Die Schweizer Bischöfe kommen in Delémont zusammen. Die Missbrauchskrise ist in der Paulus-Akademie und beim Herbert-Haag-Preis Thema. Am heutigen «Reinen Montag» beginnt in den Ostkirchen die Fastenzeit. Und am Mittwoch läuten landesweit die Glocken für den Frieden.
Raphael Rauch
Von Montag bis Mittwoch haben die Schweizer Bischöfe in Delémont ihre 335. ordentliche Vollversammlung. Zum ersten Mal mit dabei sind Davide Pesenti, der neue Generalsekretär der Schweizer Bischofskonferenz, und Martin Wey, der neue stellvertretende Generalsekretär.
Mit Spannung wird erwartet, welches Zwischenfazit die Bischöfe zum synodalen Prozess ziehen und wie es auf nationaler Ebene nun weitergeht. Dem Vernehmen nach soll die Pastoralkommission der Bischofskonferenz einen Entwurf erarbeiten, der die sechs diözesanen Berichte zusammenfasst.
Diese Synthese soll dann an einer nationalen synodalen Versammlung am 30. Mai 2022 in Bern diskutiert werden. Wer in die synodale Versammlung einbezogen wird und wie öffentlich diese gestaltet werden soll – auch darüber sprechen die Bischöfe.
Vorbereitet werden soll die nationale synodale Versammlung offenbar vom Präsidenten der Bischofskonferenz, Bischof Felix Gmür, seinem Generalsekretär Davide Pesenti, Arnd Bünker von der Pastoralkommission und Daniel Kosch, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz.
Vielleicht zaubern die Bischöfe, pünktlich zum Weltfrauentag am 8. März, aber auch noch eine Frau in die Vorbereitungsgruppe. Am Donnerstag informiert Bischof Felix Gmür in einer Medienkonferenz – wir werden berichten.
Am heutigen Montag beginnt in den Ostkirchen die Fastenzeit. Der Tag heisst «Reiner Montag» und ist mit dem Karfreitag der wichtigste Fasttag des Jahres. Gestern, am Sonntag, stand die Versöhnung im Zentrum. Angesichts des Krieges in der Ukraine eine besondere Herausforderung.
Der ukrainische Priester Nazar Zatorskyy sagt über die Fastenzeit: «Wir erleben nicht nur die Leiden, die Kreuzigung und den Tod Christi. Sondern die Ukraine ist auf dem Weg nach Golgotha. Die Ukraine blutet genauso, wie Christus geblutet hat. Wir hoffen, dass bis zu Ostern auch für die Ukraine die Auferstehung kommt.»
Nazar Zatorskyy ist Nationalkoordinator der ukrainisch griechisch-katholischen Kirche. Und auch Doktorand an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg. Hier ist die Nummer zwei der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Hilarion Alfejew, Titularprofessor.
Der Dekan der Freiburger Fakultät, Mariano Delgado, hat Metropolit Hilarion letzte Woche dazu aufgefordert, «die völkerrechtswidrige militärische Invasion Russlands in der Ukraine öffentlich und unmissverständlich zu verurteilen» und «Putin öffentlich und unmissverständlich» dazu aufzufordern, «die russischen Truppen unverzüglich zurückzuziehen».
Dieser Aufforderung ist der Metropolit bislang nicht nachgekommen. Die Nummer eins der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill, hat dafür den Schutz der Gläubigen vor «Gay-Pride-Paraden» indirekt als Legitimation für den russischen Einmarsch in die Ukraine genannt. Wir haken nach, wie die Freiburger Fakultät mit Metropolit Hilarion umzugehen gedenkt.
Zum Gottesdienst am Sonntag in der Krypta der Liebfrauenkirche erschien die Ukrainerin Uliana Pereskotska in einem T-Shirt, das zurzeit öfter in den sozialen Medien zu sehen ist: Es erinnert an den Angriff Russlands auf die ukrainische Schlangeninsel. Die russische Marine forderte ukrainische Grenzsoldaten auf, sich zu ergeben, um Blutvergiessen zu vermeiden. Worauf die Ukrainer geantwortet haben: «Russisches Kriegsschiff, fick dich!» Seitdem geht der Spruch viral – und findet sich auch auf T-Shirts.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR spricht mit Blick auf die Ukraine von der «am schnellsten wachsenden Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg». Schon jetzt kommen Menschen aus der Ukraine in der Schweiz an. Doch nach wie vor ist in der Ukraine die Not am grössten.
Sarah Paciarelli, die Sprecherin des Frauenbunds, hat am Wochenende bei «Zurich helps Ukraine» durchgearbeitet. Eine Gruppe von Freiwilligen hat sich über die sozialen Medien zusammengetan und nimmt in der Albisriederstrasse 243 A in Zürich Hilfsgüter entgegen. Die Organisation steht in engem Kontakt mit der ukrainischen Botschaft in Bern und tauscht sich laufend mit dem Botschafter aus. «Bitte keine Kleidung mehr bringen», sagt Sarah Paciarelli. «Gebraucht werden Medikamente, Hygieneprodukte, haltbare Nahrungsmittel und Stromgeneratoren.» Eine detaillierte Wunschliste findet sich in ihrer aktuellen Instagram-Story.
Am Mittwoch werden die Glocken landesweit um 10 Uhr läuten. «Die drei Schweizer Landeskirchen verurteilen den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, der auch den Frieden in Europa bedroht. Wir fordern den russischen Präsidenten auf, die Kriegshandlungen sofort zu stoppen und weiteres Leiden zu verhindern. Unsere Solidarität gilt allen Menschen in der Ukraine und ihrer Angst und Sorge», heisst es in einem Aufruf der Schweizer Bischofskonferenz, der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz und der Christkatholischen Kirche Schweiz.
Am Dienstag ist die Missbrauchskrise Thema in der Paulus-Akademie. Zusammen mit der Zürcher Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding und der Präventionsbeauftragten des Bistums Chur, Karin Iten, diskutiert der Berner Pfarrer Nicolas Betticher, welche Reformen notwendig sind – und welche Antworten die Schweizer Kirche geben sollte. Denn nicht nur bei der Aufarbeitung, sondern auch bei der Intervention in aktuellen Fällen und in der Präventionsarbeit stehe die Kirche vor grossen Herausforderungen.
Ein Hinweis dafür, dass die katholische Kirche in der Schweiz nicht alles macht, was sie sich selbst auferlegt hat, zeigt eine Recherche von kath.ch: Eigentlich sollte jedes Bistum eine Person einsetzen, die die Massnahmen im Bereich Missbrauchsprävention managt. So wollen es die Richtlinien der Bischofskonferenz. Doch mehrere Diözesen erfüllen die Vorgabe bislang nicht – und auch die Stellenprozente sind sehr verschieden.
Am Sonntag wird der Herbert-Haag-Preis verliehen: «Den Preis erhalten Menschen, die Opfer sexuellen und geistlichen Missbrauchs geworden sind, die ihre traumatischen Erfahrungen öffentlich gemacht haben und die sich persönlich für die Aufarbeitung dieses Jahrtausend-Skandals einsetzen», teilt die Herbert Haag-Stiftung mit. Der Preis geht unter anderen an Jacques Nuoffer für die Westschweizer Opfervereinigung Sapec, Albin Reichmuth für die Deutschschweizer Interessengemeinschaft für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld und an die Frankfurter Theologin Doris Reisinger.
«Mir ist schlecht ob so viel Selbstgefälligkeit», twitterte Reisinger im Februar, nachdem sie Benedikts «Ich werde ja nun bald vor dem endgültigen Richter meines Lebens stehen»-Brief gelesen hatte.
Ebenfalls am Sonntag knöpft sich der Luzerner Kirchenhistoriker Markus Ries Benedikt XVI. vor. Er spricht im Rahmen des Fastenvortrags über «Kirche am Abgrund: Kämpfen und Hoffen seit Benedikt XVI.».
Was wird nächste Woche wichtig? Wir freuen uns über Ihren Input an rauchzeichen@kath.ch.
Einen guten Start in die Woche wünscht Ihnen
Ihr
Raphael Rauch
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant