Resilienz-Kalender 2020

12. Dezember: Mit Wasserfarben ein Bild malen

Irene Gassmann (55) leitet das Benediktinerinnen-Kloster Fahr. Sie wehrt sich gegen Advents-Kitsch – und findet am ehesten Besinnung unterm Sternenhimmel. Oder sie greift zum Pinsel und meditiert zu Silja Walter.

«Kraft und Halt finde ich vor allem bei meinen Mitschwestern. Ich bin nicht allein – dieses Gefühl schenkt einem die Klostergemeinschaft.

Ich mag die Advents-Liturgie. Die Antiphonen und Hymnen helfen mir, mich auf das Geheimnis von Weihnachten vorzubereiten.

Irene Gassmann

Ich mag auch die Rorate-Gottesdienste. Wir mussten sie coronabedingt leider absagen, weil sonst die Kirche übervoll wäre. Wir überlegen gerade, ob wir unter uns Rorate feiern sollen – unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Freie Zeit als Luxus

Ansonsten mag ich den Advent lieber schlicht. Zu viele Kerzen oder gar ein Lichtermeer sind mir fremd. Das wird schnell kitschig. Die Adventszeit ist schon überladen genug. Das müssen wir nicht noch mit äusseren Reizen verstärken.

Was ich besonders schätze: In der Adventszeit haben wir mittwochs und freitags Zeit zur freien Verfügung. 45 Minuten nur für sich zu haben – für eine Priorin ist das ein seltener Luxus.

Irene Gassmann

Malen für die Konzentration

Am liebsten gehe ich raus in den Garten und beobachte den Sternenhimmel. Oder ich lese einen Text von einer meiner Vorgängerinnen, von Silja Walter. Sie hat etwa von einem horchenden Hügel und wachenden Prophetenbäumen gesprochen.

Dann versuche ich, dieses Bild umzusetzen – auf Papier mit Wasserfarben. Ich bin keine Künstlerin, aber mir hilft es, mich auf ein Bild zu konzentrieren. Ich freue mich sehr auf diese seltenen Momente, wenn ich in meiner Zelle in Stille bin.» (Aufgezeichnet rr.)

Malen als meditative Übung. | © Lolame/Pixabay
12. Dezember 2020 | 00:00
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