«Z»-Zeichen sorgt für Aufruhr am Schwingfest
Am Eidgenössischen Schwingfest in Pratteln ist es zu einem Eklat gekommen. Ein russischer Trachtenverein aus Basel zeigte am Festumzug das Kriegszeichen «Z». Das empörte nicht nur Anwesende, sondern auch den ukrainischen Priester Nazar Zatorskyy. Die Vereinspräsidentin spricht von einem Missverständnis.
Sarah Stutte
Mit einem Umzug ist das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Pratteln (BL) am Freitagabend eröffnet worden. Rund 4000 Personen aus 90 Gruppen nahmen daran teil. Da das ESAF nur alle drei Jahre stattfindet, wollte Pratteln die Gelegenheit nutzen, seinen Multikulturalismus zu zeigen.
Deshalb liefen beispielsweise ein serbischer Kulturverein oder der russische Verein Russkij Basel mit. Letzterer sorgte aber für einen handfesten Skandal, da eine Vereinsfrau vorne rechts auf ihrer Tracht gut sichtbar ein «Z» trug – das Symbol für den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.
Ukrainischer Botschafter cancelt Festbesuch
Zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich zuvor schon beim Schwingen der russischen Fahne Unwohl fühlten, zeigten sich in der Folge schockiert und schossen Bilder von der Trachtengruppe.
Diese machten schnell in den sozialen Netzwerken die Runde und sorgten für Empörung. Der ukrainische Botschafter Artem Rybchenko sagte daraufhin seinen Besuch am ESAF vom Sonntag kurzfristig ab.
Nicht nur «Putins Krieg»
Auch Nazar Zatorskyy, Priester der ukrainisch griechisch-katholischen Kirche der Schweiz, die Teil der katholischen Kirche ist, ärgert sich: «Der Vorfall zeigt deutlich, dass der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine bei weitem nicht nur Putins Krieg ist, wie das gerne und oft wiederholt wird.»
Vielmehr sei es ein «vom ganzen russischen Volk getragener und unterstützter Krieg, wie das Zeichen ‹Z› auf dem Kleid der Frau zeigt. Niemand hat sie dazu gezwungen, das Symbol zu tragen», hält der ukrainische Priester fest, der zudem Nationalkoordinator der ukrainischen Seelsorge in der Schweiz ist.
Keine Bühne für Politik
Der Vorfall am ESAF sei keineswegs ein Einzelfall. Dasselbe habe er mehrere Male weltweit gesehen, so Nazar Zatorskyy. «Daher wäre die Verweigerung der touristischen Visen für Russinnen und Russen eine konsequente und logische Massnahme angesichts dieser Situation», merkt er an.
In der Zwischenzeit haben sich die Veranstalter des ESAF für den Vorfall entschuldigt. Kommunikationsleiterin Marion Tarrach sagte gegenüber dem «Blick», dass die Veranstaltung eine Plattform für Sport und Kultur «und keine Bühne für politische Statements» sei.
«Alles nur Missverständnis»
Auf Anfrage von kath.ch äusserte sich jetzt die Präsidentin des 2007 gegründeten Vereins Russkij Basel, Zarema Navaretta, erstmals zu der Situation. Sie nimmt der Aufregung ein wenig den Wind aus den Segeln, indem sie erklärt, dass es sich hierbei schlicht um ein Missverständnis handle.
«Ein Mitglied unseres Vereins trug auf dem Festumzug eine Brosche in Form eines Z. Dieses steht aber für den Familiennamen der Frau, der mit diesem Buchstaben beginnt. Sie hat diesen Schmuck schon öfters auf anderen Anlässen getragen, bei denen der Verein in Tracht auftrat.»
Zarema Navaretta bedauert sehr, dass das Ganze nun so grosse Wellen schlug: «Es tut uns sehr leid und war keine Absicht. Was auf unserer Webseite steht, nämlich dass wir uns als unabhängiger und konfessionsloser Verein sehen, stimmt absolut. Wir sind politisch neutral und für den Frieden», stellt sie klar.
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