Ein Festtag für alle
Am Samstag wurde Ernst Niederberger in seiner Heimatpfarrei Buochs (NW) von Bischof Joseph Maria Bonnemain zum Diakon geweiht. Es war ein grosses Fest für ihn und die ganze Kirchgemeinde.
Vera Rüttimann
Die Kirche St. Martin ist voll mit Menschen. In den Bänken sitzen Familienangehörige, Verwandte und Freunde von Ernst Niederberger sowie Pfarreimitglieder von Buochs und Davos. Aber auch Mitstudenten des Weihekandidaten sind angereist. Eindrücklich ist der Einzug. Vor Joseph Maria Bonnemain ziehen Generalvikare, Dekane und Diakone aus dem Bistum Chur ein.
Unter den Ministrantinnen ist auch Maria Niederberger, die jüngste Schwester von Ernst Niederberger. Es ist ein besonderer Tag in St. Martin in Buochs. Eine Diakonenweihe ist in der heutigen Zeit selten geworden. Es ist fast zwanzig Jahre her, seit der letzte Buochser zum Diakon geweiht wurde.
Lebensweg Ernst Niederberger
Der Festgemeinde wird Ernst Niederbergers Lebensweg vorgetragen: Er wurde am 29.12.1993 in Stans geboren und ist in Buochs (NW) auf einem Bauernhof aufgewachsen – mit fünf jüngeren Geschwistern.
Nach der Schule wurde er Hauswart und absolvierte einen fast einjährigen Zivildiensteinsatz in Einsiedeln in einem Behindertenheim. In der Lehre und im Zivildienst überlegte sich der junge Mann erstmals ernsthaft Priester zu werden. Im Sommer 2015 begann er mit dem Theologiestudium in Chur.
Arbeiter im Weinberg
«Heute, am Gedenktag der heiligen Theresia von Avila, feiern wir die Diakonenweihe von Ernst Niederberger», sagt Bischof Bonnemain zu Beginn seiner Predigt. Der bekannteste Text dieser grossen Frau lautet: «Nada te turbe, nada te espante, quien a Dios tiene, nada le falta: Solo Dios basta.» Auf Deutsch heisse das verkürzt: «Nichts soll dich stören, nichts dich schrecken, allein Gott genügt.»
Wie bei allen Menschen gebe es auch im Leben eines Geistlichen manche Durstrecken. «Die Erfolge treffen nicht von heute auf morgen ein», weiss Bonnemain. Er verweist in seiner Predigt auf die Winzerfeste, die jetzt bei den Rebbauern stattfinden. «Ernte ist immer das Ergebnis von konstanter, manchmal harter Arbeit der vorhergehenden Monate.»
Auch wenn der Lebensweg hart sei, sei nichts verloren: «Wer sich nach Gott richtet, dem wird nichts fehlen.» Im Evangelium werde die Verbundenheit mit dem Weinstock und der Fruchtbarkeit der Reben beschrieben. «Der Lebenssaft kommt vom Weinstock. Der Saft wird geliefert, gratis!», sagt Bonnemain.
Wichtig sei die Verbundenheit mit dem Weinstock. «Gott selbst setzt sich ein, dass unser aller Leben fruchtbar wird. Das sollte uns doch beflügeln.» Der Bischof des Bistums Chur fragt die Festgemeinde: «Wenn Gott sich persönlich um die Menschen kümmert, wozu braucht es denn Priester und Diakone?» Bonnemain dazu: «Wir sind nichts weiter als die Mitarbeiter im Weinberg des Herrn. Wir helfen, damit die Ernte üppig wird und sind da, um diese Fruchtbarkeit des Lebens zu fördern.»
«Bist du bereit?»
Nun beginnt der Akt der Weihe. Im Kirchenschiff wird es still. Alle wissen: Jetzt sehen sie vorne im Chor einen seltenen Akt. Regens Martin Rohrer hat zu Beginn des Weihegottesdienstes den Weihekandidaten für die Diakonweihe aufgerufen, vor den Bischof zu treten. Ernst Niederberger steht auf und antwortet: «Hier bin ich.»
Jetzt erfolgt das Versprechen zur Ehelosigkeit, zum Gehorsam dem Bischof gegenüber. Der Weihekandidat wird von Bischof Bonnemain nach seiner Bereitschaft gefragt, sich in den Dienst der Kirche zu stellen. «Bist du bereit?» fragt ihn Bonnemain? – «Ich bin bereit!».
Im Rahmen der Weihehandlung legt sich Ernst Niederberger nun vor dem Altar auf den Boden: Ein Symbol dafür, sich in Gottes Hände zu begeben. Unter Handauflegung und Gebet weiht Bischof Bonnemain Ernst Niederberger zum Diakon.
Nun werden dem neu geweihten Diakon von Regens Martin Rohrer die liturgischen Gewänder angelegt. Die Festgemeinde sieht, wie Ernst Niederberger erst die Stola, dann die Dalmatik – das liturgische Kleid des Diakons – umgelegt wird. Dann erhält Ernst Niederberger vom Bischof noch das Evangelienbuch. Als Zeichen, dass er zu seiner Verkündigung bestellt wurde.
Gespräche beim Apéro
Im Anschluss an den Festgottesdienst feiern die Mitgereisten ihren neuen Diakon bei einem Apéro im Trachtenhaus. Dieses liegt etwas ausserhalb des Dorfzentrums und so begibt sich eine eindrucksvolle Prozession von Menschen zum beschaulichen Holzhaus.
Selbst Bischof Joseph Maria Bonnemain und seine Begleiter mischen sich unter das Volk. Ernst Niederberger ist ein gefragter Gesprächspartner. Die Leute stehen in einer Schlange vor ihm, um ihm zur Weihe zu gratulieren. Der junge Nidwaldner wird für seine bescheidene und aufgeschlossene Art geschätzt.
«Wir haben ihn ausgebildet»
Ernst Niederberger arbeitet bereits in der Pfarrei in Davos (GR). Daher war für die dortigen Pfarreiangehörigen klar, dass sie zu seinem Ehrentag extra nach Buochs anreisen. Im Reisecar sass auch Pfarrer Kurt Benedikt Susak von der katholischen Pfarrei Davos.
Stolz sagt Kurt Benedikt Susak über den jungen Diakon: «Wir haben ihn ausgebildet!». Nach dem fünfjährigen Theologiestudium kam Priesteramtskandidat Niederberger zum umtriebigen Susak, um hier die nötigen praktischen Erfahrungen zu sammeln.
Kurt Benedikt Susak resümiert: «Dass ich Ernst Niederberger begleiten konnte, war mir eine grosse Freude.» Jetzt dürfe er auch bei seiner ersten Taufe dabei sein, die er als Diakon spendet. Susak betont, wie wichtig es sei, dass die Priesteramtskandidaten positive Erfahrungen in ihrem ersten seelsorgerlichen Wirken machen können.» Ernst Niederberger wird zunächst als Diakon arbeiten. Im nächsten Jahr übernimmt er dann als Neupriester die Stelle als Davoser Vikar.
Traum ist in Erfüllung gegangen
Während die Festgemeinde auf den Bänken das Dessert zu sich nimmt, tritt auf der Wiese vor dem Trachtenhaus eine Fahnenschwinger-Formation auf. Vor der prächtigen Bergkulisse werfen sie ihre Flaggen in den Himmel.
Ernst Niederberger hat endlich einige Momente der Ruhe für sich und geniesst das Schauspiel. Er lässt diesen Tag für sich Revue passieren. Er sagt: «Ich freue mich, dass ich den Schritt gehen durfte und so viele Menschen an dieser Feier teilgenommen haben.»
Er spüre eine grosse Dankbarkeit und sehe seiner Arbeit hoffnungsvoll entgegen. Den Trauungen und Taufen und all dem, was in der vielfältigen Arbeit einer Pfarrei eben auf ihn zukommen werde. Ernst Niederberger fügt an: «Mit der Weihe zum Diakon ist heute für mich ein Traum in Erfüllung gegangen.» Die Diakonenweihe ist der letzte Schritt vor seiner Priesterweihe, die ihm am 25. März 2023 in der Kathedrale in Chur gespendet wird.
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