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Erster Zwischenbericht zum «Raiffeisenprojekt» des KAB-Sozialinstituts   

Was macht Unternehmen ethisch gut?

Benigna Wäffler, Thomas WallimannBenigna Wäffler, Thomas Wallimann
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tw. Gute Unternehmen gibt es viele - und die Kriterien für «gut» können von eingehaltenen Umweltstandards bis zu erreichten Zielen wie etwa Gewinnmargen reichen. Was aber macht ein Unternehmen zu einem «ethisch guten» Unternehmen? Und warum ist ausgerechnet der ethische Aspekt so wichtig?
Diesen Fragen gehen Benigna Wäffler und Thomas Wallimann-Sasaki im Rahmen ihres von der Raiffeisenstiftung mitfinanzierten Sozialinstituts-Projekts nach (siehe Kasten). Die ethische Sicht auf ein Unternehmen nimmt zum einen wahr, dass die Geschäftswelt von Werthaltungen und Einstellungen geprägt ist, die nicht aus der Wirtschaft selber stammen. Vorstellungen von «gut» und «richtig» werden zwar durch wirtschaftliche Theorien und durch unternehmerisch tätige Menschen, aber ebenso auch durch den Staat und gesellschaftliche Bewegungen ins konkrete Wirtschaften hineingetragen. Und sie fliessen von dort auch wieder zurück und beeinflussen das Handeln von Menschen und die Gesellschaftsgestaltung. Zum andern verbindet sich in diesem Projekt die ethische Sicht auch mit Ansprüchen, die normative Geltung haben: Das Beurteilungsraster umfasst konkret, was als gut und richtig zu gelten hat. Dies bedeutet zum Beispiel, dass der Mensch in seiner Würde geachtet werden muss. Dabei wird nicht nur gefragt, ob dies in einer Firma der Fall ist, sondern auch wie dies vorbildliche Unternehmen konkret machen. Eine ethische Sicht kann den Blick auf Bereiche werfen, die einer rein ökonomischen Sicht verborgen bleibt. Sie kann nach dem Sinn und dem Ziel des Wirtschaftens selber fragen und diese an Vorstellungen messen, die ein Zusammenleben zum Wohl aller als Ziel haben.

Integritätsmanagement
Ausgangspunkt ist dabei die Theorie des Integritätsmanagments, wie es von Prof. Peter Ulrich und seinen Mitarbeitenden am Institut für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen entwickelt worden ist. Integritätsmanagement besagt letztlich nichts anderes, als dass in einem Unternehmen die idealistischen Werte und die tatsächliche Lebenspraxis bezüglich der ethischen Haltung und dem Handeln des Managements übereinstimmen müssen.
Dieser Ansatz konkretisiert Ulrich in vier Punkten: Erstens muss ein Unternehmen (interne) Prinzipien und Werte (‘Priniciples’) haben, die uneingeschränkt und bedingungslos eingehalten und fortgeschrieben werden. Zweitens sollte sich ein Unternehmen seiner «politischen Funktion» (‘Policies’) bewusst sein: Unternehmen tragen eine sozial-politische (Mit)Verantwortung, der sie sich als «ethisch gutes» Unternehmen nicht entziehen dürfen. Und diese Verantwortung wird von einem Unternehmen sowohl gegenüber dem Staat wie auch gegenüber der Gesellschaft übernommen und getragen.
Der dritte Punkt sind Prozesse (‘Process’): Das Management sollte sich intern wie extern mit den eigenen Werten und Prinzipien auseinandersetzen, sie reflektieren und vor allem auch im Unternehmen umsetzen (implementieren). Dies kann beispielsweise durch Ethische Kodizes geschehen – oder indem offen dargelegt wird, was der Sinn eines Produktes ist, wo und unter welchen Bedingungen es hergestellt wird.
Der vierte Punkt wird unter dem Begriff «Menschen» (‘People’) zusammengenommen: Er fordert von einem Unternehmen, dass nicht nur das Management sich um die Einhaltung der Prinzipien und Werte gegen aussen, also für die Öffentlichkeit, bemüht, sondern dass diese Integrität auch für alle Mitarbeitenden geltend gemacht wird! Denn der Mensch darf – auch unternehmerisch –nicht Mittel (zum Zweck) sein, sondern soll uneingeschränkt im Mittelpunkt stehen.

Ohne Wenn und Aber
Bedingung für das Erreichen und Aufrechterhalten dieser vier entscheidenden Punkte ist, dass ein Unternehmensmanagement grundlegende ethische Werte und Prinzipien ohne Wenn und Aber durchsetzen und einhalten will. Ausserdem ist es unabdingbar, dass das Unternehmen diese Werte selbst vor-lebt: Die aufgestellten Prinzipien müssen unabweichlich aus der Unternehmensführung heraus selbst gelebt werden. Dazu gehört die Dauerherausforderung, sie im täglichen Handeln beständig und immer wieder aufs Neue zu konstituieren und zu pflegen. Es muss klar sein, weshalb das Unternehmen so handelt und wie es handelt: Dafür ist eine sorgfältige, offene und permanente Kommunikationskultur notwendig.

Im Firmenalltag leben
Nach dem Ermitteln und dem Studium bestehender ethischen Grundlagen hat das Projektteam Benigna Wäffler und Thomas Wallimann-Sasaki nun persönliche Gespräche mit Verantwortlichen in verschiedenen mittelgrossen Unternehmen geführt. Dabei konnten viele konkrete Elemente und Ansätze gefunden werden, wie sie Peter Ulrich erwähnt. Denn Integrität soll nicht ein theoretischer Anspruch bleiben, sondern vor allem ein praktischer Ansatz werden. Die Gespräche zeigen aber auch, dass es in einem Unternehmen zu einem beträchtlichen Teil auch auf die Persönlichkeiten und Hintergründe der Verantwortlichen ankommt, wie gut ein Unternehmen ethisch geführt wird. Dahinter steht insbesondere auch die Motivation der unternehmerischen Tätigkeit. Die Empfehlungen, die an jene weiter gegeben werden, die selber auch ethisch gut sein wollen, lassen schon jetzt erkennen, dass der Umgang mit den Menschen im ganz alltäglichen Arbeitsumfeld eine entscheidende Rolle spielt.


Umsetzungshilfen durch Sozialinstitut

In der weiteren Projektarbeit wird es darum gehen, diese Bereiche noch vertiefter anzuschauen und darauf aufbauend jenes Mittel zu entwerfen, das für unternehmerisch tätige Frauen und Männer die beste Hilfe leistet, selber ethisch gut ein Unternehmen zu führen. Dabei wird dem Persönlichkeitsaspekt und der Unternehmensmotivation besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Projekt «Unternehmensethik»
Das Projekt «Unternehmensethik: Mittel zum Zweck?» ist ein Forschungs- und Bildungsprojekt des KAB-Sozialinstituts. Es hat zum Ziel, Grundlagen und Umsetzungshilfen für einen lebensnahen und sozial nachhaltigen Umgang in Firmen zu erarbeiten, die auch unternehmerisch zum Erfolg beitragen. Das Projekt, das der Sozialinstitutsleiter Thomas Wallimann-Sasaki zusammen mit der Germanistik- und Theologiestudentin Benigna Wäffler erarbeitet, wird von der Raiffeisenjubiläumsstiftung zur Förderung der Ehtik in der Wirtschaft mitfinanziert.
Mehr zum KAB-Sozialinstitut unter: www.sozialinstitut-kab.ch

KAB-Sozialinstitut, 22.09.2009

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Freitag, 3. September 2010, 05:01:09
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