Frauenfrage plötzlich im Zentrum der Weltsynode
Das ging ganz schön nach hinten los: Der Vatikan wollte die Frage der Frauenweihe von der Weltsynode fernhalten. Doch nun steht die Frauenfrage plötzlich im Zentrum der Diskussionen. Mit welchem Erfolg?
Christian Maurer mit kna/cic
Wird das päpstliche Reformprojekt Weltsynode seinem Anspruch doch noch gerecht? Nach einem total verunglückten Austausch zur Frauenfrage am Freitag brachten am Samstag ausschliesslich weibliche Synodale ihre Anliegen direkt beim Papst vor. Ist das ein Zeichen dafür, dass die Diskussionen um die Rolle der Frau in der katholischen Kirche doch noch ernst genommen wird?
Bis am Freitag hatte alles in eine andere Richtung gedeutet. Kardinal Victor Fernandez, als Leiter der vatikanischen Glaubensbehörde zuständig für die ad hoc während der Synode ausgelagerte Frauenfrage, glänzte bei einem Treffen mit der betreffenden Arbeitsgruppe mit Abwesenheit. Und es war offenbar wie im Mittelalter: Diskurs von oben herab.
Der Kardinal liess zwei Mitarbeiter verkünden, dass keine Diskussion erwünscht sei, die Synodalen aber gerne Eingaben machen könnten. So weit so unverbindlich. Synodale, die dabei waren, sind schockiert: Für sie war das ein «skandalöses Verhalten» und eine «schlimme Enttäuschung».
Denn es geht auch anders: Aus den Begegnungen anderer Studiengruppen mit den Synodalen, die zeitgleich stattfanden, wurde berichtet, dass die Experten dort ausführlich berichtet und sich vielen Fragen offen gestellt hätten. Die Begegnungen waren vor zwei Wochen von der Synodenleitung eingeräumt worden, nachdem zahlreiche Teilnehmer eine Möglichkeit zum Austausch über strittige Themen gefordert hatten.
Ein «Missverständnis»?
Nun soll am kommenden Donnerstag ein weiteres Treffen der mit der Frauenfrage befassten Studiengruppe stattfinden. Diesmal mit Fernandez. Der redet sich derweil noch heraus. Nicht aus Unwillen sei er am Freitag abwesend gewesen, sondern «weil ich objektiv nicht inder Lage war, am vorgesehenen Tag zur vorgesehenen Zeit teilzunehmen». Was immer das auch heissen mag. Wertschätzung zeigt sich auch darin, dass man Prioritäten seitzt und sich die Zeit nimmt für das, was einem wichtig scheint.
Das hat inzwischen Kardinal Fernandez’ Chef persönlich gezeigt: Die weiblichen Synodalen konnten ihre Anliegen direkt bei Papst Franziskus vorbringen. Der 87-jährige Pontifex empfing sie am Samstag in einer eigenen ausserplanmässigen Audienz.
Vielleicht tut sich da noch was und es gibt Fortschritte in der Diskussion der Frauenfrage? Am Montag beginnen bereits die Arbeiten am Schlussdokument der Weltsynode. Ob und allenfalls wie die Frauenfrage darin doch thematisiert sein könnte, ist derzeit völlig ungewiss. Der Druck der Frauen steigt allerdings spürbar. Und wenn sie sich die richtigen Verbündeten suchen, könnten sie sich möglicherweise mehr Gehör verschaffen.
Gerade Würdenträger aus Lateinamerika, Afrika und Asien haben sich jüngst als Fürsprecher der Frauen gezeigt. Sie müssen nun zeigen, wie weit sie zu gehen bereit sind, wenn es um das Frauendiakonat oder die Frauenweihe geht.
An der Synode sind rund ein Achtel der Teilnehmenden weiblich. Über drei Viertel, nämlich mehr als 270 von den etwa 360 Synodalen, sind Bischöfe. (kna/cic/chm)
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