Markus Thürig: Öffnung der Priesterweihe für Verheiratete und für Frauen sollte gemeinsam erfolgen
Sollten in der Weltkirche für dringende regionale Anliegen nicht auch regionale Lösungen ermöglicht werden?
Markus Thürig*: Regionalisierung, Kontinente oder Bischofskonferenzen, hat es schon immer gegeben. Seit dem Pontifikat von Papst Franziskus hat sie an Bedeutung gewonnen. Die römisch-katholische Kirche hatte bisher die Gnade, dass unter ihrem grossen Dach (fast) alle regionalen Besonderheiten Platz fanden. So sind in unserem Bistum seit 50 Jahren Frauen im Seelsorgedienst tätig, andernorts keine. Veränderungen, welche die Glaubenstradition betreffen, bedürfen der geduldigen und sensiblen Einführung. Sie dürfen nicht eine Spaltung der Kirche provozieren. (…)
Sie rechnen nicht mit der baldigen Abschaffung des herkömmlichen Zölibats. Kann die Kirche, gemäss Ihren Angaben, noch zwei bis drei Jahrzehnte bis zu einem Konzilsbeschluss warten?
Thürig: Ob ein nächstes Konzil dieses Kirchengesetz ändert, weiss niemand. Für das Bistum Basel sähe ich ein Problem, wenn verheiratete Männer zum Priester geweiht werden könnten, Frauen aber nicht. Ich befürchte, dass die Seelsorgerinnen, deren Mitarbeit im Bistum sehr wichtig ist und die ich schätze, dadurch zurückgesetzt würden. Ich befürchte schlimme persönliche Verletzungen. Daher müssten für mich in unserem Bistum beide Änderungen gemeinsam eingeführt werden.
Markus Thürig (64) ist Generalvikar des Bistums Basel. Im Interview mit dem «Willisauer Bote» (3. Juni) äussert er sich zu kirchenpolitischen Fragen und zum anstehenden Pfingstfest. (rr)
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