Ines Schaberger und Ruedi Heim heissen die neuen katholischen «Wort zum Sonntag»-Gesichter. Der Druck auf Kurienkardinal Kurt Koch nimmt zu. Von Donnerstag bis Sonntag öffnen Klöster im Bodensee-Raum ihre Pforten.
Raphael Rauch
Nach Veronika Jehle lernt das Schweizer TV-Publikum bald eine zweite österreichische Theologin kennen: Ines Schaberger (29). Sie hat in Wien, Freiburg i.Ü. und Chur Religionspädagogik und Theologie studiert – und wird vom 22. Oktober an das «Wort zum Sonntag» im Schweizer Fernsehen sprechen.
Ines Schaberger freut sich auf die Herausforderung, «möglichst knapp und für eine breite Allgemeinheit etwas zu sagen, was die Menschen inspiriert, ermutigt und vielleicht auch herausfordert», verrät sie im kath.ch-Interview.
Der zweite katholische «Wort zum Sonntag»-Sprecher ist der Berner Pfarrer Ruedi Heim (54). Für viele gilt er als episkopabile – als möglicher Anwärter für das Amt des vakanten Weihbischofs. Ruedi Heim versteht sich bestens mit seinem Vorgesetzten, Bischof Felix Gmür. Die beiden reisen gemeinsam in die Skiferien und tauschen sich auch sonst eng aus. Ist das nicht anstrengend, Kummerkasten des Bischofs zu sein? Ruedi Heim winkt im Gespräch mit kath.ch ab: «Wir reden oft über andere Sachen.»
Nach der Causa Monika Schmid sorgt ein Schweizer Kirchenvertreter erneut international für Schlagzeilen. Und zwar Kurienkardinal Kurt Koch. Blutgrätschen sind in kirchenpolitischen Debatten nichts Ungewöhnliches. Dass der Ökumene-Minister, der auch für den Dialog mit den Juden zuständig ist, allerdings die Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis braucht, um innerkatholisch Stimmung zu machen, halten viele für ökumenisch und interreligiös wenig sensibel.
Und etwas selbstgefällig klingt Kochs Erklärung für das kommunikative Desaster: «Ich muss wahrnehmen, dass Erinnerungen an Erscheinungen und Phänomene in der nationalsozialistischen Zeit in Deutschland offensichtlich tabu sind.» Interessant.
Heisst es sonst nicht immer wieder, die Deutschen seien nach den bleiernen Jahren der «Vergangenheitsbewältigung» Weltmeister in Sachen Aufarbeitung? Für Koch steht fest: Nicht er, sondern die Deutschen sind das Problem. Vielleicht auch deshalb nahm er nicht am Empfang der deutschen Botschaft am Heiligen Stuhl in Rom anlässlich des Tages der Deutschen Einheit teil. (Auch der deutsche Nuntius in Bern, Erzbischof Martin Krebs, war nicht bei seinen Landsmännern, um den deutschen Nationalfeiertag zu feiern.)
Dafür wird am heutigen Dienstag eine deutsche Synodale in Rom Kurt Kochs Anschuldigungen zurückweisen – und zwar Professorin Kreuter-Kirchhof.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat unmissverständlich klar gemacht, dass er von Kurt Koch eine richtige Entschuldigung erwartet. In die Debatte hat sich mittlerweile auch die deutsche und israelische Regierung eingeschaltet.
Der deutsche Antisemitismusbeauftragte Felix Klein stellte gegenüber kath.ch fest: «Dass der Vergleich mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte herhalten muss, um zu einem innerkirchlichen Konflikt Stellung zu beziehen, ist irritierend.»
Und der israelische Botschafter am Heiligen Stuhl, Raphael Schutz, stellte unmissverständlich klar: «Jedes Mal, wenn jemand etwas mit den Geschehnissen in Deutschland während des Nazi-Regimes vergleichen will, muss man sehr vorsichtig sein und gründlich nachdenken, denn man läuft Gefahr, die Geschehnisse in den dunkelsten Zeiten zu verharmlosen.»
Wie kath.ch aus sicherer Quelle weiss, sind Kurt Kochs Entgleisungen auch Thema im Staatssekretariat, wo man wenig amused ist. Kurt Kochs Stern jedenfalls scheint zu sinken. Bei der historischen Irak-Reise 2021 musste Koch zuhause bleiben – Papst Franziskus legte keinen Wert auf die Anwesenheit seines Ökumene-Ministers. Für die Ukraine setzt Franziskus auf die Kardinäle Konrad Krajewski und Michael Czerny. Kurt Koch bleibt somit der Mann für die Eiszeit: etwa für die frostigen Beziehungen zur russisch-orthodoxen Kirche.
Unklar ist nach wie vor, ob es dieser Tage zu einer Begegnung zwischen den Streithähnen Georg Bätzing und Kurt Koch in Rom kommt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hält sich seit Sonntag für mehrere Tage zu Gesprächen im Vatikan auf. Ziel ist die Vorbereitung des Ad-limina-Besuchs der deutschen Bischöfe Mitte November.
Zum Auftakt der Missbrauchs-Pilotstudie sagte die Historikerin Monika Dommann, dass auch das Schweigen ein Thema für die historische Forschung sei: «Wir sprechen viel zu wenig über das Schweigen. Dabei sagt das Schweigen oft genauso viel aus wie das Reden.»
Insofern ist spannend, wer zum Kurt-Koch-Komplex schweigt. Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Felix Gmür, nimmt für sich neuerdings in Anspruch, zu agieren – und nicht zu reagieren. Doch in der Causa Kurt Koch tut er beides nicht – sondern duckt sich einfach weg.
Bei allem Verständnis, dass der Bischof von Basel vor einem metaphorischen Vatermord – Kurt Koch hat ihn zum Priester und zum Bischof geweiht – zurückschreckt: Es zeugt von wenig Solidarität, wenn er seinen Mitbruder in Deutschland, Bischof Georg Bätzing, im Regen stehen lässt. Zumal Kurt Koch indirekt auch Bischof Felix Gmür angreift. Schliesslich geht das Bistum Basel mit den Reformplänen des Synodalen Wegs d’accord, wie Bischofsvikar Georges Schwickerath immer wieder betont.
Auch die Jüdisch/Römisch-katholische Gesprächskommission der Schweiz fällt mit beredetem Schweigen auf. Bischof Joseph Bonnemain will sich ebenso wenig zu Kochs Entgleisungen äussern wie Professorin Verena Lenzen, Abbé Alain René Arbez und Walter Weibel. Christian Rutishauser dürfte der Streit um Kochs Benedikt-Aufsatz über den Alten und Neuen Bund noch in den Knochen stecken – auch er zieht es vor, zu schweigen.
Kochs Konsultorin Barbara Hallensleben, die sonst gerne Männer im Gegenwind verteidigt, oder Eva-Maria Faber schweigen ebenfalls eisern. Auch der Religionspädagoge Stephan Leimgruber, der viel zum jüdisch-christlichen Dialog geforscht hat und als Emeritus der LMU München weiss, wie schlecht NS-Vergleiche in Deutschland ankommen, schweigt aus Loyalität zu seinem Mitbruder Kurt Koch. Stephan Leimgruber weilt dieser Tage in Israel – und kündigt gegenüber kath.ch an, eine Botschaft in der Klagemauer zu deponieren.
Aus der Schweiz hat einzig der Freiburger Kirchenhistoriker Mariano Delgado Kurt Koch klar kritisiert. Delgados Gastkommentar für kath.ch gibt auch im Vatikan zu reden, seit eine Übersetzung auf Spanisch vorliegt.
Von Donnerstag bis Sonntag öffnen 23 Klöster im Bodensee-Raum ihre Pforten – im Rahmen der «Klostererlebnistage Bodensee». «Living History» steht dabei ebenso auf dem Programm «wie die gelebte Spiritualität aktiver Klöster», wie der Ankündigung zu entnehmen ist.
Der Bodenseeraum wird etwas grosszügig definiert: Es sind auch Klöster mit dabei, die 100 Kilometer entfernt vom Bodensee liegen wie etwa das Kloster Wiblingen bei Ulm. Dafür gibt es auch direkt am Bodensee gelegene Klöster wie das Kloster Hegne mit der Theodosius-Akademie, die Klosterinsel Reichenau, die Bibelgalerie Meersburg oder die Pallottiner St. Josef in Hersberg.
Auch die Schweiz ist vertreten mit dem Kloster St. Katharinental, der Kartause Ittingen, der Komturei Tobel oder dem Stiftsbezirk St. Gallen. Am Sonntag, 9. Oktober, gibt Felix Ackermann in der Kartause Ittingen eine Führung zum Thema: «Gemeinsam einsam: Einsiedler als Vorbilder».
Was hat es mit der Komturei Tobel auf sich? «Eine Zeitreise erlebt, wer durch die geschichtsträchtigen Häuser und Räume der Komturei zieht. Die ehemaligen bedrückenden Gefängniszellen, der kühle Gewölbekeller, die Gefängniskapelle, der herrschaftliche grüne Salon, die hölzerne Kastenmangel und die Ausstellung im Dachgeschoss lassen Sie vieles entdecken, erfahren und erleben», heisst es in der Ankündigung.
Am Sonntag lädt das Bistum Basel zum «Coming Out Day» nach Biel ein – und zwar um 15 Uhr in die Bruder-Klaus-Kirche. Den Gottesdienst gestalten die Bieler Seelsorgenden Peter Bernd und Elisha Schneider sowie die Mitglieder des Arbeitskreises Regenbogenpastoral, Susanne Andrea Birke, Rebecca Burkhardt und Detlef Hecking.
Der Gottesdienst steht unter dem Gedanken des niederländischen Theologen Huub Osterhuis: «Möge das Teilen des Brotes und des Bechers uns in der Hoffnung stärken, dass eine neue Erde kommen wird, in der Brot und Recht und Liebe ist – genug für alle. Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen.»
Mit Spannung wird erwartet, ob und was sich im Bistum Basel in Sachen Missio für LGBTQ tut. Bislang predigt Bischof Felix Gmür und seine Vollstreckerin Barbara Kückelmann die Quadratur des Kreises, nicht diskriminieren zu wollen, aber LGBTQ trotzdem die Missio zu verweigern.
Wir sprechen von Laiinnen und Laien. LGBTQ mit Priesterweihe können sich fast alles erlauben – so wie im Bistum Basel ja auch niemand genau nachfragt, ob die Haushälterin eines Domherrn wirklich nur eine Haushälterin ist – oder warum die beiden gemeinsam einen Hühnerstall bauen.
Was wäre das «Rauchzeichen» ohne eine Prise Zürcher Lokaltratsch? «Besser», sagen die einen. «Langweiliger», die anderen. Hiermit gratuliere ich dem Priester Stefan Isenecker zu seinem offiziellen Start im Zürcher Generalvikariat. Laut Website ist er «in einem Teilpensum» als Beauftragter des Generalvikars zuständig für die «Seelsorge Gesundheitswesen und Inklusion».
Als erste Amtshandlung könnte er der Frage nachgehen, ob er Mitglied des Fachgremiums Palliative Care der Bischofskonferenz ist oder nicht. Hier wird seine Vorgängerin Tatjana Disteli ein Jahr nach ihrem Ausscheiden immer noch als «Stellenleiterin Spitalseelsorge Zürich» aufgeführt.
Wer nach Indizien für eine Klerikalisierung des Zürcher Generalvikariats sucht, findet diese in der Raumplanung. Obwohl Stefan Isenecker nur «in einem Teilpensum» angestellt ist, beansprucht er für sich ein Einzelbüro. (Die Frage, warum es seine Stelle überhaupt braucht, ist nach wie vor unbeantwortet.)
Seine Vorgängerin Tatjana Disteli hatte trotz Vollzeitpensums mit einem geteilten Büro kein Problem. Und so kommt es, dass der Sprecher des Zürcher Generalvikariats, Arnold Landtwing, das Generalvikariat verlassen und in Richtung Polyterrasse umziehen muss.
«Wir sehen nicht, weshalb eine interne Neuverteilung von Büroflächen, die zudem im besten Einvernehmen alle Betroffenen geschehen ist und die für alle einen Gewinn bedeutet, von öffentlichem Interesse sein sollte. Wir nehmen dazu nicht weiter Stellung», sagt Arnold Landtwing zu kath.ch.
Der Fairness halber sei darauf verwiesen, dass Stefan Isenecker nicht die einzige Teilzeitkraft in Zürich ist, die im Zürcher Hirschengraben ein Einzelbüro hat. Und trotzdem ist es in Zeiten von agilen Arbeitsformen, Coworking-Spaces, Homeoffice und Energiekrisen bemerkenswert, dass Stefan Isenecker mit seinem Wunsch nach einem Einzelbüro einen Retro-Akzent setzt.
Unter Generalvikar Josef Annen wäre das jedenfalls nicht passiert: Er legte grossen Wert, dass sein Sprecher in Rufweite und in den Räumlichkeiten des Generalvikariats bleibt.
Am Sonntag gibt’s neue Heilige. Papst Franziskus spricht den italienischen Bischof und Auswandererseelsorger Giovanni Battista Scalabrini (1839–1905) und den italo-argentinischen Laienbruder Zatti Artemide Zatti (1980–1951) heilig.
Was wird nächste Woche wichtig? Ich freue mich auf Ihren Input an rauchzeichen@kath.ch.
Einen guten Start in den Dienstag und in die verbleibende Woche wünscht Ihnen
Ihr
Raphael Rauch
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/ines-schaberger-ruedi-heim-kurt-koch-was-diese-woche-wichtig-wird/