«Auch der Priester muss ein Konzelebrant werden»

Die Menzingerschwester Claire-Marie über die Priesterweihe von Ordensfrauen

Bulle, 27.4.12 (Kipa) Was wäre, wenn Ordensfrauen zu Priesterinnen geweiht würden? Diese Frage hat die Presseagentur Kipa im Rahmen ihrer Serie «Was wäre, wenn …?» der in Bulle FR lebenden Menzingerschwester Claire-Marie Jeannotat gestellt. Die 89-Jährige antwortet aufgrund ihrer Erfahrungen: «Auch der Priester muss ein Konzelebrant werden.»

Für den Blog «Katutura – clairemarie.blog.24heures.ch», den sie von der Niederlassung der Menzigerschwestern in Bulle aus betreibt, erhält die Ordensfrau den mit 1.000 Franken dotierten Good-News-Preis 2012 der Kommission für Kommunikation und Medien der Schweizer Bischofskonferenz.

Die heute bald 90-jährige Dame blickt kritisch auf die Entwicklung der Kirche zurück und meint, in dem sie an ihre Kindheit zurück denkt: «Durch sein Vorbild war mir weniger der Dorfpfarrer ein Beispiel für ´Priestersein´ als vielmehr mein Vater, der sich für seine Familie einsetzte.» In der Schule lernte sie zwar den Katechismus und in der Pfarrei Bibelkunde. «Das bewegte uns damals aber wenig. Ich entschied mich, mein Leben in den Dienst der Ärmsten zu stellen und trat darum den Menzingerschwestern bei in der Absicht, nach Afrika zu gehen.»

Sie ging nach Südafrika. Dort arbeitet sie mit irischen Schwestern zusammen. Durch diese wurde sie auf die Bedeutung der Religion im damaligen Apartheidsystem aufmerksam. Es gab eine Kirche, welche mit dem Unrechtssystem Hand in Hand ging. Sie unterrichteten Religion und wurden dabei vom Bischof kontrolliert. Die Antworten, die die Ordensfrauen im Namen der Kirche gaben, «waren nicht die unseren», sagt Schwester Claire-Marie rückblickend.

Aufgrund ihrer Anfragen an sich selber und ihres Kampfes für eine befreiende Religion fühlten sich die Ordensfrauen innerhalb der Kirche «marginalisiert». «Wir waren aber zahlreicher, als wird damals dachten», erzählt die Ordensfrau.

Kirche muss sich wandeln

Unter den Ordensfrauen war die Weihe von Mitschwestern zu Priesterinnen kein Thema. Auch nicht im Mutterhaus in Menzingen, als Schwester Claire-Marie Jeannotat nach ihrer Rückkehr aus Afrika dort lebte. Sie habe auch nie den Wunsch verspürt, Priesterin zu werden.

Eine «Arena» des Schweizer Fernsehens widmete vor Jahren dem Thema eine Sendung. In dieser trat eine Menzingerschwester auf. Sie wurde auf die Weihe von Ordensfrauen zu Priesterinnen direkt angesprochen und antwortete: «In der Situation, wie sich die Kirche heute präsentiert, möchte ich es nicht werden.»

Was die Menzingerschwester damals in der Arena sagte, nämlich, dass die katholische Kirche sich wandeln muss, ist heute nach wie vor von ganz grosser Aktualität, betont Schwester Claire-Marie. Als Jesus sich beim letzten Abendmahl an die Jünger wandte und sagte, führt weiter, was ich begonnen habe, «meinte er damit nicht nur die Jünger, sondern alle Menschen». Das Priestersein darf nicht Merkmal einer Hierarchisierung sein, denn dann ist das Amt mit Macht verbunden, «und entspricht nicht der Botschaft Jesu». Wenn die Ordensfrauen um den Altar mit dem Priester zusammen stehen, dann sind sie Konzelebrantinnen. Schwester Claire-Marie: «Auch der Priester muss ein Konzelebrant werden.»

Bei diesem Text handelt es sich um die gekürzte Fassung eines Beitrags zur Serie «Was wäre wenn…?», der im Kipa-Dienst erschienen ist. In dieser Serie stellt die Presseagentur Kipa ungewohnte Fragen, die sich zwischen Schrägheit und Vision bewegen. Sie sollen Anlass sein, Gegebenes einmal von einer ungewohnten Seite her zu betrachten und damit auf lustvolle Art zum Nachdenken anzuregen.

Hinweis für Redaktionen: Zu diesem Beitrag sind kostenpflichtige Bilder erhältlich. Bestellungen sind zu richten an: kipa@kipa-apic.ch. Honorare für Nutzungsrecht: Erstes Bild CHF 80.-, ab dem zweiten Bild zum gleichen Anlass CHF 60.-.

(kipa/gs/pem)

27. April 2012 | 13:03
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