Eine Leihmutterschaft kostet zwischen einigen tausend bis zu 180’000 Franken – je nach Land und dortigen Standards und Gesetzen. Das heisst, eine Leihmutterschaft kann sich nur leisten, wer über die nötigen Finanzen verfügt. Ist das gerecht? Eine Antwort gibt die Theologin Sophie Zimmermann im Podcast «Laut + Leis».
«Nein, ich glaube, das Thema Ungerechtigkeit zieht sich durch die ganze Thematik hindurch. Es sind eher reiche Wunscheltern, die bei einer eher ärmeren Frau in einem eher ärmeren Land eine Leihmutterschaft in Auftrag geben.
Da ist schon mal das soziale Gefälle zwischen der Leihmutter und den Wunscheltern in aller Regel erheblich. Man nimmt das ja auch mit Unbehagen wahr, was zum Beispiel in Ländern wie Indien in Bezug auf Leihmutterschaften passiert.
Spannend ist, bei dem Thema Wunscheltern wird oftmals davon ausgegangen, dass Eltern, die nicht auf ‹natürliche Weise› Eltern werden können, dass die das gleiche Recht haben sollen wie Eltern, die das können.
Damit soll eine Ungleichbehandlung aufgehoben werden, weil es eine Ungleichbehandlung ist zum Beispiel von einem schwulen Paar gegenüber einem Hetero-Paar, dass die keine Kinder haben können und dass so mit der reproduktiven Selbstbestimmung der Kinderwunsch in Erfüllung gehen kann.
Ich finde, wir müssen aufpassen, weil sich die Ungleichheit einfach in andere Sphären verschiebt. Nämlich hier in Bezug auf Reichtum und finanzielle Möglichkeiten. Denn man muss ziemlich viel Geld haben, um eine Leihmutterschaft umsetzen zu können als Wunscheltern, und man muss sehr viel Geld haben, um das mit einigermassen höheren Ansprüchen zum Beispiel in den USA tun zu können.
Das ist das gängige Narrativ, dass dort die rechtlichen Bestimmungen einfacher sind und besser. Und dass die Frauen besser geschützt werden als bei einer günstigen Leihmutterschaft zum Beispiel in Kolumbien oder der Ukraine.»
Das sagt Sophie Zimmermann. Die römisch-katholische Theologin arbeitet im Pastoralraum Stadt Luzern und ist Mitglied im Vorstand des Frauenbund Schweiz. im Podcast «Laut + Leis» debattiert sie mit Wolfram Kötter über Leihmutterschaft. Er ist Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Schaffhausen. (sl)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant