Die "Queerbibel", aufgelegt in der Peterskapelle während der Pride in LUzern, August 2025
Schweiz

Die Queerbibel in der Luzerner Peterskapelle wurde erneut gestohlen

In der Luzerner Peterskapelle ist zum wiederholten Male die Queerbibel entwendet worden. Ein queer- und minderheitenfeindlicher Akt, der aufhorchen lässt.

Wolfgang Holz

Mentari Baumann, Geschäftsführerin der «Allianz Gleichwürdig Katholisch» (AGK) und Mitautorin der queeren Bibel, sowie Meinrad Furrer, Teamleiter der Peterskapelle, zeigen sich betroffen – geben sich aber weiter kämpferisch.

Die Peterskapelle – in der Altstadt Luzern und am Ufer der Reuss
Die Peterskapelle – in der Altstadt Luzern und am Ufer der Reuss

«Dieser Diebstahl macht mich traurig und zeigt, dass in Sachen Queertoleranz innerhalb und ausserhalb der Kirchen noch einiges im Argen liegt», sagt Mentari Baumann gegenüber kath.ch. Die 32-Jährige ist Geschäftsführerin der AGK, die für eine gleichberechtigte, glaubwürdige und solidarische römisch-katholische Kirche kämpft.

Auf Videoaufnahmen ist Dieb zu sehen

Seit Jahren setzt sie sich für die LGBTQ-Gemeinschaft und für die Rechte und Interessen queerer Menschen ein. Sie hat auch die Queerbibel zusammen mit dem Theologen Meinrad Furrer initiiert.

«Das ist ein gemeinsames Herzensprojekt von Meinrad Furrer und mir. Die Texte in der Queerbibel sind online abrufbar, können aber nicht mehr in der physischen Version angeschaut werden.»

Mentari Baumann, Geschäftsführerin der kirchlichen Reformbewegung «Allianz Gleichwürdig Katholisch», die sich für Gleichberechtigung in der Kirche einsetzt
Mentari Baumann, Geschäftsführerin der kirchlichen Reformbewegung «Allianz Gleichwürdig Katholisch», die sich für Gleichberechtigung in der Kirche einsetzt

Die Queerbibel in der Luzerner Peterskapelle sei vor zwei Wochen gestohlen worden, berichtet Mentari Baumann. Man habe Anzeige erstattet. Auf Videoaufnahmen sei zu sehen, dass die Person, die die Queerbibel gestohlen habe, nicht die Absicht zeige, das Buch zu besitzen, sondern wolle, dass das Buch «einfach wegkommt», so Baumann.

«Wir werden uns deshalb aber in unserem Engagement nicht einschüchtern lassen, sondern weiterkämpfen.»

«Wir werden uns deshalb aber in unserem Engagement nicht einschüchtern lassen, sondern weiterkämpfen.» So ein Diebstahl lasse sich leider nicht komplett verhindern, weil die Kirche ja offenstehe für Gläubige und Besuchende.

Projekt von queeren Christinnen und Christen

Die Queerbibel ist laut Mentari Baumann ein Projekt von queeren Christinnen und Christen und für alle, die einen queeren Zugang zur Bibel suchen. Zudem interpretiere sie queerfeindliche Texte in einem zeitgenössischen Kontext, so Mentari Baumann.

Die Bibel funktioniere dabei so, dass auf transparenten Blättern gedruckt queere Nacherzählungen über die Texte der Bibel gelegt werden. «Die Queerbibel wird laufend mit neuen Texten ergänzt», so Baumann.

Meinrad Furrer hält den EInband der Queerbibel in die Kamera
Meinrad Furrer hält den EInband der Queerbibel in die Kamera

«So wird deutlich, wir schreiben keine neue Bibel, sondern holen einfach queere Aspekte aus den Texten. Wir haben die Bibel bei der Neugestaltung mit einigen neuen Interpretationen ergänzt», sagt Baumann.

Auf der Website gleichwuerdig.ch können die queeren Auslegungen der Bibel heruntergeladen werden. Wer mitschreiben möchte, findet auf der Website die nötigen Informationen.

Flyer zerrissen, Plakate entwendet

Die Queerbibel wurde bereits letzten Sommer erst verunstaltet, dann gestohlen. Nun ist sie erneut geklaut worden. Rund um die Pride Zentralschweiz hat es offenbar neue Vorfälle gegeben.

«Flyer wurden zerrissen, Plakate entwendet, Inventar beschädigt. Und auch die Queerbibel wurde nun wieder gestohlen», wie Meinrad Furrer in einem Interview mit dem regionalen Online-Medium «Zentralplus» erklärt.

Meinrad Furrer vor der Peterskapelle in Luzern
Meinrad Furrer vor der Peterskapelle in Luzern

Die Luzerner Peterskapelle am Kapellplatz macht immer wieder mit progressiven Aktionen und Veranstaltungen auf sich aufmerksam. Auch Hassbotschaften wurden bei den jüngsten Vorfällen im Gästebuch der Luzerner Peterskapelle hinterlassen, wie Furrer berichtet. In einem längeren Beitrag habe jemand geschrieben, warum Homosexualität eine «schwere Sünde» sei.

Schutzbedürftige Menschen unterstützen

«Wir lassen uns aber nicht unterkriegen», so der 60-Jährige im Interview mit «Zentralplus». Seiner Meinung nach vermischen sich Religiosität, rechte Ideologien und Nationalismus immer stärker. Dabei sei es eine uralte christliche Tradition, schutzbedürftige Menschen zu unterstützen.

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«Alle queeren Menschen stellen sich die Frage, ob sie so sein dürfen, wie sie sind. Ihre Identitäten, ihre Lebensformen gilt es zu akzeptieren. Die Kirche kann ihnen dabei über die Seelsorge helfen», unterstreicht Furrer.

«Die Freiheit wird am Ende siegen.»

Dass der neue Papst Leo XIV. für Reformen nicht mehr so offen zu sein scheine wie sein Vorgänger Franziskus, findet er «sehr frustrierend». Der Vatikan könne aber nicht alle progressiven Stimmen zum Schweigen bringen. Furrer: «Die Freiheit wird am Ende siegen.»


Die «Queerbibel», aufgelegt in der Peterskapelle während der Pride in LUzern, August 2025 | © Sabine Zgraggen
1. Oktober 2025 | 16:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
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