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«Jubla»: Eine Lebensschule feiert Geburtstag   

Markus Büchel, Geri Müller
Mit einem grossen Fest feiern 10´000 Kinder und Jugendliche am 9. und 10. Juni auf der Allmend in Luzern das 75-Jahr Jubiläum von Jungwacht und Blauring. Der St. Galler Bischof Markus Büchel - selber jahrelang Präses einer Schar - blickt mit grosser Freude auf diesen Anlass. Viele Freundschaften, die er als Verbandspräses geknüpft habe, hätten bis heute gehalten. Auch Geri Müller, Nationalrat der Grünen Aargau, spricht Klartext: «Die Jubla war meine beste Lebensschule».

Kirchenmann und Politiker sind sich einig: Die Zeit bei Jungwacht und Blauring, kurz «Jubla», hat ihr Leben geprägt. «Jubla verdanke ich meine Karriere viel mehr als der Schule», erzählt Geri Müller. «Bereits mit 14 Jahren habe ich eine eigene Gruppe geleitet und gelernt, Verantwortung zu übernehmen.» Besonders gerne erinnert sich Müller an die Mädchen-Knaben-Tage in den Lagern. Dann hätten die Kinder jeweils ohne Leiter den Tag gestalten müssen. Unvergesslich auch eine Situation im Wallis: «Kinder und Leiter tranken aus dem gleichen Brunnen. Dies führte dazu, dass ab der zweiten Lagerwoche alle mit Durchfall im Bett lagen».

Kinder und Jugendliche lernen Verantwortung

75 Jahre «Jubla»:
St. Galler Bischof vom Jugendverein überzeugt
Originalton des Bischofs in einem Lokalradiobeitrag von Roger Fuchs (www.fuchsmedien.ch)
Der heutige St. Galler Bischof Markus Büchel ist nicht als Kind, sondern als Erwachsener zur Jungwacht gestossen. Als Vikar wirkte er in den Pfarreien St. Gallen-Neudorf und in der Dompfarrei mehrere Jahre als Präses. Dabei gehörte es zu seiner Aufgabe, die jungen Leiter zu unterstützen und zu begleiten. «Um den Jugendlichen Erfahrungen zu ermöglichen, liess ich sie auch mal gewähren, wenn ich ein ungutes Gefühl hatte», erzählt Büchel. Konkret erinnere er sich an eine Situation, bei der das Leitungsteam mit der Schar biwakieren wollte. Büchel: «Doch sie waren schlecht ausgerüstet. Und tatsächlich, nach Mitternacht mussten wir die Übung abbrechen.»

Auch wenn es mit dem Zelten nicht immer geklappt hatte, das Herzblut des Bischofs schlägt bis heute für den grössten katholischen Jugendverein. Kinder bekämen hier die Chance, Freundschaften aufzubauen und Gemeinschaft zu pflegen. «Bedeutungsvoll finde ich auch, dass Kinder und Jugendliche hier lernen, Verantwortung zu übernehmen», meint Büchel.

Politiker Geri Müller sieht die grösste Qualität der «Jubla» darin, dass diese nicht das Ziel verfolge, Weltmeister zu werden. «Der ‹Jubla› werden keine externen Ziele aufgedrängt, sondern die Ziele setzen bei den Kindern an», so Müller. Mit dem Einüben von Zusammenarbeit, der Möglichkeit von Partizipation und Kreativität werde ein bewusster Gegenpol zur Entwicklung in der Welt gesetzt.

Keine zu hohen Erwartungen an die Kirchlichkeit stellen

Ranfttreffen - «Jubla»-Besinnungsnacht
im Advent
Anlässlich des 75-Jahr Jubiläums hat der St. Galler Bischof allen Leitungsteams im Bistum St. Gallen einen Brief geschickt. Er wolle damit einerseits gratulieren, andererseits aber auch seine Anerkennung für den grossen freiwilligen Einsatz zum Ausdruck bringen.

Nicht alle kirchlichen Kreise könnten diesen Brief so einfach unterschreiben wie Büchel. In den letzten Jahren wurde verschiedentlich Kritik laut, die Jugendlichen in den kirchlichen Jugendverbänden wären zu wenig kirchlich und würden sich nur selten in der Kirche zeigen. Markus Büchel sieht diese Spannung. «Das ist ein gesellschaftliches Phänomen», sagt der Bischof. «Junge Menschen sind generell nur wenig in den Gottesdiensten vertreten. Gerade Verbände wie die Jubla bieten aber die Chance, spirituelle Erlebnisse den jungen Menschen beispielsweise in Lagern näher zu bringen.» Die Erwartungen an die Engagierten dürften aber grundsätzlich nicht grösser sein als an die Passiven.

Künftig mehr politisches «Jubla»-Engagement

Mit einem grossen Fest wird am 9. und 10. Juni in Luzern der 75. Geburtstag von Jungwacht und Blauring gefeiert. «Trotz hohen Alters haben wir keine Abnutzungserscheinungen», sagt die Kommunikationsbeauftragte Denise Pfammatter. «Im Gegenteil: Wir haben in den letzten Jahren Mitglieder dazu gewonnen. Auch künftig wollen wir wachsen». Ausserdem sei es ein Ziel, sich vermehrt zu gesellschaftspolitischen Entwicklungen zu äussern. Das freut Nationalrat Geri Müller. «Wir sind zurzeit an einer ernsthaften Diskussion zum Thema ‚Stimmrechtsalter Null’. Wir fragen uns, wann die Wahlfähigkeit anfängt». Bei solchen Debatten sind Kontakte zu Ehemaligen, aber auch zur heutigen Jubla wertvoll.»

Derselben Meinung wie Bischof Markus Büchel und Nationalrat Geri Müller ist auch der überwiegende Teil der Bevölkerung. Das ergibt zumindest die «Tagesfrage» der «Aargauer Zeitung» vom 06.06.07. Auf die Frage: «Blauring, Jungwacht, Pfadi: Sind diese Jugendorganisationen noch zeitgemäss?» haben über 85 Prozent der Abstimmenden im Internet mit «Ja, geben Jungen Halt» geantwortet. Zu finden unter 06.06.07: azonline.ch.
(rf)

kath.ch, 10.06.2007


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