Sonntagsgottesdienst in Jona: An die Normalität muss man sich erst wieder gewöhnen
Am Kircheneingang gab es keine Kontrolle, und die Maske durfte man zuhause lassen. Am Sonntag haben Gläubige in Maria Himmelfahrt in Jona seit langem wieder Gottesdienst ohne hartes Corona-Regime feiern dürfen. Zurück war auch das Weihwasser.
Barbara Ludwig
Auf dem Friedhof spriessen Schneeglöckchen, es liegt Frühling in der Luft auf dem Joner Kirchhügel. Dazu passt: Heute gibt es keine Kontrolle vor der Kirche Maria Himmelfahrt im st. gallischen Jona. Seit Donnerstag gehören die Masken- und die Zertifikatspflicht der Vergangenheit an.
Und so wundert man sich ein bisschen, dass kurz vor halb elf erst wenige Gläubige in den Kirchenbänken Platz genommen haben. Schliesslich sind es zwischen 40 und 50 Personen, die vom Pfarreibeauftragten Werner Sutter (62) begrüsst werden.
«Wir dürfen wieder offener Gottesdienst feiern. Und wir dürfen wieder Weihwasser brauchen», sagt Sutter. Die Weihwasserbecken seien wieder gefüllt. Diese waren seit fast zwei Jahren zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus trocken. Dann greift Sutter zum Weihwasserwedel und besprengt die Gemeinde.
Der alte Friedensgruss ist noch nicht zurück
Die meisten Gläubigen sind ohne Maske zum Gottesdienst erschienen, nur zwei bis drei Personen haben noch das hellblaue Papier vor ihrem Gesicht. An die Pandemie erinnern jedoch weiter die Spender mit Desinfektionsmittel. Auch beim Friedensgruss ist man noch nicht wieder in der Vor-Corona-Zeit angelangt. Es bleibt bei einem freundlichen Nicken über die Bankreihen hinweg.
Zu kath.ch sagt Werner Sutter, man wolle wieder zu einer gewissen Normalität zurückkehren, deshalb habe man am Freitag die Weihwasserbecken der Kirche wieder gefüllt. Ihm fällt allerdings auf: «An die Normalität muss man sich erst wieder gewöhnen.» Das habe er bei sich selber gemerkt. Lange habe er das Kreuzzeichen nun ohne Weihwasser gemacht. Er müsse es sich wieder neu zur Gewohnheit machen, den Finger ins Weihwasser zu tunken.
Mehr Planungssicherheit für Ostern
Sutter freut sich, dass nun der organisatorische Mehraufwand wegfällt, der durch die Corona-Massnahmen verursacht wurde. Als besonders schlimm empfand der Pfarreibeauftragte, dass man zur Zeit der 50er-Regel überzählige Gläubige wegweisen musste. «Das war eine undankbare Geschichte», erinnert er sich. Jetzt gibt es wieder mehr Freiheit und Planungssicherheit. Das erleichtere vor allem die Vorbereitung auf die grossen Feste wie Ostern oder Weisser Sonntag.
Gläubige erleben vor allem die Abschaffung der Maskenpflicht als Befreiung. Sie freue sich, dass man wieder singen könne, sagt Ruth Helbling (79) zu kath.ch. Singen war in letzter Zeit wieder erlaubt – mit Maske, erwidert die Journalistin. «Das ist doch kein Singen mit einer Maske!», empört sich die Frau.
«Das Schlimmste war, dass man die Gesichter der Menschen im Gottesdienst nicht mehr sah.»
Vreni Bochsler, Gottesdienstbesucherin
Dass nun alles ohne Maske stattfinden könne, freut auch Joselyne Wüst (40). Für die Frau mit dem französischen Akzent ist das besonders wichtig. Sie ist Mitglied im Kirchenchor der Pfarrei und hat darunter gelitten, dass zeitweise Proben und Auftritte nicht stattfinden durften.
«Das Schlimmste war, dass man die Gesichter der Menschen im Gottesdienst nicht mehr sah», findet Vreni Bochsler (68). Sie ist heute mit ihrem Mann zur Feier gekommen. Es habe absurde Dinge gegeben im Auf und Ab der Corona-Massnahmen, sagt sie. Zum Beispiel als die Maskenpflicht zusätzlich zum Zertifikat wieder eingeführt worden sei.
Schon wieder Angst vor dem Virus?
Auch Vreni Bochsler ist aufgefallen, dass wenig Leute zum Gottesdienst gekommen sind. «Ich frage mich schon: Haben die Leute – jetzt wo die Massnahmen abgeschafft sind – wieder Angst vor dem Virus?». Die Frau mit der blauen Brille und dem rosa Halstuch lächelt verschmitzt.
Ist es das? Oder hat das Frühlingswetter die Leute vom Kirchgang abgehalten? Vielleicht haben sich einige Joner Katholikinnen und Katholiken ganz einfach angewöhnt, den Zusatzgottesdienst von 17 Uhr zu besuchen. Dieser war für Gläubige ohne Zertifikat eingeführt worden und findet heute zum letzten Mal statt.
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