Papst Franziskus besucht das Grab von König Baudouin, in der königlichen Krypta unterhalb der Liebfrauenkirche zu Laeken, am 28. September 2024 in Brüssel (Belgien).
Vatikan

«Auftragsmörder»: Papst löst diplomatische Krise aus

Nach den undiplomatischen Worten von Papst Franziskus in Belgien hat die Regierung in Brüssel heftig protestiert. Der Papst hatte die Abtreibungsgesetze des Landes ungewohnt scharf verurteilt.

Die Kritik von Papst Franziskus an den Abtreibungsregeln in Belgien sind zwar nicht neu. Bei seinem Besuch im Land aber hat er sie in bisher nicht gekannter Schärfe geäussert. Dies hat offenbar eine diplomatische Krise zwischen Belgien und dem Vatikan ausgelöst.

Belgiens Ministerpräsident Alexander De Croo nannte die Aussagen des Papstes «inakzeptabel» und zitierte Vatikan-Botschafter Franco Coppola zu sich, wie die Zeitung «La Repubblica» am Freitag berichtet. Der Papst hatte im Rahmen seiner Belgien-Reise in der vergangenen Woche Abtreibung als «Mord» und beteiligte Ärzte als «Auftragsmörder» bezeichnet.

«Ich fordere Respekt für die Frauen, die in der Lage sein müssen, frei über ihren Körper zu entscheiden, ohne sich von der Kirche einmischen zu lassen», sagte De Croo danach bei einer Plenarsitzung des Parlaments. Beim Papst-Besuch hatte De Croo seinerseits den sexuellen Missbrauch durch belgische Kleriker undiplomatisch scharf angeprangert.

Auch der König war Abtreibungsgegner

Am Samstag hatte Franziskus das Grab von König Baudouin (1930-1993) besucht und dessen Mut gelobt, sich gegen ein «mörderisches» Gesetz zu stellen. Baudouin hatte 1990 für 36 Stunden abgedankt, weil er ein Gesetz zur Liberalisierung der Abtreibung aus Gewissensgründen nicht unterzeichnen wollte.

Franziskus forderte die Belgier laut Mitteilung des Vatikans auf, sich auch in der jetzigen Zeit, in der weitere «kriminelle Gesetze» auf den Weg gebracht worden seien, an Baudouin zu orientieren. Weiter sprach er sich für die Seligsprechung des katholischen Königs aus.

Auf dem Rückflug am Sonntag nach Rom bezeichnete Franziskus Schwangerschaftsabbrüche erneut als Mord und nannte Ärzte, die sie durchführen, «Auftragsmörder». Diese Wortwahl hatte der Papst bereits häufiger gebraucht, doch löste sie offenbar eine neue Debatte im belgischen Abgeordnetenhaus aus. (kna)


Papst Franziskus besucht das Grab von König Baudouin, in der königlichen Krypta unterhalb der Liebfrauenkirche zu Laeken, am 28. September 2024 in Brüssel (Belgien). | © KNA
4. Oktober 2024 | 15:00
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