Franziska Koller, Leiterin der Abteilung Afrika und Asien bei Caritas.
Schweiz

Die Schweiz soll beim Klimawandel ihre Verpflichtungen wahrnehmen

Bern, 4.9.17 (kath.ch) Nicht Pioniergeist in Sachen Klimawandel fordert Caritas Schweiz vom Bundesrat, sondern nur, dass er seine Verpflichtungen gegenüber der internationalen Gemeinschaft einhält. Jeder Schweizer könnte mit einem kleinen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel beitragen. Doch davon will die Schweizer Bundespolitik nichts wissen, kritisiert das Hilfswerk.

Georges Scherrer

«Wir wollen sehr wenig von der Schweiz. Wir wollen lediglich, dass sie ihre Verpflichtungen einhält», sagte der Direktor von Caritas Schweiz, Hugo Fasel, am Montag in Bern gegenüber den Medien. Anfang Juli legte der Bundesrat in einem öffentlichen Bericht dar, wie er sich finanziell an der Bekämpfung des Klimawandels beteiligen wolle. Mit dem Bericht ist Caritas Schweiz nicht einverstanden.

Das katholische Hilfswerk weist darauf hin, dass 15 Prozent der Weltbevölkerung für 80 Prozent des globalen Treibhaus-Effekts verantwortlich seien, der zur Erhöhung der Temperatur auf dem Erdball beitrage. Auch die Schweiz müsse in die Pflicht genommen werden. Der Klimawandel führe zu extremen Wetterereignissen wie Hitzewellen und damit verbundenen Dürren sowie zu Sturmfluten.

Der Bundesrat und sein Buchhaltertrick

Bundesrat und Parlament wollten jedoch kein zusätzliches Geld für den Klimaschutz und zur Bekämpfung der Folgen des Klimawandels einsetzen, bedauert das Hilfswerk. Der im Juli veröffentlichte Bericht spricht von 450 bis 600 Millionen Franken. Caritas geht davon aus, dass die Schweiz jedoch eine Milliarde Franken einsetzen müsse, um ihren beim Pariser Klimaabkommen eingegangenen Verpflichtungen zu genügen.

Bundesrat steht in «klarem Widerspruch zur Uno-Konvention».

In diesem Zusammenhang wirft Caritas dem Bund einen Buchhaltertrick vor. Der Bundesrat wolle kein neues Geld aufwenden. Vielmehr beabsichtige er, das Geld für Klimaprojekte aus den Mitteln für die Entwicklungszusammenarbeit zu nehmen. Diese interne Geldumverteilung steht aus Sicht von Caritas «in klarem Widerspruch zur Uno-Klimakonvention».

Innovative Finanzierung nicht gefragt

Ein grosses Fragezeichen setzt das Hilfswerk hinter die Absicht des Bundesrates, er wolle nach «privaten Mitteln» und neuen Modellen der Partnerschaft mit dem Privatsektor suchen, um seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen. Im Bericht lege der Bundesrat nicht offen, wie er dies Ziel umzusetzen gedenke, beklagt das Hilfswerk.

Und als letzten Kritikpunkt am finanziellen Argumentarium des Bundesrats zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Folgen bedauert das Hilfswerk, dass der Bundesrat auf die Erschliessung neuer und «innovativer» Finanzierungsquellen verzichte. Noch im Jahr 2011 habe der Bundesrat als Finanzierungsquelle an eine «ursachengerechte Flugticketabgabe» gedacht. Im jüngsten Bericht erscheine diese nicht einmal mehr.

«Bescheidene zehn Franken» pro Flug

Über 40 Millionen Passagiere würden jährlich einen Schweizer Flughafen benützen. Hugo Fasel rechnete in Bern vor, dass bei einer Entschädigungsabgabe von «bescheidenen zehn Franken» pro Ticket 400 Millionen Franken zur Finanzierung der Ausgaben beim Klimaschutz in die Bundeskasse fliessen würden.

26 Millionen Menschen hungern in Ostafrika.

Die Schweiz ist im «Green Climate Fund»  vertreten, der im Bereich Klimawandel Geld ausschütten soll. Dieser entscheide auch über die Mittelverwendung. Die Schweiz soll ihre Unterhändler mit einem «klaren Mandat» ausstatten, fordert darum Caritas. Die Mittel sollen in «lokale Projekte» vorab nach Afrika fliessen. Der sogenannte «Mitnahmeeffekt» müsse verhindert werden, das heisst, internationale Konzerne sollten von diesen Geldern nicht profitieren.

Wo die Caritas hilft

Anja Ebnöther | © Georges Scherrer

Anhand von zwei Beispielen veranschaulichte Caritas die Folgen des Klimawandels. Hilfsgelder könnten dort eingesetzt werden. Anja Ebnöther ist Leiterin Internationale Zusammenarbeit beim Hilfswerk. Sie verwies auf Tadschikistan. Der zentralasiatische Staat leide stark unter den Folgen des Klimawandels. Die Temperaturen steigen, die Flüsse trocknen aus. Es gebe immer weniger Niederschläge.

Das Hilfswerk versuche, dem Land zu helfen. Anbauverfahren in der Landwirtschaft, die dem Klimawandel Rechnung tragen, würden gefördert. Die Wiederaufforstung werde an die Hand genommen. Es gelte auch zukunftsgerichtet das Einkommen der Bauern zu sichern. Insbesondere aufgrund der zu erwarteten Klimaveränderungen.

Ostafrika braucht Hilfe

Als zweites Beispiel nannte Caritas das aktuelle Dürregebiet in Ostafrika. Heute litten 26 Millionen Menschen in diesem Gebiet Hunger. Das seien 39 Prozent mehr als noch vor einem Jahr, erklärte Franziska Koller, Leiterin der Abteilung Afrika und Asien bei Caritas. Die Trockenzeiten würden immer länger und auch dort stiegen die Temperaturen.

Die Landwirtschaft erbringe immer weniger Erträge. Die Gegend könne sich aus eigenen Kräften nicht von der Krise erholen. Die anstehende Herkulesaufgabe, den Menschen zu beizustehen, sei ohne Hilfe von Regierungen und von Geld- und Versicherungsinstituten nicht möglich. Eine direkte Folge der Dürren seien auch Migrationsbewegungen. Betroffen von diesen seien afrikanische Länder, die zusätzlich belastet werden.

 

Franziska Koller, Leiterin der Abteilung Afrika und Asien bei Caritas. | © Georges Scherrer
4. September 2017 | 16:54
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