Bischof Grögli: «Die weibliche Sichtweise in der Predigt ist eine Bereicherung»

Das Westschweizer Netzwerk der Frauen in der Kirche hat sich am Dienstag in Lausanne mit Bischof Beat Grögli zum Gespräch getroffen. Dabei lernte der Bischof von St. Gallen die Situation und die Anliegen der Frauen in der katholischen Kirche der Westschweiz näher kennen. Diese haben – im Unterschied zur Deutschschweiz – keine Predigterlaubnis.

Raphaël Zbinden

«Ich fühle mich in dieser Aufgabe sehr wohl», versicherte Bischof Grögli mit Blick auf sein Treffen mit rund einem Dutzend Vertreterinnen des Westschweizer Frauennetzwerks (französisch: Reseau des femmes en Église) im Espace Zundel in Lausanne. Als Verantwortlicher für den Bereich Pastoral innerhalb der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) ist der Bischof von St. Gallen auch für die Beziehungen zu den Frauenorganisationen zuständig.

Ziel des Treffens war ein Austausch über die Situation und die Perspektiven der Frauen in der Kirche, insbesondere in der Westschweiz.

Predigt von Frauen

Das Gespräch fand in herzlicher Atmosphäre statt. Es führte zur Frage, ob Frauen während der Eucharistiefeier predigen können. Eine solche Praxis besteht faktisch in den deutschsprachigen Gebieten, darunter auch in der Deutschschweiz. Bischof Grögli bestätigt, dass dies in seinem Bistum seit fast 50 Jahren regelmässig geschieht.

In der französischsprachigen Schweiz wird dies jedoch nicht akzeptiert. Eine der Teilnehmerinnen erklärte, sie erlebe dieses Verbot «wie eine Verletzung».

«Schwache Argumente»

Bischof Grögli seinerseits ist der Ansicht, dass Laien, die eine entsprechende theologische Ausbildung erhalten haben, zur Predigt zugelassen werden sollten. «Die weibliche Sichtweise in der Predigt ist eine Bereicherung», fügt er hinzu.

Für ihn sind die theologischen Argumente, die Frauen am Predigen hindern, «schwach». «Ich habe sie, ehrlich gesagt, nie verstanden.» Die Frage der Laienpredigt in der Eucharistiefeier werde bei den Ad-limina-Besuchen der Schweizer Bischöfe regelmässig angesprochen.

Die Teilnehmerinnen und der Bischof stellten fest, dass der Priestermangel solche Lösungen längerfristig notwendig machen könnte. Zusammenschlüsse von Pfarreien und die Schaffung allzu grosser kirchlicher Räume seien keine geeignete Lösung, weil dadurch die pastorale Nähe erschwert werde.

Der synodale Weg?

Ein weiterer Teil des Gesprächs betraf die Beziehungen zwischen den Frauenorganisationen und der SBK. Der Frauenrat ist ein beratendes Organ der Bischofskonferenz. Die Mitglieder des Netzwerks beurteilen dieses Modell jedoch als unbefriedigend, vor allem weil sich der Rat nicht aus Vertreterinnen der Frauenorganisationen zusammensetzt. Gleichzeitig hat die aus den nationalen Organisationen bestehende Austauschplattform keinen direkten Kontakt mit der SBK. Eine Forderung nach einem solchen Kontakt wurde aufgeworfen.

Die Teilnehmerinnen äusserten den Eindruck, dass Frauen trotz konstruktiver Kontakte mit den Bischöfen nicht gehört und nicht angemessen wahrgenommen würden und dass Fortschritte häufig blockiert würden.

«Sobald wir einen Vorschlag für eine Veränderung machen, hält man uns das Kirchenrecht entgegen», beklagte ein Mitglied des Netzwerks. Die Gesprächsteilnehmerinnen bekräftigten deshalb die Notwendigkeit einer Reform, die von der Basis ausgeht. Eine Chance dafür könnte der in der Schweiz begonnene synodale Weg bieten. «Wir müssen diese neuen Räume der Meinungsäusserung unbedingt nutzen, um unser Anliegen voranzubringen», erklärt eine Teilnehmerin. (Übersetzung und Adaption: Regula Pfeifer)


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