Papst Franziskus winkt Gläubigen in Tacloban (Philippinen) zu, 17. Januar 2015
International

Papst in Manila: Tränen eines Kindes und Grossgottesdienst

Manila, 18.1.15(kath.ch) Mit einer grossen Messe in Manila hat Papst Franziskus am Sonntag sein Besuchsprogramm auf den Philippinen beendet. Vor Hunderttausenden im Rizal-Park verlangte er mehr Einsatz für Kinder.

Man dürfe nicht zulassen, dass sie «ihrer Hoffnung beraubt und dazu verurteilt werden, auf der Strasse zu leben». Zugleich verurteilte er «heimtückische Angriffe» auf die Familie sowie «kurzlebige Vergnügungen».

Wegen strömenden Regens hatte der Gottesdienst eine halbe Stunde früher begonnen. Das Veranstaltungsgelände von einem halben Quadratkilometer fasst nach üblichen Schätzungen etwa eine Million Menschen. Über Video-Leinwände wurde der Gottesdienst auch in anliegende Strassen übertragen. Philippinische Behörden sprachen von drei Millionen Teilnehmern.

Die rund 80 Millionen philippinischen Katholiken rief der Papst auf, Verantwortung für den ganzen Kontinent wahrzunehmen. Die Philippinen seien «das führende katholische Land» in Asien; seine Gläubigen seien berufen, «hervorragende Missionare des Glaubens in Asien» zu sein.

Zum Schluss des Gottesdienstes, der am Nachmittag stattfand, entzündeten die Menschen ungeachtet des Regens Kerzen als Zeichen ihrer missionarischen Sendung.

«Kurzlebige Vergnügen, oberflächlicher Zeitvertreib»

Franziskus mahnte in der Predigt erneut auch zu sozialer Gerechtigkeit und prangerte Korruption an. Alle müssten am «Aufbau einer Welt der Gerechtigkeit, der Rechtschaffenheit und des Friedens» mitwirken. Zugleich warnte der Papst die Philippiner vor Glücksspiel und Alkohol. Der Teufel locke die Menschen «mit dem Köder kurzlebiger Vergnügen, oberflächlichen Zeitvertreibs».

An der musikalischen Gestaltung wirkte ein Chor von mehr als 1.000 Sängern, 120 professionellen Instrumentalisten und 60 Mitgliedern von Jugendorchestern mit. Die Kommunionausteilung erfolgte durch 5 000 Geistliche. Trotz des Andrangs vermeldeten Rettungsdienste und offizielle Stellen bis zum Schluss der Veranstaltung keine schweren Zwischenfälle.

Nach der Messe absolvierte der Papst ausserplanmässig eine Rundfahrt auf dem Gelände. Dabei trug er wieder ein gelbes Regencape. Als Gefährt diente ein zum Papamobil umgerüstetes Jeepney, ein traditionelle philippinischer Kleinbus.

Persönliche Begegnungen

Vor dem Gottesdienst war Franziskus in der Nuntiatur mit dem Vater der jungen Frau zusammengetroffen, die tags zuvor nach der Papstmesse in Tacloban verunglückt war. Die Begegnung dauerte rund 20 Minuten. Die Getötete, eine 27-jährige Mitarbeiterin der US-Hilfsorganisation «Catholic Relief Service», war am Samstag nach einem Gottesdienst von im Sturm herabfallenden Teilen der Lautsprecheranlage getroffen worden.

Franziskus selbst hatte laut Vatikansprecher Federico Lombardi um Kontakt zu der Familie gebeten. Auch bei einem Treffen mit mehreren tausend Jugendlichen am Sonntagmorgen in der katholischen Universität von Manila ging er auf den Vorfall ein und betete mit den Anwesenden für die Verstorbene.

Tränen in den Armen des Papstes

Ein weiterer bewegender Moment in der Thomas-von-Aquin-Universität war ein Beitrag der zwölfjährigen Glyzelle Palomar, die dem Papst von ihrem früheren Leben als Strassenkind zwischen Drogen und Prostitution berichten sollte. Nach wenigen Sätzen unterbrach sie und fragte unter Tränen: «Warum lässt Gott das zu?» Darauf nahm Franziskus sie in den Arm. «Lasst uns lernen, zu weinen wie sie», sagte der Papst. Wer nicht lerne, laut zu klagen, könne kein guter Christ sein.

Am Montagmorgen fliegt der Papst von Manila zurück nach Rom. Seine Reise hatte am vergangenen Dienstag mit einem zweitägigen Aufenthalt in Sri Lanka begonnen. Es war die siebte Auslandsreise seiner Amtszeit und bereits die zweite nach Asien. (kna)

Papst Franziskus winkt Gläubigen in Tacloban (Philippinen) zu, 17. Januar 2015 | © KNA
18. Januar 2015 | 11:44
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Kirche auf den Philippinen

Die Philippinen sind ausser dem kleinen Osttimor das einzige asiatische Land mit katholischer Bevölkerungsmehrheit. Rund 82 Prozent der knapp 100 Millionen Philippiner gehören der römischen Kirche an. 333 Jahre spanische Kolonialherrschaft haben den katholischen Glauben tief in der Gesellschaft verwurzelt. Der starke Volksglaube widerstand auch dem Versuch einer Protestantisierung nach Übernahme des Archipels durch die USA 1898. Heute wirken auf den Philippinen 131 Bischöfe und mehr als 9 200 Priester; es gibt rund 3 300 Gemeinden.

Stark engagiert ist die philippinische Kirche im Bereich Bildung und Armenfürsorge. Hier ersetzt sie den fehlenden Sozialstaat und sorgt für eine starke Bindung der Menschen an die Institution. Eine grosse Rolle für das kirchliche Leben spielen auch die Basisgemeinden. In der Armutsdebatte zeigten sich aber immer wieder Gräben zwischen konservativen und eher befreiungstheologischen Positionen.

Grösste Bedeutung misst der Vatikan der philippinischen Kirche für die Evangelisierung Asiens bei. Aus dem ganzen Kontinent kommen angehende Kirchenmitarbeiter zum Studium ins Land und kehren als Missionare zurück. Trotz säkularer Verfassung besitzt die katholische Kirche starken Einfluss auf das politische Leben. Der erfolgreiche Kampf gegen die Marcos-Diktator 1986 ging entscheidend auf ihr Konto. Im Konflikt mit den islamischen Separatisten auf der Insel Mindanao erfüllt sie für die Regierung eine wichtige Vermittlerrolle.

Politische Verflechtungen

Wiederholt musste sich die Kirche aber auch dem Vorwurf einer zu grossen Nähe zur Macht stellen. Für Empörung sorgte 2011 ein Korruptionsskandal um die frühere Präsidentin Gloria Arroyo, in den mehrere Bischöfe verwickelt waren. Boden verliert die Kirche derzeit im Bereich Familienpolitik und Sexualmoral. Gegen die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung stemmte sie sich 2012 vergeblich gegen ein Reproduktionsgesetz, das unter anderem eine staatliche Verteilung von Verhütungsmitteln vorsieht. (kna)