Von Wortspielen bis schwarzem Humor: Eine Ausstellung bringt mit «Liebe Luft Lasagne» den Humor zurück
Die Ausstellung «Humor, geliebt, verpönt, gefürchtet» im Vögele Kulturzentrum in Pfäffikon SZ verleitet zu Grimassen am Foto-Automaten und zeigt – mit Slampoet Kilian Ziegler: Lachen auf Kosten anderer ist out. Gott sei Dank.
Sabine Zgraggen*
Gleich vorweg: Nein, die katholische Kirche wird darin nicht durch den Kakao gezogen. Keine Comics zu religiösen Attitüden oder Satire zu aktuellen Themen. Keine Pfarrwitze oder die Klassiker wie «treffen sich ein Jesuit und ein…». Nein.
Das sollte uns eigentlich erst recht nachdenklich stimmen, wird doch Schopenhauer mit den Worten zitiert: «Je mehr ein Mensch des ganzen Ernstes fähig ist, desto herzlicher kann er lachen». Werden wir also nicht mehr ernst genommen, sollten uns selber nicht so ernst nehmen, oder haben den Ernst der Lage nicht verstanden? Später fand ich dann doch noch ein Plakat… doch dazu später.
Künstlerische Wortspiele
Die Ausstellung untersucht den Humor von verschiedenen Seiten. Unvermittelt geht’s gleich zu Beginn an die Lachmuskeln: «Liebe – Luft – Lasagne» steht da auf weissen Blättern. Doppelsinniger Schalk und Wortspiele des St. Galler Künstlers Beni Bischof.
Ein Punkt stellt sich als eine «Spaghetti von unten» heraus. Ein Kreis trägt den Titel: «Extrem ungenaues Quadrat». Die Existenzängste sind durchgestrichen, zugunsten Champagners. Recht hat er.
Lachversuche beim Selbstauslöser
Die nächste Station ist ein grosser gelber Foto-Automat! Die verschiedenen Arten des Lachens sind auf Tafeln geschrieben und ab geht’s vor den Selbstauslöser. Wie siehst du aus, wenn du über beide Ohren grinst, wenn du cool bist, oder andere belächelst, losprustest oder es wie Mona Lisa versuchst?
Ganze Reihen von lachenden Menschen hängen schon aus. Und es macht Spass. Die Laune steigt. Gruppen bilden sich.
Spätestens ab hier glaubt man den wissenschaftlichen Ergebnissen, die bestätigen: Lachen ist gesund! Wirkt sich nachweisbar positiv auf den Körper und die Seele aus. Die Zahlen später sind dann umso trauriger: Je älter wir werden, umso mehr verlernen wir diese Grundanlage zum Glücklichsein!
Kotz dich frei
Wenig später steht denn auch schon ein Kübel bereit. Unter dem Hashtag «kotzdichfrei» kann gleich das passende Foto dazu gemacht werden. Und es wirkt. Allein der Gedanke, künstlerisch alles Angestaute einmal loszulassen…
Nachdenkliches spricht Kilian Ziegler, Oltner Kabarettist und Slam Poet, in einem Video namens «Das ist doch ein Witz!?» aus. Die alten Witze mit rassistischer Couleur, über Neger und Schwule, über Behinderte und Blondinen, das zieht nicht mehr. Und, so fragt er, wie kommen wir durch den Gender-Gap?
Witze für Empathische
Im Video erfahren wir, dass die Gesellschaft nicht einfach humorloser geworden ist, sondern auf solche Witze dankend verzichtet. Vielleicht sind wir empathischer, differenzierter geworden? Ein Gedanke, der Hoffnung schenkt: Lachen auf Kosten anderer ist out. Gott sei Dank. Und worüber lachen wir jetzt?
Mit schwarzem Humor gegen die Klimakrise
Vielleicht über die Klima-Krise, denn die Angst vor dem, was da auf uns zukommt, braucht befreiende Distanz. Mehrere Plakate zeigen: Die Umweltproblematik braucht schwarzen Humor. Der abgeholzte Regenwald Brasiliens taucht auf, mit einer gigantisch neuen Freifläche zur Aufforstung. Oder die Reise zum Mars: Der tote Planet ist gleich um die Ecke erhältlich.
Nein, nichts wird ausgelassen: weder Banken- noch Politikwitze aus alten und neuen Zeiten. Bundesrätin Viola Amherd fliegt als «Top Gun Viola» durch die Lüfte. Eine fahrbare Treppe, auf welcher man an den Wänden oben Skizzen finden kann, darf selbst verschoben werden. Wer wagt den Perspektivenwechsel?
Humor im Bett
Auch im Bett hört der Spass nachweislich nicht auf! Im Gegenteil: 95 Prozent aller Menschen glauben, dass es für ein erfülltes Sexualleben hilfreich ist, das Ganze humorvoll anzugehen. Sicher kein Zufall, dass die Kirche hier nicht zitiert wird.
Jesus entdeckt
Und nun endlich, im hinteren Teil der Ausstellung, an einer Wand voller Verkehrsschilder, begegnet uns Jesus. Auf einem Verbotsschild heisst es: «Du sollst keine Verkehrsschilder bekleben», zitiert wird aus dem 2. Buch der Barbaren.
Der Vers bezieht sich auf einen Zettel, der von engagierten Christen über ein anderes Schild geklebt wurde. Doch Jesus ist kein Spassverderber und nimmt die «Frommen» selbst aufs Korn.
Das wars auch schon mit dem Schmunzeln aus dem katholischen Feld. Wie gut, dass das katechetische Material von Heute unlängst eine Zeichnung von einem lachenden Christus kennt. Es geschah im Glaubenskurs «Bibel Verstehen», wo es um Gottesbilder ging. Der Kapuzinerpater Martin Clarke stellt mit seiner Zeichnung darin «ein ungewohntes Christusbild» den Kursteilnehmenden vor.
Die Ausstellung «Humor» im Vögele Kulturzentrum dauert bis 17. September.
*Die Theologin Sabine Zgraggen ist Leiterin Spital- und Klinikseelsorge der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Sie schreibt und fotografiert auch für kath.ch.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




