Isabelle Catzeflis (64) ist bei der Bischofskonferenz zuständig für Schweizer Missionarinnen und Missionare in Übersee. Die Walliserin war selbst 20 Jahre in Westafrika. Im Interview mit kath.ch sagt sie, warum solche Einsätze auch heute noch sinnvoll sind.
Barbara Ludwig
Ist es heute noch nötig, Seelsorgende – Priester oder Laientheologen – als Missionare in Länder ausserhalb Europas zu schicken?
Isabelle Catzeflis*: Ich spreche jetzt von meiner persönlichen Vision, die schwierig umzusetzen ist. Denn ich weiss, dass die Diözesen nicht genügend personelle Ressourcen haben, um Seelsorgende für einen missionarischen Einsatz freizustellen – für ein Jahr oder auch drei Jahre. Meine Vision versucht aber, dem Evangelium treu zu bleiben. Dieses sagt: «Gebt, dann wird auch euch gegeben werden.» Wenn es gelänge, einen Weg zu finden, der es Seelsorgenden ermöglicht, ein Praktikum von vier bis neun Monaten in einem Land zu absolvieren, in dem die Lebensbedingungen nicht gerade komfortabel sind, wo sie aber mit offenen Armen aufgenommen werden und erfahren, was das universelle kirchliche Leben wirklich ausmacht, wäre dies ein Mehrwert bei ihrer Rückkehr in die Schweiz.
«Sie kehren mit einem offeneren Herzen und offeneren Augen zurück.»
Worin bestünde dieser Mehrwert?
Catzeflis: Seelsorgende mit einer solchen Erfahrung werden viel offener sein gegenüber Gemeinschaften mit Migrationshintergrund, die manchmal Schwierigkeiten haben, sich in die Pfarrei zu integrieren. Sie kehren mit einem offeneren Herzen und offeneren Augen zurück und verstehen, warum dieses oder jenes Volk sich auf eine bestimmte Weise verhält.
Sie sprechen von dem, was Schweizer Seelsorgende aus einem Einsatz mitbringen. Es fragt sich aber, warum es aus Sicht der Länder in Übersee die Missionare aus Europa noch braucht.
Catzeflis: Gerade, weil es nicht mehr dieselbe Mission ist wie einst, als es darum ging, das Evangelium zu verkünden. Heute sind die Menschen bereits evangelisiert. Aber die Anwesenheit einer Person, die ihr komfortables Leben hinter sich lässt, um inmitten eines Volks in Not zu leben, ist ein gewaltiges Zeugnis. Es bedeutet: «Ich bin für euch gekommen, um euch zu bezeugen, dass ich zusammen mit euch Christ bin». Und dieses Zeugnis sagt mehr als eine Predigt.
«Wenn wir uns diesem Neuen gegenüber öffnen, dann öffnen wir uns tiefer für die Botschaft des Evangeliums.»
Das ist bestimmt sehr wertvoll. Hierzulande aber verflüchtigt sich der christliche Glaube, Stichwort Säkularisierung. Eigentlich müssten nun glaubensstarke Menschen aus Übersee zu uns kommen und uns missionieren.
Catzeflis: In gewisser Weise ist das bereits der Fall. Heute wirken bei uns Priester aus Indien, aus Afrika, aus Polen in der Seelsorge. Sie können uns helfen, uns zu öffnen, weil sie anders sind. Sie haben Schwierigkeiten mit der Sprache, andere Essgewohnheiten, sie sprechen anders. Wenn wir uns diesem Neuen gegenüber öffnen, dann öffnen wir uns tiefer für die Botschaft des Evangeliums. Und das ist gelebte Mission.
*Isabelle Catzeflis (64) ist Leiterin der Dienststelle Fidei Donum. Die Walliserin hat selbst Auslanderfahrung. Während 20 Jahren lebte sie in Westafrika (Elfenbeinküste). Sie arbeitete als Pflegefachfrau in Privatkliniken. Daneben engagierte sie sich als Mitglied der Fokolar-Bewegung im Bereich Evangelisation.
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