Von der fremden Fron, als Katholik an Fronleichnam arbeiten zu müssen
Fronleichnam ist ein katholischer Feiertag, der viel Sinnlichkeit ausstrahlt: mit Blumenteppichen und Monstranzen. Doch Fronleichnam ist nicht in allen Schweizer Kantonen ein gesetzlicher Feiertag. Generell gibt es grosse Unterschiede in der Schweiz, an welchen katholischen Feiertag man frei hat.
Wolfgang Holz
Kennen Sie auch dieses Gefühl, sich gerade im falschen Film zu wähnen? Man steht morgens um sieben Uhr auf und schaut nach draussen. Die ganze Stadt schläft friedlich. Kaum Autos sind unterwegs. Warum bloss muss man heute an Fronleichnam zum Arbeiten nach Zürich fahren?
In vielen katholischen Kantonen ein Feiertag
Klar, Fronleichnam ist ein gesetzlicher Feiertag im Kanton Zug. Und auch in den überwiegend katholisch bevölkerten Kantonen Appenzell Innerrhoden, Jura, Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schwyz, Tessin, Uri, Wallis und Zug sowie in bestimmten Gemeinden der Kantone Aargau, Freiburg, Graubünden, Neuenburg und Solothurn.
In Zürich dagegen, dahin, wo viele Pendler zur Arbeit pilgern, aber auch in den Grossstädten Bern, Genf und Basel ist Fronleichnam eben kein gesetzlicher Feiertag.
Katholisch heisst, viel frei zu haben
Je nach Kanton gibt es bis zu 17 Feiertage, viele davon haben einen religiösen Hintergrund. Je nach Kanton gibt es eine katholische oder eine protestantische Mehrheit, was grossen Einfluss auf die gesetzlichen Feiertage hat. Besonders in katholischen Kantonen gibt es viele gesetzliche Feiertage.
Im Kanton Luzern sind es in diesem Jahr beispielsweise 15 gesetzliche Feiertage, ebenso im Kanton Schwyz, im Kanton Uri, im Kanton Fribourg und im Kanton Obwalden. Im Kanton Solothurn sind es 14 Tage ebenso wie Kanton Nidwalden. Im Kanton Jura sind 13 Tage, im Kanton Zug 12 Tage. Gott sei Dank – haben Katholiken viel frei.
Genf hat nur neun gesetzliche Feiertage
In den reformierten Kantonen liegt die Zahl der gesetzlichen Feiertage niedriger: In Zürich (Kanton und Stadt) sind es 11 Feiertage. Im Kanton Graubünden sind es ebenso viele. In Basel-Stadt und Basel-Landschaft sowie in Bern sind es beispielsweise nur 10. Im Kanton Genf sogar nur neun – wobei dort in demokratisch-hehrem Bewusstsein der Tag der Wiederherstellung der Republik (31. Dezember) begangen wird.
Interessant ist, dass der Unterschied zwischen dem katholischen Appenzell-Innerrhoden und dem reformierten Appenzell-Ausserrhoden in Sachen gesetzlichen Feiertagen gar nicht so krass ausfällt. Das katholische Innerrhoden verfügt mit 12 gesetzlichen Feiertagen über nur zwei freie Tage mehr als Ausserrhoden. Natürlich gehört Fronleichnam dazu.
Viele Heiligengedenktage
Grundsätzlich können nach Artikel 20a des Arbeitsgesetzes die Kantone rein rechtlich höchstens acht Feiertage im Jahr den Sonntagen gleichstellen. Nebst diesen kantonalen Feiertagen ist der Bundesfeiertag in der gesamten Schweiz dem Sonntag gleichgestellt. Insgesamt gibt es deshalb arbeitsgesetzlich neun Feiertage, die einem Sonntag gleichgestellt sind.
Ruhetage sind demgegenüber in der Schweiz Feiertage, die nicht auf Grundlage des Bundesarbeitsgesetzes «den Sonntagen gleichgestellt» ist, sondern ausschliesslich aufgrund kantonaler Festlegungen arbeitsfrei sind.
Verantwortlich für die zahlreichen gesetzlichen Feiertage in katholischen Kantonen sind insbesondere die Heiligengedenktage, die dort begangen werden. Wie etwa für den Heiligen Josef, dessen Namenstag am 19. März gefeiert wird. Der Stefani-Tag ist am 26. Dezember. Selbstverständlich gehören in diese Kategorie auch die beiden Marienfeiertage: Mariä Empfängnis (8. Dezember) und Mariä Himmelfahrt (15. August).
Sankt Niklaus von Flüe
Einen speziellen Heiligen würdigt man zusätzlich im Kanton Obwalden, wo am 25. September dem Heiligen Niklaus von Flüe gedacht wird. Kein Wunder: Nicht nur die Ranft-Kapelle, dort wo Niklaus von Flüe von 1417 bis 1487 lebte, liegt im Kanton Obwalden. Der Obwaldner Schutzpatron gilt auch als Schutzpatron der Schweiz und wurde 1947 heiliggesprochen. Eigentlich müsste man seinen Gedenktag in allen katholischen Kantonen der Schweiz feiern.
In Luzern ist es der Heilige Leodegar, der jährlich am 2. Oktober gefeiert wird. Der Feiertag entstand erst Jahre nach der grausamen Ermordung des Heiligen Leodegar. Während in der Stadt Luzern alle Geschäfte geschlossen haben, wird der Feiertag in der Hofkirche St. Leodegar jedes Jahr gefeiert.
Und dann ist da natürlich Einsiedeln. Der Schwyzer Wallfahrtsort, der grösste der Schweiz und einer der bedeutendsten Pilgerorte Europas, kann mit nicht nur mit den 15 gesetzlichen Feiertagen des katholischen Kantons Schwyz aufwarten – zu denen übrigens auch das Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar zählt. Einsiedeln feiert kurz danach auch den Heiligen Meinrad (21. Januar), den Gründer des Klosters.
Einsiedler Engelweihe
Und nicht nur das. Am 14. September wird in Einsiedeln noch feierlich die Engelweihe zelebriert. Die Engelweihe ist das Weihefest der Einsiedler Gnadenkapelle. In ihr befindet sich die berühmte Schwarze Madonna von Einsiedeln. Seit dem 12. Jahrhundert ist sie eine Marienkapelle.
Gemäss einer mittelalterlichen Legende hat Jesus Christus in der Nacht vom 13. auf den 14. September im Jahr 948 persönlich die Kapelle zusammen mit vielen Engeln und Heiligen zu Ehren seiner Mutter Maria geweiht. Im Mittelalter wurde die Engelweihe zum wichtigsten Wallfahrtsfest. Und da ist noch Heiligabend, also Christi Geburt (24. Dezember), der in Einsiedeln Feiertag ist. Macht unterm Strich sage und schreibe 18 öffentliche Ruhetage in diesem Jahr!
Ohne das Kloster – kein Einsiedeln
Diese grosse Zahl an Feier- und Ruhetagen wirkt durchaus legitim, weil Einsiedeln als Dorf alles dem Kloster zu verdanken hat. Sprich: Ohne das Kloster Einsiedeln gäbe es das Dorf Einsiedeln nicht. Und ohne die vielen Pilgernden, die über Jahrhunderte hinweg zum Kloster und zur Schwarzen Madonna pilgerten, gäbe es nicht solche gewachsenen Strukturen wie in der Gastronomie etwa. Deshalb erstaunt es auch nicht, dass auch jene zwei Raben das Wappen von Einsiedeln zieren – die gemäss der Legende die Mörder des Heiligen Meinrad in Zürich überführten.
Tag der Arbeit in Zürich
Wobei wir endgültig in Zürich, der Arbeits- und Wirtschaftsmetropole der Schweiz, angekommen sind. Die Zwingli-Stadt muss dabei nicht neidisch auf die vielen gesetzlichen Feiertage in den katholischen Kantonen schielen.
Denn zum einen gibt es in Zürich, in Stadt und Kanton, den Tag der Arbeit am 1. Mai – der in den katholischen Kantonen nicht gefeiert wird – und auf diese Weise Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, auch die katholischen, mit einem freien Tag belohnt.
Zum anderen gibt es ja noch die Ruhetage des Knabenschiessens und des Sechseläutens – auch wenn der arbeitenden Bevölkerung an diesen Tagen nur jeweils ein freier Nachmittag gewährt wird.
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