An Allerheiligen gedenken Christen und Christinnen grundsätzlich aller Heiligen, beispielsweise Franz von Assisi, des heiligen Martin oder der heiligen Edith Stein. Die Vergänglichkeit in der Natur, die besonders in dieser Jahreszeit sichtbar wird, sensibilisiert den Menschen für die Vergänglichkeit der irdischen Welt. Dadurch öffnet sich der Blick auf das Leben nach dem Tod und auf die Menschen, die im Leben und Glauben uns vorausgegangen sind.
Doch an Allerheiligen werden nicht nur bekannte Heilige geehrt, sondern auch unbekannte, deren Heiligkeit nur Gott sieht. Denn heilig ist und wird nicht nur, wer jederzeit vorbildlich lebt und einen aufsehenerregenden Märtyrertod stirbt. Grundsätzlich ist jeder Mensch dazu berufen, heilig zu leben. Ein wenig Heiligkeit steckt in jedem, der sich für mehr Frieden, Freiheit, Menschlichkeit und Nächstenliebe einsetzt.
Am Tag nach Allerheiligen, am 2. November, begeht die katholische Kirche den Totengedenktag, das Fest Allerseelen. Durch Gebet und Fürbitte wird der Verstorbenen gedacht.
Geschichte des Allerheiligenfestes
Ab dem 4. Jahrhundert ist ein Fest für alle Heiligen überliefert. Die frühen Christen und Christinnen gedachten am Sonntag nach Pfingsten aller Heiligen. Dieser “Herrentag aller Heiligen” geht auf Johannes Chrysostomus zurück und wurde damals am Oktavtag (8. Tag nach einem Fest) von Pfingsten gefeiert. In der griechisch-orthodoxen Kirche hat sich dieser Festtermin bis heute erhalten. Warum nach Pfingsten? Im liturgischen Kalender nennt man die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten die Osterzeit. Für die Christen und Christinnen konnten die Heiligen nicht mehr getrennt von Ostern sehen. Denn wenn Christus zum neuen Leben erstand, dann sind auch alle Toten zum neuen Leben erstanden. Paulus schreibt es so: “Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören.” 1 Kor 15,20ff Deshalb machte es Sinn, dass das fest “Allerheiligen” der Osterzeit angehängt wird.
Ab dem 8. Jahrhundert verblasst der Zusammenhang von Ostern und dem „Herrentag aller Heiligen“ allmählich, sodass er zunächst in Irland am 1. November gefeiert wurde. Im Vordergrund stand nicht mehr das Osterfest, sondern die vergehende Natur: Anfang November begann in Irland der Winter und das neue Jahr. Irische Missionare brachten das neue Allerheiligenfest im 9. Jahrhundert auf den Kontinent. Der Termin von Allerheiligen passt auch deshalb in den Totenmonat November, weil sich der lebende Christ, die lebende Christin durch Jesus Christus mit den Toten verbunden weiss.
Anfang November werden die Gräber auf den Friedhöfen von den Angehörigen geschmückt. Die Angehörigen Verstorbener entzünden das sogenannte Seelenlicht als Symbol für das Ewige Licht, das den Verstorbenen leuchtet. Allerheiligen und Allerseelen gründen in der Überzeugung, dass durch Jesus Christus eine Verbindung zwischen Lebenden und Toten besteht. In vielen katholischen Kantonen ist Allerheiligen ein dem Sonntag gleichgestellter Feiertag.
Weniger besinnlich geht es in anderen Ländern der Erde zu. In Mexiko zum Beispiel kennt man den Tag der Toten, der Día de los Muertos, wie er auf Spanisch heisst. Im mexikanischen Totenfest haben sich Traditionen und Brauchtum der Indios mit denen der Katholiken vermischt. Die Maya und die Azteken glaubten, dass die Toten einmal im Jahr auf die Erde zurückkehren würden. Dort würden sie mit den Lebenden zusammen ein grosses Wiedersehensfest feiern. Die spanischen christlichen Missionare versuchten, das Fest, das im August gefeiert wurde, abzuschaffen. Das gelang aber nicht und so wurde es mit Allerheiligen zusammengelegt und nun Anfang November gefeiert. In den Wohnungen bereitet man den Toten einen Altar und Gabentisch, der oft aus mehreren Etagen besteht. Darauf kommen die Gaben für die Toten. Neben Fotos der Verstorbenen, Blumen und Kerzen, oft auch einem Kreuz und Rosenkränzen finden sich darauf auch die Lieblingsspeisen und -getränke der Toten. Mit ihnen sollen sie sich stärken. Dazu gibt es das süße Totenbrot Pan de muerte oder Totenschädel aus Zuckermasse, die Calavera de dulce. Später essen die Feiernden die Lebensmittel. Man erzählt sich Begebenheiten aus dem Leben der Verstorbenen, das können auch lustige Geschichten sein. Einige mexikanische Familien feiern auch direkt auf dem Friedhof.
In den letzten Jahren wird am Vorabend von Allerheiligen auch in der Schweiz “Halloween” gefeiert. Bei diesem ursprünglich keltischen Brauch wurde einmal im Jahr mit Lichtern den Geistern der Toten der Weg zurück zur Erde gewiesen. Später wurde der Brauch christianisiert. Der Der Name leitet sich aus “All Hallows Eve”, dem Abend vor Allerheiligen, ab.
Heilige werden in der römisch-katholischen und in den orthodoxen Kirchen verehrt und um ihre Fürsprache bei Christus angerufen. In den lutherischen und anglikanischen sowie den christ- oder altkatholischen Kirchen gelten Heilige und deren Leben als Vorbilder im Glauben und Orientierungshilfe.
Die Seite Schweizer Heilige und ihr Leben bietet vielseitige Informationen über die hierzulande verehrten Heiligen. Dabei gibt es neben den bekannten Namen wie Niklaus von Flüe, Gallus oder Verena auch manche unbekannte Geschichten zu entdecken.
Einen leichten Überblick über die Tausenden von Heiligen in der Kirche bietet das Ökumenische Heiligenlexikon.
