Bischofssynode im Gebet
Vatikan

Bischofssynode feiert heute ihr 50-jähriges Bestehen

Rom, 17.10.15 (kath.ch) Für einige Stunden unterbricht die derzeit im Vatikan tagende Bischofssynode am Samstag, 15. Oktober, ihre Beratungen über Ehe und Familie. Zwischen den Diskussionen über geltende kirchliche Lehre und denkbare Sonderlösungen für Einzelfälle feiert die Synode sich selbst: Sie erinnert an ihre Gründung vor 50 Jahren. Mit dem Schreiben «Apostolica sollicitudo» vom 15. September 1965, wenige Wochen vor Ende des Zweiten Vatikanische Konzils (1962-1965), hatte Papst Paul VI. die Bischofssynode als Instrument der katholischen Kirche eingerichtet.

Johannes Schidelko

Er entsprach damit dem Wunsch vieler Konzilsteilnehmer, die den «Geist der Kollegialität» über die Konzilszeit hinweg fortsetzen wollten. Die Synode solle «den gesamten Weltepiskopat repräsentieren» und «den Geist der Gemeinschaft zeigen, der den Papst und die Bischöfe miteinander verbindet», schrieb der Papst in dem Gründungsdokument. 27 Mal beriefen die Päpste seither Bischofssynoden ein, die im Gegensatz zum Konzil keine Entscheidungs- oder Beschluss- sondern eine Beratungsfunktion haben.

Derzeit tagen die 270 Bischöfe mit 90 weiteren Teilnehmern zur 14. Ordentlichen Bischofssynode über Ehe und Familie heute. Daneben gab es bereits drei Ausserordentliche Synoden, zuletzt 2014, als die Bischöfe in kleinerem Kreis dasselbe Thema erörterten. Hinzu kamen neun Spezialsynoden für einzelne Kontinente oder Weltregionen. Dazu gehört auch die Partikularsynode für die Niederlande 1980.

Viele Impulse für Weltkirche

Erst nach und nach hat die Bischofssynode ihre heutige Gestalt angenommen. Der anfängliche Zwei-Jahres-Rhythmus wurde zeitweise auf drei bis vier Jahre ausgedehnt. Nach Ankündigung und Themenvorgabe durch den Papst erarbeitet das Synodensekretariat ein Themenpapier, die «Lineamenta». Es geht samt einem Fragebogen an alle Ortskirchen. Aus den Antworten entsteht dann das Arbeitspapier (Instrumentum laboris) als Grundlage für die Beratungen. Aus dem Schlussergebnis haben die Päpste meist ein zusammenfassendes Lehrscheiben erstellt. Manches deutet darauf hin, dass es auch diesmal so sein wird.

Neben der konkreten Sacharbeit sind von den Bischofssynoden viele Impulse für die Weltkirche ausgegangenen. Das erste Treffen 1967 über «Bewahrung und Stärkung des katholischen Glaubens» gab die Idee für die Gründung der «Internationalen Theologenkommission». Ausserdem stellte es die Weichen für die Neufassung des Kirchenrechts, das 1983 fertig wurde. Zwei Jahre später legte die erste ausserordentliche Synode die Grundlagen für die Zusammenarbeit zwischen dem Vatikan und den nationalen Bischofskonferenzen. Die Synode von 1971, mit fast sechs Wochen die bislang längste, widmete sich dem Priesteramt, stellte dabei aber Fragen der «Gerechtigkeit in der Welt» in den Mittelpunkt. Grundlagen für die Evangelisierung in der Welt von heute diskutierte die Synode 1974, für die Papst Paul VI. später das erste nachsynodale Dokument «Evangelii nuntiandi» erstellte. Von der ausserordentlichen Synode 1985 kam die Anregung zu einem neuen Katechismus für die Weltkirche, der 1992 fertig wurde.

Mehr Eigenständigkeit unter Papst Franziskus?

Die Ordentlichen Synoden zwischen 1987 und 2001 befassten sich mit den verschiedenen Gruppen in der Kirche: Laien, Priester, Ordensleute und Bischöfe. Bewegend war 1991 die Europa Synode, bei der erstmals Bischöfe aus dem Osten offen über die Kirchenverfolgungen sprachen. Zwischen 1994 und 1999 folgten dann Kontinentalsynoden für Afrika, Amerika, Asien, Ozeanien und nochmals für Europa.

Papst Benedikt XVI. reformierte und straffte Ablauf und Modus der Bischofssynode. Er verkürzte die Tagungsdauer von vier auf drei Wochen und liess neben den vorher abzuliefernden Kurzstatements mehr Zeit für freie Diskussionen. Er berief Ordentliche Synoden zu den Themen «Eucharistie» (2005), Bibel (2008) und Neuevangelisierung (2012) ein.

Papst Franziskus ordnete zum Thema Ehe und Familie einen synodalen Prozess mit zwei Vollversammlungen an. Er wertete die kleinen Sprachgruppen aus, verkürzte nochmals die Arbeitsschritte und intensivierte damit den Austausch unter den Synodalen. Ob er der Synode als kollegialem Organ mehr Eigenständigkeit und gar Entscheidungskompetenz einräumt, wird sich zeigen. (cic)

 

Bischofssynode im Gebet | © 2015 Andrea Krogman
17. Oktober 2015 | 09:37
Lesezeit : ca. 2  Min.
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