Sie waren in fernen Ländern, wo sie für den christlichen Glauben wirkten. Am Freitag haben sich Missionarinnen und Missionare auf Einladung von «Missio Schweiz» in Freiburg zum Austausch getroffen. Spürbar wurde: Da ist noch immer viel Feuer.
Barbara Ludwig
Trauben, Croissants, goldgelbes Safranbrot – eine Freiburger Spezialität – und Schoggibrüggeli. Die Mitarbeitenden von «Missio Schweiz» haben zum Empfang im grossen Saal der Pfarrei Christ-Roi ein langes Buffet vorbereitet. Die Gäste – in der Mehrzahl ältere Männer und Frauen – stehen an für eine Tasse Kaffee oder sind bereits in ein Gespräch vertieft, zu zweit, in Gruppen. Man hört Französisch und Deutsch. Für viele ist es offensichtlich ein Wiedersehen mit Bekannten.
Sie sind der Einladung von «Missio Schweiz» gefolgt. Der Schweizer Zweig der päpstlichen Missionswerke hat zum Auftakt des Monats der Weltmission am Freitag vergangener Woche einen «Tag der Missionarinnen und Missionare» organisiert.
Rund 70 Personen sind nach Angaben der Veranstalter gekommen, vor allem ehemalige Missionare, Mitarbeitende von Missio sowie Menschen, die mit dem Werk in Verbindung stehen. Aber auch mehrere Vorgänger des aktuellen Direktors Markus Cott sind da, zudem Alexandre Ineichen, Abt von Saint-Maurice und Beauftragter für den Bereich «Mission» der Schweizer Bischofskonferenz.
Gegen zehn Uhr werden die Gäste gebeten, in den Stuhlreihen vor der Bühne Platz zu nehmen. Und es beginnt der offizielle Teil des Treffens mit einem «Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes», das ein Missio-Mitarbeiter spricht. Als das bekannte Taizé-Lied «Laudate omnes gentes» angestimmt wird – Direktor Cott begleitet am E-Piano – zeigt sich der geistliche Charakter des Tages. Es folgt ein Psalmgebet auf Deutsch, das alle mitsprechen, und eine Lesung auf dem Matthäusevangelium in italienischer Sprache.
Dann ist es eine Weile still in dem Saal – bevor ein letztes Lied angestimmt wird. «Au-dela de toute frontière, l’Evangile a croisé nos chemins» lautet der Refrain. Auf Deutsch heisst das: «Über alle Grenzen hinweg hat das Evangelium unsere Wege gekreuzt.» Der Gesang berührt. Das Lied passt zu all den Menschen hier, die die Grenzen der kleinen Schweiz überschritten haben, um irgendwo in der weiten Welt einen Missionseinsatz zu leisten, einige Jahre oder gar während Jahrzehnten.
«Wir können niemanden bekehren. Wir können Raum schaffen, damit Gott wirken kann.»
Wie man Mission heute verstehen kann, erklärt anschliessend Martin Brunner-Artho. Der frühere Missio-Direktor greift dabei auf Papst Franziskus zurück, der ihn während seiner Zeit als Missio-Direktor geprägt habe. Franziskus habe in seinem Lehrschreiben «Evangelii Gaudium» (2013) wunderschöne Bilder verwendet, um Mission zu beschreiben. Etwa, Mission sei das «Schaffen von Raum für das Wirken Gottes». Er finde das eine «sehr spirituelle Definition», sagt Brunner-Artho. «Wir können niemanden bekehren. Gott ist es. Wir können Raum schaffen, damit Gott wirken kann.»
Mit Bruder Bernard Maillard richtet sich ein anderer ehemaliger Missio-Direktor an die Frauen und Männer. Der französischsprachige Kapuziner ruft zur Solidarität mit anderen Kirchen auf. Gemeint sind die katholischen Ortskirchen in anderen Weltregionen. «Die lokale Kirche, unsere Pfarreien, die Diözese sollten die universelle Kirche kennen. Wir müssen wissen, was andere Kirchen sagen, wie sie uns inspirieren können. Wir haben von ihnen zu empfangen», sagt Maillard, ein fülliger Mann, der während seiner Ansprache immer wieder mit verschmitztem Lächeln ins Publikum blickt.
Dieses Empfangen nennt er «die grosse Konversion». «Heute haben wir Priester aus anderen Ländern (in der Schweiz, d. Red.). Sie bringen uns Sinn für Humor. Sie zeigen uns, was es heisst, lebendige Gemeinschaften zu sein», sagt Maillard.
Nach den Ansprachen werden die Missionarinnen und Missionare einzeln aufgerufen. Yves Carron von «Missio Schweiz» nennt Namen und Land, in dem sie wirkten. Jede und jeder bekommt einen farbigen Punkt, um das entsprechende Land auf einer Weltkarte vor der Bühne zu markieren. Es sind Ordensfrauen, Ordensmänner, Laienmissionarinnen und -missionare, die nach vorne gehen, darunter auch einige wenige Menschen dunkler Hautfarbe.
Eine eindrückliche Zahl von Ländern kommt zusammen. Darunter Kolumbien, Bolivien, Taiwan, die Philippinen, Papua-Neuguinea, die Türkei, Südafrika, Senegal, Kamerun, Elfenbeinküste, Tschad, die Demokratische Republik Kongo, Madagaskar. Am meisten farbige Punkte bekommt der afrikanische Kontinent. Dort, genauer in Senegal, wirkt auch Michael Fent. Der 39-Jährige ist einer von wenigen derzeit im Ausland aktiven Schweizer Missionaren, aktuell auf Heimaturlaub in der Schweiz.
«Wenn du zurückgehst in die Schweiz, sag ihnen, dass wir dankbar sind für den Glauben, den wir erhalten haben.»
Nach einer kurzen Pause setzen sich die Gäste in kleinen Gruppen zusammen, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei hilft ihnen eine Liste von vorbereiteten Fragen. Die Journalistin hat Gelegenheit, bei einer deutschsprachigen Gruppe mitzuhören. «Wenn du heute an deinen Missionsaufenthalt zurückdenkst: Was fällt dir als Erstes ein?» lautet eine Frage. Jolanda Knecht, ehemalige Laienmissionarin, war sieben Jahre in Kongo-Kinshasa. Sie nennt die Lebensfreude der Menschen, denen sie dort begegnete.
Der Marianhiller Missionar Damian Weber, auch er ein ehemaliger Missio-Direktor, war 13 Jahre in Südafrika. Ihm fällt spontan die Dankbarkeit der Menschen ein. Keine Dankbarkeit etwa für materielle Dinge, die sie erhalten hätten. Sondern: «Die Leute sagten mir: Wenn du zurückgehst in die Schweiz, sag ihnen, dass wir dankbar sind für den Glauben, den wir erhalten haben», sagt der Ordensmann, der – mit bald Mitte 80 – noch immer vor Lebensfreude sprüht und Glaubensstärke ausstrahlt.
Die Ordensfrau Monika-Pia Kneubühler nennt die «schöne Zusammenarbeit» mit Missionarinnen und Missionaren aus anderen Ländern. Die Baldegger Schwester wirkte ein halbes Jahrhundert in der Diözese Mendi in Papua-Neuguinea, unter anderem in der Pastoralarbeit.
In der Gruppe sitzt auch Brigitte Fischer-Züger. Die Theologin arbeitete von 1998 bis 2004 im Auftrag der Bethlehem Mission Immensee in Taiwan in einem Büro der asiatischen Bischofskonferenzen. Als Erstes fällt ihr die Sprache ein. Es sei eine grosse Herausforderung gewesen, chinesisch zu lernen, sagt Fischer Züger, die mit Mann und zwei kleinen Kindern in Taiwan lebte und somit ganz den Alltag in dem asiatischen Inselstaat eintauchte.
Und was war das Schönste? Dass gerade die Menschen, die unter der damals herrschenden Apartheid in Südafrika gelitten hätten, sie «gestärkt» hätten, sagt Weber. «Das Schönste war, sich von diesen Menschen getragen zu fühlen.» Jolanda Knecht sagt, auch sie habe dieses Getragensein durch die Menschen gespürt. Kneubühler, die Baldegger Schwester, hat miterlebt, wie in Papua-Neuguinea – dessen Bevölkerung bis vor wenigen Jahrzehnten noch «in der Steinzeit» lebte – Stammeskämpfe ausbrachen. Das Schönste sei für sie gewesen, wenn nach einem erfolgreichen Versöhnungsprozess wieder Frieden einkehrte und dies auch gefeiert wurde.
Der kleine Einblick in die Welt der Missionarinnen und Missionäre lässt eine grosse Vielfalt an Erfahrungen und Realitäten erahnen und offenbarte: Mission ist keine Einbahnstrasse, sondern ein Austausch über Grenzen unterschiedlichster Art hinweg. Das Treffen endet, nach einem gemeinsamen Mittagessen und der Präsentation der diesjährigen Missio-Kampagne zu Bolivien, mit einem Gottesdienst in der zur Pfarrei Christ-Roi gehörenden Kapelle. Und dem Posieren für ein Gruppenfoto im Freien.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant