Schweizergardisten auf dem Petersplatz
Vatikan

Kurienreform stärkt Staatssekretariat und Wirtschaftsaufsicht

Mit der vatikanischen Kurienreform wird das Staatssekretariat in seinen zentralen Aufgaben gestärkt. Bei Geldangelegenheiten muss die Behörde jedoch Kompetenzen abgeben.

Roland Juchem

Was sich durch die Kurienreform ändert, hat Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Dienstag erläutert. Er sprach bei einem Studientag der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom. Die Kurienreform tritt am 5. Juni in Kraft.

Für harmonisches Handeln sorgen

Demnach soll das Staatssekretariat für ein weitgehend harmonisches Handeln des Heiligen Stuhls sorgen. Besonders wichtig sei dies bei internationalen und diplomatischen Angelegenheiten.

So müsse etwa die Evangelisierungsbehörde in Fragen der Religionsfreiheit mit dem Staatssekretariat zusammenarbeiten; ähnlich die Familienbehörde, wenn es um juristische Fragen der Anerkennung internationaler Laienvereinigungen gehe.

Einheitliche Texte

Aber auch sonst sei es wichtig, dass zentrale Texte und Sprachregelungen einheitlich seien, so die Nummer Zwei des Vatikan. Deswegen rede das Staatssekretariat weiter ein entscheidendes Wort in der Öffentlichkeits- und Medienarbeit des Vatikan mit.

Kompetenzen abgeben muss das Staatssekretariat indes bei Wirtschafts- und Vermögensangelegenheiten. Für diese ist künftig allein das Wirtschaftssekretariat zuständig.

Zweigeteiltes Sekretariat

Damit, so Parolin, werde das gesamte Päpstliche Sekretariat auf zwei getrennte Kurieneinrichtungen aufgeteilt: «In wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten ist das Wirtschaftssekretariat zuständig, in allen anderen Bereichen das Staatssekretariat.»

Die Errichtung des Wirtschaftssekretariats, anfänglich geleitet von Kardinal George Pell, und die Zuschreibung von Aufgaben seien mitunter ein «ziemliches Hin und Her» gewesen, so der Leiter der Behörde, Juan Antonio Guerrero. Nun seien dessen Zuständigkeiten aber geklärt.

Erlaubnis für hohe Ausgaben

So muss etwa jede vatikanische Einrichtung bei Ausgaben über 150’000 Euro die Erlaubnis des Wirtschafssekretariats einholen. Auch die Verwaltung des Vatikanstaats sei jenem nun zugeordnet.

Der übergeordnete Wirtschaftsrat indes, derzeit geleitet vom Münchner Kardinal Reinhard Marx, approbiert die vom Sekretariat erarbeiteten Budgets und Bilanzen, bevor diese dem Papst vorgelegt werden.

Unter den vorgesehenen Institutionen, so Guerrero, sei allein das Komitee für Investitionen noch nicht final errichtet. Er rechne aber damit, dass dies in den kommenden Wochen abgeschlossen werde.

«Prädicate evangelium»

Die vom Papst am 19. März veröffentlichte Apostolische Konstitution «Praedicate evangelium» (Verkündet das Evangelium) ist der Grundtext der Kurienreform von Papst Franziskus. Diese muss noch in eine konkretere Kurienordnung überführt werden. Zudem muss jede vatikanische Einrichtung ihre eigenen Statuten aktualisieren und an die neue Kurienverfassung anpassen. (cic)

Schweizergardisten auf dem Petersplatz | © Oliver Sittel
17. Mai 2022 | 17:45
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