Meinrad Furrer vor der Peterskapelle in Luzern
Schweiz

«Digitale Queerbibel wird noch mehr Leserinnen und Leser ansprechen»

Bis zum morgigen Sonntag dauert noch die Churchpride «Hate out, love in» in der Luzerner Peterskapelle. Interessanteste Neuerung ist, dass es nun eine digitale Queerbibel gibt. Die alte wurde bekanntlich gestohlen – und nicht wiedergefunden, wie Meinrad Furrer von der Peterskapelle berichtet.

Wolfgang Holz

Herr Furrer, die physische Queerbibel ist ja gestohlen worden. Ist sie wieder gefunden worden, oder wissen Sie etwas über Ihren Verbleib oder über den Dieb?

Meinrad Furrer*: Die Queerbibel wurde nicht wieder gefunden. Wir haben keine Ahnung, wer sie entwendet hat und wo sie sich befindet. Ich fürchte, sie wurde zerstört. Wir haben aber wieder eine hergestellt.

Die Queerbibel wurde gestohlen und nun wiederhergestellt
Die Queerbibel wurde gestohlen und nun wiederhergestellt

«Die Bibel funktioniert ja so, dass auf transparenten Blättern gedruckt queer Nacherzählungen über die Texte der Bibel gelegt werden.»

Wie haben Sie das geschafft?

Furrer: Wir hatten noch einen gedruckten Umschlag, kauften eine Zürcher Bibel und liessen sie bilden. Die Bibel funktioniert ja so, dass auf transparenten Blättern gedruckt queer Nacherzählungen über die Texte der Bibel gelegt werden. So wird deutlich, wir schreiben keine neue Bibel, sondern holen einfach queere Aspekte aus den Texten. Wir haben die Bibel bei der Neugestaltung mit einigen neuen Interpretationen ergänzt.

Jetzt gibt es auch eine digitale Queerbibel. Wie findet man sie online?

Furrer: Die queere online Bibel ist eine Projektseite. Sie soll weiterwachsen. Man findet sie auf gleichwuerdig.ch/projekte/queerbibel/ Einen Link dazu gibt es auch auf der Homepage von peterskapelle.ch

Luzern mit der Kapellbrücke und der Peterskapelle
Luzern mit der Kapellbrücke und der Peterskapelle

Kann man auch richtig blättern, in der digitalen Queerbibel?

Furrer: Nein, darin blättern kann man nicht. Die Homepage ist so aufgebaut: Es werden die Bibelstellen angegeben, die zu einer Nacherzählung angeregt haben. Dieser Hinweis ist mit der Zürcher Bibel verlinkt. Daneben findet sich dann ein Link für den Text der Queerbibel. Dazu gibt es auch einen Zuspruch, der die Aussage des Textes auf den Punkt bringt. Zum Beispiel: «Du wirst ein Vorbild sein, indem du Entwicklung und Veränderung zulässt.»

«Inzwischen sind es sicher ein paar hundert Menschen, die in der Peterskapelle sitzen und die Queerbibel lesen.»

Gibt es eigentlich Hinweise darauf, wie viele Menschen schon in der Queerbibel in der Peterskapelle gelesen haben?

Furrer: Ich kann nur sagen, dass in den letzten Tagen, seit sie wieder aufliegt, sehr oft Menschen dort sitzen und sie lesen. Inzwischen sind es sicher ein paar Hundert, aber eine genaue Zahl kann ich nicht angeben. Jetzt wird sie sicher durch die digitale Version noch mehr Leserinnen und Leser finden.

Das Glücksrad in der Luzerner Peterskapelle
Das Glücksrad in der Luzerner Peterskapelle

Was ist das Besondere an der Pride am Wochenende?

Furrer: Es gibt ein paar Spezialitäten. Die Kirchen sind am Festival und bei der Demo dabei. Der Vorstand der Pride hat sich entschieden, dass die Kirchen die Night-Demo um 20 Uhr anführen. Das ist doch beachtlich. Zudem haben wir für die Pride mit den Inhalten der Queerbibel ein Glücksrad geschaffen.

Ein Glücksrad? Wie funktioniert das?

Furrer: Wer es bedient, kommt auf eine Zahl von 1 bis14 und findet ein kleines Säckchen mit dieser Zahl. Im Säckchen ist ein feines regenbogenfarbenes Guezli und ein Zettel mit einer der 14 Zusagen, dazu der QR-Code der zum entsprechenden Text der Queerbibel führt. Das Glücksrad steht natürlich am Stand der Kirchen auf dem Festivalgelände und wird am Sonntag auch die drei Zusagen bestimmen, zu denen die drei Liturginnen und Liturgen eine kurze persönliche Predigt halten werden.

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*Meinrad Furrer ist Leiter des Teams Peterskapelle in Luzern. Die Churchpride «Hate out, love in» geht noch bis morgen, 1. September. Mehr Infos findet man unter Pride (kathluzern.ch)


Meinrad Furrer vor der Peterskapelle in Luzern | © Regula Pfeifer
31. August 2024 | 09:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
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