Weltsynode: Afrikaner bedrängen den Papst
Die zweite Phase der Weltsynode hat begonnen. Unverkennbar ist, dass die afrikanische Delegation immer stärker ihre Ziele verfolgt. Kardinal Ambongo, Erzbischof von Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo, und die afrikanischen Bischöfe sind entschlossen, die Stimme des Kontinents durchzusetzen.
Max Savi Carmel
«Nur durch Einheit wird unsere Stimme gehört», sagte Kardinal Fridolin Ambongo im April in Nairobi. Er hatte Papst Franziskus 2023 mit seiner Kritik an Fiducia supplicans zur Rücknahme einiger Positionen gezwungen.
In der kenianischen Hauptstadt hat der Kardinal und Erzbischof von Kinshasa weiter an seiner Position gearbeitet, wohl wissen um die unterschiedlichen Meinungen der Kirchenführer in vielen Fragen. Mit der Popularität, die er durch seine kategorische Ablehnung der Segnung homosexueller Paare erlangt hat, will er «die Stimme des Kontinents verstärken».
Seinem Umfeld zufolge wird der Kardinal «den Willen des Papstes respektieren, die Synode auf die Synodalität zu konzentrieren». Er werde aber über verschiedene informelle Kanäle, darunter Lobbying, Interventionen und andere Treffen, die Themen ansprechen, die für Afrika von Interesse sind: die Entschlossenheit gegen Homosexualität, die Frage der Polygamie oder auch die Ablehnung des Frauendiakonats. Um dies zu erreichen, hat der sehr methodische Kapuziner eine Vielzahl von Vorbereitungssitzungen abgehalten.
Minutiöse Vorbereitung
Als Fridolin Ambongo Anfang Oktober in Rom ankam, war er mehr als optimistisch. «Wir werden uns unmissverständlich Gehör verschaffen», meinte er. Und dafür hat der ehemalige Professor der Katholischen Universität von Kinshasa seine Methode.
14 Wochen lang fanden zwischen dem 6. Juni und dem 6. September wöchentliche Treffen von Theologen, Experten und afrikanischen Prälaten statt, bei denen es um die «Zukunft der Kirche in Afrika» ging. Mehreren übereinstimmenden Quellen zufolge wurde eine Austauscharbeit geleistet, um die Teilnehmer aus anderen Kontinenten darauf vorzubereiten, «den Anliegen Afrikas Aufmerksamkeit zu schenken».
«Pluspunkt für Afrika»
Die Tatsache, dass der Heilige Vater die gleichen Teilnehmer wie 2023 einberufen hat, «ist ein Pluspunkt für Afrika», so der Erzbischof von Kinshasa. «Sie kennen die Abläufe und haben eine gewisse Erfahrung», freut er sich. Denn über die Synodalität hinaus möchte der Kardinal auch andere Themen ansprechen und «Afrika in den Debatten Gewicht verleihen».
Neben den 67 afrikanischen Teilnehmern wird Ambongo auf sein komfortables Netzwerk in Rom zählen können, aber vor allem auf die anderen afrikanischen Prälaten, die «seine Opposition gegen die Segnung homosexueller Paare» begrüsst haben.
Andrew Nkea Fuanya, Vorsitzender der kamerunischen Bischofskonferenz, sagte, dass «niemand für uns sprechen wird, wenn wir schweigen». Der Erzbischof von Bamenda warnte bereits: «Wir kehren zur zweiten Sitzung der Synode mit der gleichen vehementen Ablehnung von Fiducia supplicans zurück.»
Afrika radikalisiert sich
Bischof Nkea Fuanya lächelt immer, wenn er Anfang September mit Gläubigen in seiner Kathedrale Saint-Joseph-de-Bamenda im Nordwesten Kameruns diskutiert. Doch dieser kompromisslose Prälat ist bereits zu sehr mit der Synode beschäftigt. Bereits am 23. August forderte er bei einem Vorbereitungstreffen die afrikanische Kirche auf, «nein sagen zu können». Seit «Fiducia supplicans» radikalisiert sich diese Kirche in aktuellen Fragen.
Und der Anführer dieser Tendenz ist der Erzbischof von Bamenda. Er ist ein enger Vertrauter von Kardinal Ambongo und warnt: «Wenn die Kirche den Anhängern von Abweichungen entgegenkommt, ist sie verloren.»
Bischof Nkea Fuanya kritisiert die Segnung homosexueller Paare, die Frauenordination und die Wiederverheiratung Geschiedener. Als Teilnehmer der Synode beeindruckt seine Entschlossenheit seine Kollegen. «Die Kirche hat keine Verpflichtung, sich an die Modernisierung anzupassen», da sie seiner Meinung nach seit 2000 Jahren eine unveränderliche Botschaft verkündet.
Wie der Prälat aus Kamerun befürchtet auch die grosse Mehrheit der afrikanischen Synodendelegierten, dass «die Entscheidungen des Papstes aufgrund ihrer Leichtfertigkeit die Lehre schwächen könnten». Sie kommen nach Rom, um ihre Entschlossenheit herauszuschreien.
Papst Franziskus achtet auf Afrika
Seit April lässt sich der Pontifex sowohl von den Nuntiaturen als auch von den wenigen Prälaten, die ihm in aktuellen Fragen gewogen sind, Notizen zu den verschiedenen Positionen der afrikanischen Episkopate machen. «Er ist sehr afro-vorsichtig», stellt ein im Vatikan stationierter beninischer Priester fest. «Er hat Angst vor einem allgemeinen Misstrauen des Kontinents ihm gegenüber und sollte bei der Synode auf Afrika achten.»
Dafür wird Franziskus die Bischöfe, die er treffen wird, beruhigen, und er will definitiv, das Kapitel von Fiducia supplicans schliessen, ohne jedoch sich öffentlich zu distanzieren. Der Papst kann auf Stephen Brislin, einen engen Vertrauten, den er letztes Jahr zum Kardinal befördert hat, zählen, um den Dialog mit dem südlichen Teil des Kontinents aufrechtzuerhalten.
Auch wenn der unerschrockene Erzbischof Dabula Mpako, wie die Mehrheit der südafrikanischen Bischöfe, nicht nachlassen will. Für den Erzbischof von Pretoria, der an der Synode teilnimmt, «muss die Kirche an ihren Wurzeln festhalten», wie er cath.ch wenige Tage vor der Eröffnung der Synode sagte. Der Papst werde darauf achten müssen, dass er die Spannungen, insbesondere gegenüber der afrikanischen Delegation, nicht wieder aufflammen lässt.
Herausforderung der Hoffnung
Hoffnung ist das Anliegen der Delegierten des Kontinents, die einen Kommentar in 20 Kapiteln zum Synthesebericht der ersten Phase veröffentlichten und gleichzeitig ihre Bedenken für diese neue Versammlung zum Ausdruck brachten.
Das Dokument trägt seinen Titel «In der Hoffnung gehen» zu Recht und sollte laut Kardinal Ambongo «die Hoffnung entfesseln». Für Schwester Katungé Léonida, die das Dokument mit herausgegeben hat, «soll dieser Kommentar zu breiteren und lokalisierten Diskussionen in Afrika anregen» Sie ruft dazu auf, «sich in eine theologische und pastorale Unterscheidung über Polygamie zu begeben». Ein Thema, das den Kontinent über die Debatten der Synode hinaus beschäftigt.
Debatte muss fortgesetzt werden
Für die grosse Mehrheit der Teilnehmer aus Afrika sind die Probleme des Kontinents unterschiedlich und können nicht alle in Rom angesprochen werden. Nach der Rückkehr nach Afrika müsse die Debatte fortgesetzt werden, «eine Debatte, die auf die Besonderheiten jeder Region fokussiert ist». Diese Ansicht wurde von Bischof Andrew Nkea Fuanya weitgehend geteilt.
Der kamerunische Prälat warnt jedoch vor einer «Kirche Afrikas», denn «Afrika wird seine Stimme im Herzen der Weltkirche hören». Trotz aller Differenzen sind sich die afrikanischen Episkopate in einem Punkt einig: «Die Verbindung zu Rom muss unbedingt aufrechterhalten werden.» (cath.ch/msc/bh/woz)
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