenzen der Ausbeutung des Planeten» seien bereits überschritten, warnt der Papst. Eine Minderheit konsumiere gegenwärtig «in einem Verhältnis, das unmöglich verallgemeinert werden könnte», kritisiert er. Die rücksichtslose Ausbeutung natürlicher Rohstoffe auf Kosten ärmerer Länder, sei eine «ökologische Schuld» der Industrienationen. (woz)

 


Das Aera-Bürohochhaus in Berlin mit öffentlichem Park auf dem Dach | © Grüntuch Ernst Architekten
25. Januar 2025 | 15:00
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