Bischöfe und Kardinäle auf dem Weg zur Synode
Vatikan

Synode: Kleine Sprachzirkel, grosse Weltkirche

Rom, 7. 10.15 (kath.ch) Für die Bischofssynode über die Familie im Vatikan hat die Kleinarbeit begonnen. Am Mittwoch, 7. Oktober, starteten die Debatten in den 13 nach Sprachen unterteilten Zirkeln. Punkt für Punkt geht es nun darum, das Arbeitspapier der Synode zu diskutieren, das aus den Antworten fast aller Bischofskonferenzen auf einen vatikanischen Fragenkatalog entwickelt wurde und das Abschlusspapier der Synode vom vergangenen Herbst umfasst.

Christoph Schmidt

Zunächst steht der Austausch der völlig unterschiedlichen Erfahrungen und Probleme von Ehe und Familie im Mittelpunkt, die 270 Synodenväter und rund 90 Berater und Beobachter aus allen Teilen der Weltkirche mitbringen. Von Krieg, Verfolgung, Armut und Migration bis zu hohen Scheidungsraten, Abtreibungszahlen und Bindungsangst.

In seiner Gruppe diskutierten nun Synodenteilnehmer aus Afrika, Asien und den USA, berichtete der Erzbischof von Philadelphia, Charles Chaput, beim Pressebriefing nach der ersten Runde. Da treffen ihm zufolge ganz verschiedene Lebensrealitäten aufeinander, so der US-Amerikaner, der als Berichterstatter, sogenannter Relator, eines der vier englischsprachigen Zirkel dessen Ergebnisse zusammenfassen und vor dem Synodenplenum vortragen wird. Afrikaner bemängelten etwa, das Arbeitspapier spiegle zu sehr die Probleme der Kirche in den westlichen Ländern wider, die sie selbst wenig berührten. Schon die Vorgängersynode im Oktober 2014 wurde stark von solchen soziokulturellen Unterschieden geprägt.

Unterschiedliche Sichtweisen harmonisieren

Für den Erzbishof von Lille, Laurent Ulrich, hat die Synode auch gar nicht die Aufgabe, in allen Erfordernissen der Kirche mit Blick auf die Familie übereinzustimmen. Entscheidend sei, die unterschiedlichen Sichtweisen und Realitäten des kirchlichen Familienbildes zu «harmonisieren», so der Berichterstatter einer der drei französischen Sprachgruppen. Er forderte dazu auf, eine «ermutigende Sprache» zu entwickeln, die den Stellenwert von Ehe und Familie weltweit fördert. Chaput gab indes zu bedenken, eine solche Sprache, «die in Afrika und Asien zur Klärung katholischer Prinzipien beiträgt und gewünscht wird», könne in Europa und Nordamerika durchaus als offensiv empfunden werden. «Es kommt darauf an, vor wem wir sprechen.»

Neben den englisch- und französischsprachigen Zirkeln debattieren in Rom nun drei italienische, zwei spanische und eine deutsche Sprachgruppe die Inhalte des Arbeitspapiers. Geleitet werden die Debatten jeweils von einem gewählten Moderator. Die am Mittwoch veröffentlichten Wahlergebnisse zeigen ein gemischtes Bild aus konservativen und reformorientierten Kirchenführern. Konservative Kirchenmänner wie die Kurienkardinäle Robert Sarah und George Pell oder der Genueser Angelo Bagnasco sind ebenso darunter wie die progressiven Kardinäle Vincent Gerard Nichols (London), Oscar Rodriguez Maradiaga (Tegucigalpa) und Wiens Kardinal Christoph Schönborn.

Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene erst in letzter Woche Thema

Der Österreicher moderiert das Gespräch der hochkarätigen deutschen Sprachgruppe. Besonders ihre Ergebnisse in der kontroversen Frage des Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene werden mit Spannung verfolgt. Reformbefürworter, allen voran Kardinal Walter Kasper, treffen in der Debatte auf Ablehner unter Glaubenspräfekt Gerhard Ludwig Müller. Der Kardinal ist gleichzeitig Gastgeber der Runde, die im Renaissancebau seiner Behörde neben dem Petersplatz tagt. Ob sich daraus ein «Heimvorteil» ergibt, scheint ungewiss. Laut Arbeitspapier steht das Thema erst in der letzten Synodenwoche an.

Noch ist in Rom von leidenschaftlichen Flügelkämpfen wie bei der Vorgängersynode wenig zu spüren. Gleichzeitig sickerte durch, dass Papst Franziskus in seiner überraschenden Kurzrede am Dienstag die Synoden vor einer «konspirativen Hermeneutik» warnte – zu deutsch: der Beförderung von Verschwörungstheorien. Erzbischof Chaput dazu: «Es gibt immer Gruppenbildungen bei Synoden. Das sollten die Medien nicht skandalisieren. Die Leute haben Liebe zur Kirche im Herz.» (cic)

 

Bischöfe und Kardinäle auf dem Weg zur Synode | © 2015 Andrea Krogmann
7. Oktober 2015 | 17:44
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