Dekan Hugo Gehring: «Der Bischof war kommunikativ miserabel beraten»
«Ich selber habe den Gottesdienst nicht gesehen. Doch ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Monika Schmid und traue ihr zu, dass sie diesen auf ihre Art sehr schön gestaltet hat.
Selbstverständlich sind nach allem, was ich gehört habe, Verstösse gegen die offiziellen Regeln der katholischen Kirche vorgekommen. Dass man dafür den Begriff «liturgischer Missbrauch» verwendet, ist aber ein No-go. Damit suggeriert man, es gebe zweierlei: Kindesmissbrauch und liturgischen Missbrauch – und beides sei etwa gleich schlimm. Das geht nicht. Da war der Bischof kommunikativ miserabel beraten.
Niemand hält sich zu 100 Prozent an die Regeln. Da hätte man grosszügiger sein können.»
Der Dekan von Winterthur, Hugo Gehring, äussert sich im «Landboten» zur kanonischen Voruntersuchung gegen die Theologin Monika Schmid. Diese hatte an ihrem Abschiedsgottesdienst konzelebriert. Bischof Joseph Bonnemain hat gegen sie eine kanonische Voruntersuchung wegen «liturgischen Missbrauchs» eingeleitet.
Über die fehlende Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in der katholischen Kirche sagt Hugo Gehring:
«Die katholische Kirche hat in dieser Beziehung die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Für mich ist das ähnlich wie die Abschaffung der Sklaverei: Irgendwann kommt man zur Einsicht, dass das so nicht geht. Es verträgt sich nicht mit der Schöpfung. Wenn die Frauen nicht bald gleichgestellt werden, wird die katholische Kirche zu einer Sekte. Alle Argumente, die für eine alleinige Beteiligung der Männer sprechen, sind von primitivster Art.
Ich habe beispielsweise unserer Pastoralassistentin Vollmachten erteilt, die ich nicht hätte erteilen dürfen. Doch das war einfach an der Zeit. Vielleicht wäre ich nicht ganz so weit gegangen wie Gemeindeleiterin Monika Schmid, weil ich keinen Bruch machen will. Aber man soll den Spielraum bis zur Grenze ausnützen und auch noch etwas darüber hinaus.» (rr)
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