Fastenstrafen, Farbe und Fische: Die wichtigsten Fakten zu Aschermittwoch und Fastenzeit
Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Doch warum sind es 40 Tage und weshalb sind Biber und Meerschweinchen in der Kirche Wassertiere? Wie verändert sich die Liturgie und was für Fastenstrafen gab es früher?
Jacqueline Straub
Seit wann feiern Christinnen und Christen Aschermittwoch?
Seit dem 6. Jahrhundert wird am Mittwoch vor dem 6. Sonntag vor Ostern Aschermittwoch begangen. Ende des 11. Jahrhunderts führte Papst Urban II. offiziell das Aschekreuz als Beginn der Fastenzeit ein und seit dem 12. Jahrhundert stammt die Asche aus verbrannten Palm- und Buchsbaumzweigen, die im Jahr zuvor an Palmsonntag gesegnet wurden. Während die Gläubigen das Aschekreuz empfangen, sagt der Seelsorgende: «Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst» oder auch «Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium.»
Was bedeutet das Aschekreuz?
Das Aschekreuz auf der Stirn zeigt, dass die Gläubigen bereit sind zur Umkehr und Busse. Es ist ein Symbol, um Altes abzulegen und um Neues aufleben zu lassen. Zudem erinnert es an die Vergänglichkeit des Menschen. Und es symbolisiert, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern Gott ewiges Leben schenkt.
Warum ist Asche ein Symbol für die Reinigung der Seele?
Bei der Asche, in Verbindung mit dem Bussgewand, welches damals die öffentlichen Büsser tragen mussten, geht es um den Ausdruck dessen, was in der Formel zur Auflegung der Asche gesagt wurde. Bereits in der Antike wurde Asche als Reinigungsmittel verwendet. Asche wird auch als Scheuermittel für Holzböden eingesetzt – die Asche sollte aber zuvor mit Wasser aufgekocht werden. Ebenso kann Asche beim Wäschewaschen eingesetzt werden: Die Holzasche wird dabei zuerst mit heissem Wasser übergossen, dann wird die Wäsche in der sogenannte Aschenlauge eingeweicht. Aus Asche kann auch eine «Outdoor-Zahnpasta» gemacht werden. Allerdings schadet das in der Asche enthaltene Kalium dem Zahnschmelz. Asche gilt zudem als wertvoller Dünger.
Warum gibt es eine Fastenzeit vor Ostern?
Aschermittwoch ist der Beginn der Fastenzeit. Diese soll als Zeit der Busse und Besinnung genutzt werden, um sich auf Tod und Auferstehung Jesu Christi vorzubereiten. Seit dem 2. Jahrhundert begehen Christinnen und Christen die Fastenzeit. Früher galt auch die Adventszeit als Fastenzeit – um sich auf das wichtige Fest Weihnachten durch Fasten und Abstinenz einzustimmen.
Warum geht die Fastenzeit 40 Tage?
Eigentlich geht die Fastenzeit länger – wenn man die Sonntage mitzählt. Diese gelten aber als «fastenfrei». Die Grundordnung des Kirchenjahres sagt, dass die Fastenzeit von Aschermittwoch bis zum Beginn der Abendmahlsmesse am Donnerstag in der Karwoche andauert. Die Zahl 40 ist im Christentum wie auch im Judentum von grosser Bedeutung. In der Bibel taucht diese Zahl immer wieder auf: Jesus fastete 40 Tage in der Wüste, die Sintflut dauerte 40 Tage, Mose zog mit dem Volk Israel 40 Jahre durch die Wüste und der Prophet Jona setzte der Stadt Ninive eine 40-tägige Frist, um sich zu bekehren. Die Zahl 40 steht für Wende und Neubeginn, aber auch Gottesbegegnung.
Gibt es liturgische Besonderheiten in der Fastenzeit?
Von Aschermittwoch bis zur Osternacht wird in der Liturgie weder das Gloria gesprochen, noch das Halleluja gesungen. Es wird auf Blumenschmuck im Kirchenraum verzichtet und meist werden die Kirchenglocken nicht in vollem Umfang geläutet. Die liturgische Farbe in der Fastenzeit ist violett. Diese Farbe steht für das Geistige, für Besinnung, Umkehr und Busse. Eine Ausnahme bildet der 4. Sonntag in der Fastenzeit. Am Laetare-Sonntag, auch Rosensonntag genannt, wird die Farbe Rosa getragen – als Vorfreude auf das baldige Osterfest. Und dort findet sich dann auch ein Blumenschmuck in der Kirche. Am 5. Fastensonntag werden die Kreuze in der Kirche verhüllt. Bis zum Ende der Karfreitagsliturgie bleiben diese verhüllt.
Worauf verzichten Katholikinnen und Katholiken in der Fastenzeit?
Die katholische Kirche kennt neben der Fastenzeit auch verpflichtende Busstage, an denen kein Fleisch gegessen werden sollte. Das sind der Aschermittwoch und der Karfreitag. Früher galt die Fastenzeit als «geschlossene Zeit». Feierliche Hochzeiten waren untersagt – ebenso Fest und Tanz. Neben Fleisch wird heute oft auf Süssigkeiten oder Alkohol verzichtet. Gleichzeitig nehmen heute viele die Fastenzeit als Anlass, um sich für das Klima oder Gerechtigkeitsfragen einzusetzen. Sie stellen aber auch Solidarität mit den Armen in den Vordergrund oder nutzten diese Zeit, um die eigene Spiritualität zu vertiefen.
Was ist, wenn man sich nicht an die Fastenzeit hält?
Heute wird die Fastenzeit von vielen nicht mehr so eng genommen. Im Mittelalter wurden jene, die die Fastengebote nicht eingehalten haben, hart bestraft. Sie wurden mit Stöcken geschlagen, wurden ins Gefängnis geworfen – und durften nur Wasser und Brot zu sich nehmen. Oder ihnen wurden Zähne herausgerissen.
Wie wurde die Fastenregel umgangen?
Das Konstanzer Konzil (1414-1418) beschloss, dass alles, was im Wasser lebt, als Fisch zählt. Fische waren in der Fastenzeit nicht verboten – und landete deswegen oft auf den Tellern. Ebenso Biber, die aufgrund ihres schuppigen Schwanzes als Fische erklärt wurden. Auch wurden Enten, Otter, Frösche und sogar Meerschweinchen als «Wassertiere» eingestuft. In der Fastenzeit war auch Alkohol verboten. Mönche aus Bayern umgingen dieses Verbot aber geschickt: Sie brauten das sogenannte Fastenbier, ein Starkbier, und sandten es dem Papst. Er sollte entscheiden, ob dieses in der Fastenzeit getrunken werden darf. Bis es in Rom ankam, war das Bier verdorben. Als der Papst es probierte, soll er gesagt haben, dass das «abscheuliche Getränk» in der Fastenzeit getrunken werden darf.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




