Kein Geld für Missbrauchsstudie: Deutschschweizer Frauenklöster treten aus Dachverband Kovos aus
Die Frauenklöster der Deutschschweiz lösen sich vom gesamtschweizerischen Dachverband, dem Männer- und Frauengemeinschaften angehören. Die in der Welt aktiven Frauenklöster haben diesen Schritt bereits gemacht, die kontemplativen werden folgen. Auslöser ist die Frage der Kostenbeteiligung an der Hauptstudie zum Missbrauch in der katholischen Kirche.
Barbara Ludwig
In der Konferenz der Ordensgemeinschaften und anderer Gemeinschaften des gottgeweihten Lebens in der Schweiz (Kovos) sind sowohl Männer- als auch Frauenorden vertreten. Kovos wurde 1993 gegründet und ist seit 2019 als Verein organisiert. Nun muss der Dachverband den Austritt von zwei Vereinigungen von Frauengemeinschaften hinnehmen, wie Recherchen des «Tages-Anzeiger» zeigen.
Aktive Klöster Anfang 2024 ausgetreten
Anfang 2024 sind die in der Gesellschaft aktiven Frauenklöster der Deutschschweiz und Liechtensteins aus dem Dachverband ausgetreten. Schwester Annemarie Müller ist Präsidentin der Vereinigung der Ordensoberinnen der deutschsprachigen Schweiz und Liechtenstein (Vonos) und bestätigt dies gegenüber kath.ch. In Zahlen bedeutet dies: 14 Gemeinschaften mit knapp 1000 Schwestern treten aus dem Schweizer Dachverband aus.
Grund sind unter anderem Unstimmigkeiten, die im Zusammenhang mit der Finanzierung der Hauptstudie zum Missbrauch in der katholischen Kirche der Schweiz stehen. An diesen Kosten beteiligen sich die Schweizer Bischofskonferenz, die Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) und die Kovos. Hier aber will die Vonos nicht mitmachen.
«Ordensfrauen vielmehr Opfer als Täterinnen»
Sie lehne eine Mitfinanzierung dieser Studie ab, «weil sie nicht bereit ist, für etwas zu bezahlen, bei welchem die Ordensfrauen vielmehr Opfer als Täterinnen waren», begründet die Vonos ihren Schritt im Kündigungsschreiben an den Dachverband.
Schwester Annemarie Müller ist auch Generalpriorin des Klosters Ilanz im Kanton Graubünden. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» anerkannte sie, dass Menschen in der katholischen Kirche durch sexuellen Missbrauch viel Leid erfahren haben. Man bedauere das. Man wisse zudem, dass es auch in den Frauengemeinschaften überforderte Schwestern gab, die Übergriffe begingen. «Wir haben sicher einen Anteil an diesem Problem, aber er ist im Vergleich zu den Männern viel kleiner», so die Generalpriorin.
Kosten für Studie nicht absehbar
In der Begründung zuhanden des Dachverbandes heisst es auch, die Kosten für die Studie, die auf die bereits publizierte Pilotstudie folgen wird, seien nicht absehbar. «Ausserdem fallen für die Kovos durch die Nachfolgestudien des Pilotprojektes grössere administrative Kosten an.»
Trotzdem hat sich die Vonos dieses Jahr entschieden, auf freiwilliger Basis einen einmaligen Solidaritätsbeitrag zugunsten der Studie zu leisten, weil man um den kleinen Anteil der Frauen am Missbrauchsproblem wisse. Dies sagt Schwester Annemarie Müller gegenüber kath.ch.
Überrumpelt gefühlt
Nebst den Kosten spielen auch die knappen personellen Ressourcen der Frauengemeinschaften eine Rolle. Durch das Älter- und Weniger-Werden der Ordensfrauen werde es je länger je schwieriger, geeignete Ordensfrauen für zusätzliche Aufgaben zu finden, heisst es in der Begründung der Vereinigung der Ordensoberinnen der deutschsprachigen Schweiz und Liechtenstein. Die Vonos habe zurzeit keine Vertretung im Vorstand der Kovos, auch in Zukunft werde es kaum möglich sein, eine Vertretung zur Verfügung zu stellen.
Dies wäre aber wohl wichtig, um bei wichtigen Geschäften rechtzeitig mitreden zu können. Gegenüber kath.ch sagt die Vonos-Präsidentin, dass die Finanzierung durch die Vereinigung der Ordensmänner vorbereitet und im März 2023 an der Kovos-Generalversammlung unterbreitet wurde. «Aus moralischen Gründen war dieser Antrag kaum ablehnbar.» Durch die Art und Weise, wie das Traktandum vorbereitet und an der GV vorgebracht worden sei, habe sich die Vonos jedoch überrumpelt gefühlt, erklärt Schwester Annemarie Müller.
Kontemplative Frauenklöster treten Ende Juni aus
Auch die kontemplativen Frauenklöster werden aus der Kovos austreten, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Informierte Kreise bestätigen dies gegenüber kath.ch. Der Schritt erfolgt Ende Juni. Die Vereinigung der Oberinnen kontemplativer Orden der deutschsprachigen Schweiz (Vokos) umfasst gemäss ihrer Webseite 27 Gemeinschaften.
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