Stefan Loppacher
Schweiz

«Das ist ein herber Verlust»: Stefan Loppacher verlässt die Präventionsstelle des Bistums Chur

Das ist ein Paukenschlag: Stefan Loppacher, Präventionsbeauftrager für das Bistum Chur, ist zurückgetreten von seiner Stelle. Hintergrund für seine Kündigung sind unter anderem Differenzen über die Unabhängigkeit der Präventionsstelle. Künftig übernimmt er die Leitung der neuen nationalen Dienststelle «Missbrauch im kirchlichen Kontext».

Wolfgang Holz

Seit 2019 ist Stefan Loppacher Präventionsbeauftragter für das Bistum Chur, wie das Bistum und die Katholische Kirche im Kanton Zürich in einer gemeinsamen Medienmitteilung am Mittwoch mitteilen. Er habe diese Stelle aufgebaut und somit die Präventionsarbeit im Bistum sowie in den sieben Kantonalkirchen des Bistums entscheidend mitgeprägt.

Gestern Rücktritt auf Ende August erklärt

Am Dienstag, 28. Mai, habe Loppacher die Anstellungsbehörde, die katholische Körperschaft im Kanton Zürich, sowie den Bischof über seine Kündigung auf Ende August informiert. Tags zuvor, am Montag, trat er noch bei der Präsentation der bisherigen Erkenntnisse und Massnahmen von SBK, RKZ und KOVOS auf.

(v.l.n.r.) Roland Loos (Präsident RKZ), Bischof Bonnemain, Abt Peter von Sury und Stefan Loppacher (AG Missbrauch im kirchlichen Kontext)
(v.l.n.r.) Roland Loos (Präsident RKZ), Bischof Bonnemain, Abt Peter von Sury und Stefan Loppacher (AG Missbrauch im kirchlichen Kontext)

«Stefan Loppacher wird sich künftig ganz auf die verschiedenen geplanten und sich im Aufbau befindenden Interventionsmassnahmen und -projekte der katholischen Kirche in der Schweiz konzentrieren. Dafür übernimmt er die Leitung der neuen nationalen Dienststelle «Missbrauch im kirchlichen Kontext», heisst es in der Medienmitteilung weiter.

Neue Dienststelle

Diese neue Dienststelle werde im gemeinsamen Auftrag der Römisch-katholischen Zentralkonferenz (RKZ – Vereinigung der Kantonalkirchen), der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) sowie der Vereinigung der Ordensgemeinschaften (KOVOS) tätig werden.

Ein zweiter Grund für die Kündigung als Präventionsbeauftragter des Bistums Chur seien «unterschiedliche Auffassungen über die Ausgestaltung der diözesanen Präventionsstelle», heisst es in dem Communiqué weiter.

Simon Spengler, Kommunikationsverantwortlicher der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
Simon Spengler, Kommunikationsverantwortlicher der Katholischen Kirche im Kanton Zürich

Wobei Simon Spengler, Leiter Kommunikationsstelle Katholische Kirche im Kanton Zürich, gegenüber kath.ch nicht verhehlt, dass es sich bei diesen «unterschiedlichen Auffassungen» um den Konflikt zwischen Stefan Loppacher und Bischof Joseph Maria Bonnemain über die Stellung der Präventionsstelle gehandelt habe. «Loppacher kämpfte immer für mehr Unabhängigkeit der Präventionsstelle, während Bischof Bonnemain diese immer in der Verantwortlichkeit des Bischofs gesehen hat», erklärt Spengler.

«Herber Verlust»

Für Spengler ist der Abgang von Stefan Loppacher «ein herber Verlust». Für die neue nationale Dienststelle «Missbrauch im kirchlichen Kontext» der RKZ sei es dagegen ein «Glücksfall», auf die Kompetenzen und Kenntnisse Loppachers im Bereich Missbrauchsprävention künftig zurückgreifen zu können.

Kurios wirkt im Zusammenhang mit dem Rücktritt Stefan Loppachers, dass im Augenblick die Präventionsstelle gegen Missbrauch im Bistum Chur nach wie vor sehr lückenhaft ist.

Karin Iten, Präventionsbeauftragte des Bistums Chur. Sie kündigte im April letzten Jahres.
Karin Iten, Präventionsbeauftragte des Bistums Chur. Sie kündigte im April letzten Jahres.

Denn auf die freigewordene Stelle nach der Kündigung von Präventionsbeauftragter Karin Iten, die bekanntlich im Sommer letzten Jahres aufhörte, ist bis heute keine Nachfolgerin gefunden worden. Im Augenblick laufen die Bewerbungsgespräche.

Es hat also über ein Jahr gedauert, bis konkrete Bewerbungen nun behandelt werden. Die Präventionsstelle war bis jetzt in zwei 50-Prozent-Pensen besetzt – wobei ein Mann (Loppacher) und eine Frau (Iten) die Stellen sich teilten. Dies soll auch in Zukunft so sein.

«Die Präventionsstelle des Bistum Chur wird durchwegs funktionsfähig bleiben und lückenlos besetzt sein.»

Nicole Büchel, Bistum Chur

Optimistisch klingt das Statement von Nicole Büchel, der Kommunikationsbeauftragten des Bistums Chur, auf Anfrage von kath.ch zur Zukunft der Präventionsstelle. Büchel: «Die Präventionsstelle des Bistum Chur wird durchwegs funktionsfähig bleiben und lückenlos besetzt sein. Das Auswahlverfahren zur Neubesetzung der offenen Stellen läuft bereits. Wir sind zuversichtlich, dass es demnächst zum Abschluss kommt.»

Bischof Joseph Maria Bonnemain
Bischof Joseph Maria Bonnemain

Bonnemain bedauert Schritt Loppachers

Bischof Joseph Maria Bonnemain und Synodalratspräsident Raphael Meyer bedauern den Schritt Stefan Loppachers und danken ihm «für die immense Arbeit, die er in dem anspruchsvollen und belastenden Bereich der Missbrauchsbekämpfung und -prävention für das Bistum Chur und die Kirche in der Schweiz geleistet hat», wie es in der Medienmitteilung heisst. Sie sprechen ihm für die neuen Aufgaben ihre volle Unterstützung zu.

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Und was sagt Stefan Loppacher selbst zu seinem Abgang? «Ich bin im Moment nicht erreichbar», tönt es auch nach mehrmaligen Anrufen von kath.ch von Loppachers Smartphone.

Korrektur am 30.05.2024 um 09.10 Uhr: Ein missverständlicher Absatz wurde gelöscht.


Stefan Loppacher | © tv.telezueri.ch
29. Mai 2024 | 12:04
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